Eine Einladung zu einer Geburtstagsfeier nahm ich zum Anlass mal wieder in meine alte Heimat zu fahren. Neben all den Verwandtenbesuchen blieb mir noch Zeit einen kleinen Ausflug in ein ganz besonderes Naturschutzgebiet zu machen. Dort wächst eine sehr seltene Pflanze, die Ende Mai ihre volle Blütenpracht erreicht. Früher war ich immer mit meinem Vater an diesem Ort um diese Blüten zu bewundern. Bei meinem diesjährigen Besuch musste ich dann aber den Weg dahin erstmal suchen.  Man muss also nicht immer die höchsten Gipfel erklimmen um Naturwunder zu sehen.

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Gissigheim, mein Heimatort

Gissigheim – ein liebenswertes Dorf

Ich bin nur noch selten in meinem Heimatort, auch wenn ich mich jedes Mal frage warum eigentlich. Die Rückkehr zu meinen Wurzeln ist immer wieder ein Highlight für mich. Die Menschen in dem Dorf sind ein sehr lustiges Völkchen und meistens ist die Welt hier noch in Ordnung. Sobald ich das Ortsschild passiere, verliere ich komischerweise sofort die Fähigkeit hochdeutsch zu sprechen und verfalle wieder in den Dialekt, den man wenige Kilometer weiter kaum noch versteht.

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KIrche und Maibaum

In meiner Jugend war es mir hier bald zu langweilig und zu spießig und so setzte ich Alles dran hier möglichst schnell weg zu kommen. Mit zunehmendem Alter weiß ich aber die Ruhe und Gemütlichkeit dieses Dorfes zu schätzen.

Viel zu sehen gibt es hier im Dorf nicht. Ein kleines Schloss, in dem ein winziges Heimatmuseum untergebracht ist, das aber nicht mal öffentlich zugänglich ist. Ein Gasthaus und eine Bäckerei, die allerdings Kunden aus weitem Umkreis anlockt, weil hier noch altes Handwerk in hoher Qualität ausgeübt wird.

Etwas außerhalb tief im Wald versteckt gibt es eine Keltenschanze, ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit.  Man erkennt aber nur die Aufschüttung der Wälle die diese Siedlung umgaben. Ich weiß nicht, ob sich jemals ein Archäologe dafür interessierte.

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Schutzengelkapelle, Gissigheim

Schutzengelkapelle

Eine Besonderheit gibt es aber: Die Schutzengelkapelle. Erbaut wurde sie im Jahr 1712 und diente unter anderem als Familiengruft der Grafen von Bettendorf. Interessant ist vor allem die Entstehungsgeschichte.

Dem jungen Grafen erschien in der türkischen Gefangenschaft ein Engel, der ihm versprach ihn aus dieser zu befreien. Nach seiner Rückkehr in die Heimat ließ er aus Dankbarkeit für seine Befreiung die Kapelle errichten und widmete sie den Schutzengeln. Wer die Kapelle besichtigen möchte muss allerdings erst herausfinden, wer den Schlüssel hat. Einmal im Jahr am ersten Sonntag im September begehen die Gissigheimer das Schutzengelfest und dann kann die Kapelle auch besichtigt werden.

 

Naturschutzgebiet Haigergrund

Meine Liebe zur Natur habe ich von meinem Vater geerbt. Als kleiner Junge gab es für mich nichts schöneres als am Sonntag mit meinem Vater einen Ausflug in die Umgebung zu machen und mir von ihm bei einem Spaziergang seltene Pflanzen und Tiere zeigen zu lassen. Und davon gibt es in der Gegend so einige.

Schon vor meinem Besuch kam mir die Idee mir dieses Mal die Zeit zu nehmen und eine besonders schöne Blume zu bestaunen. Der Mai war ja recht kühl und regnerisch und so hoffte ich, dass der Diptam noch blüht.

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Im Nachbarort Königheim gibt es das Naturschutzgebiet Haigergrund. In dem ca. 60 ha großen Schutzgebiet gibt es eine Vielzahl an sehr seltenen Pflanzen und Tieren. Der Höhenzug zwischen Königheim und Külsheim war früher mit Weinbergen bedeckt, die aber schon vor langer Zeit aufgegeben wurden. Heute findet man hier neben Diptam auch viele Orchideen wie Knabenkraut und verschiedene Ragwurzarten.

 

Ein Paradies nicht nur für Bienen und Schmetterlinge. Am besten erreicht ihr das Gebiet von Königheim aus. Von der Josefskapelle führt eine schmale Straße durch das Tal mit Äckern und Streuobstwiesen. Offizielle Parkplätze gibt es nicht beim Naturschutzgebiet und wenn ihr euch auf den Weg in das Gebiet macht, verlasst keinesfalls die ausgewiesenen Pfade und bitte berührt die Pflanzen nicht. Dieses Ökosystem ist extrem empfindlich. Also packt eure Kamera ein und macht Fotos, aber nicht mehr.

 

Diptam, eine seltene Schönheit

Diptam, auch Aschwurz oder Brennender Busch genannt, ist sehr selten und steht schon seit 1936 unter strengem Naturschutz. Diese Pflanze ist eigentlich in Asien, Südosteuropa und Nordafrika beheimatet, aber auch bei uns in Deutschland zu finden. Bei uns gedeiht sie so selten, weil sie hohe Ansprüche stellt. Sie braucht trockene, kalkhaltige und stickstoffarme Böden. Außerdem wächst sie nur im Halbschatten.

 

Diptam stammt aus der Familie der Rautengewächse und wird zwischen 60 und 120 cm hoch. Wenn nach der Blüte die Früchte reifen, entstehen ätherische Öle, die an eine Mischung aus Vanille und Zitrone erinnern. An besonders heißen Tagen können sich diese ätherischen Öle selbst entzünden und bilden dann kleine blaue Flämmchen, die aber weder auf der Pflanze schaden noch die Umgebung entfachen können. Früher galt Diptam als Heilpflanze. Neuere Untersuchungen konnten aber keinerlei heilende Wirkung feststellen. Also ist sie wohl einfach nur giftig. Eine Berührung kann Bläschen verursachen, die ausschauen wie Brandblasen. Noch ein Grund diese Schönheit in Ruhe zu lassen.

 

Es gibt heute aber auch noch andere Blüten zu sehen. Entlang des Höhenzugs ist ein Rundweg angelegt. Da ich ständig stehen bleibe um zu fotografieren, benötige ich etwa eine Stunde dafür. Die Umgebung ist saftig grün und die Stille, die mich umgibt ist sehr beruhigend. Wenn man in der Großstadt lebt, lernt man das umso mehr zu schätzen.

 

Auf meinem Spaziergang begegnen mir gerade mal zwei Menschen, was aber daran liegen mag, dass es noch früh am Tag ist. Dennoch ist es in der Sonne schon sehr warm. Das ist noch ungewohnt. Nach dem kühlen und nassen Mai. Irgendwann biegt der Pfad nach links in den Wald und steigt leicht an, bevor ich auf einen Forstweg komme. Hier sehe ich noch ein paar Waldvögelein. Diese Orchidee ist in Deutschland noch weit verbreitet. Vorausgesetzt es findet kalkhaltige Böden.

 

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So schlendere ich also gemütlich über den Weg zurück zu meinem Auto und bewundere noch die letzten Diptam-Pflanzen. Ich bin froh, dass ich mir diese Stunde Zeit genommen habe, um diese einmalig Blütenpracht zu bewundern. Es muss ja nicht immer Alpenpanorama sein.

 

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