Vom Ufer des Sylvenstein-Stausees führt diese Tour zunächst auf recht ebenem Forstweg durch dichten Wald. Danach geht es oberhalb der Krottenbachklamm immer noch angenehm Richtung Delpsee. Der Aufstieg am Ende des Tals zum See ist steil und recht anstrengend. Die Belohnung ist das geniale Karwendel-Panorama von der Tölzer Hütte. Die komplette Tour ist recht lang und so braucht man durchaus eine gute Kondition. Da ich nicht wusste, wie lange ich brauchen werde bin ich dieses Mal mit dem Auto gefahren.

  • Länge: ca. 22 KIlometer
  • Gehzeit: ca. 8 Stunden
  • Höhenmeter im Aufstieg: 1160 m
  • Höhenmeter im Abstieg: 1180 m

Fall, das verpflanzte Dorf

Zwischen 1954 und 1959 hat man an der Isar ca. 12 km südlich von Lenggries einen Damm gebaut, der die Gemeinden entlang des Flusses vor den häufig auftretenden Hochwassern schützen sollte. Im Einzugsgebiet des Stausees lag aber ein kleines Dorf mit ein paar Holzhütten und einer Kapelle. Das hat man abgerissen und ein paar Meter weiter oben am Berg neu aufgebaut. Viel gibt es hier nicht zu sehen, aber das Dorf liegt mitten im Wald am See und ist ein guter Ausgangspunkt für ausgedehnte Touren.

Für diesen Tag war mal wieder traumhaftes Sommerwetter angekündigt und so bin ich mal wieder in die Berge. Der Fahrplan des Bergsteigerbusses ab/bis Lenggries ist ja eher spärlich, und da ich nicht wusste wie lange ich für diese Tour brauche, bin ich sicherheitshalber mal mit dem Auto gefahren. Es ist etwas schwieriger einen Parkplatz zu finden, da hier am See viele Camper die Nacht verbringen. Nachdem ich mir mein Parkticket gezogen habe, kann es losgehen.

Zunächst folge ich der Straße, die zum Forsthaus Aquila, einem beliebten Ausflugslokal am Ende des Bächentals führt. Am Beginn einer Tour eine ebene Strecke zu haben finde ich sehr gut zum Aufwärmen. So genieße ich den gemütlichen Spaziergang durch den kühlen Wald und suche nach der Abzweigung ins Krottenbachtal. Gerade als ich schon glaubte sie verpasst zu haben, kommt sie dann doch noch.

Entlang der Klamm im Krottenbachtal

Unterhalb des Schildes, das mir den Weg zeigt, steht ein Hinweis, dass der Weg zur Tölzer Hütte gesperrt ist, weil eine Brücke über den Bach nicht passierbar ist. Das hält mich aber nicht davon ab trotzdem weiter zu gehen. Im allerschlimmsten Fall, muss ich halt umkehren und mir einen anderen Weg suchen. Ab hier geht es dann langsam über einen Forstweg bergaufwärts. Die Steigung hält sich in Grenzen und die meiste Zeit führt der Weg durch schattigen Wald. Zu meiner Linken höre ich im Tal das Wasser durch die Klamm rauschen. Zu sehen ist aber wegen des dichten Waldes nichts.

Aber viele Orchideen blühen am Wegesrand. Durch den vielen Regen im Mai ist alles so richtig saftig grün. Bis jetzt ist die Tour ein Genuss. Die kühle würzige Luft sorgt dafür, dass ich mich schnell entspanne. So kann es weiter gehen. Nach etwa einer Stunde komme ich dann an eine weitere Abzweigung. Rechts geht es über den Faller Rundweg wieder zurück nach Fall. Mein Weg zur Tölzer Hütte führt aber geradeaus weiter. Ich laufe noch immer auf einem Forstweg, allerdings ist dieser nicht mehr so gepflegt. Mag ich eh lieber als diese platt betonierten Schotterstraßen.

An der Abzweigung sehe ich noch den Baum oben, der gekippt ist und dessen Triebe nun wie einzelne kleine Bäume nach oben wachsen. Kurze Zeit später dann wieder mal ein Blick in die Klamm auf einen Wasserfall. Und dann endlich auch der erste Blick auf den Schafreuter. Ob ich wirklich auf den Gipfel rauf gehe, weiß ich noch nicht. Mein Ziel ist erst mal die Tölzer Hütte.

Langsam wird der Wald etwas lichter und ich habe nun des Öfteren freien Blick auf die Gipfel vor mir. Je höher ich komme, desto zahlreicher werden auch die Einblicke in die Klamm unterhalb des Weges. Der Nachteil daran ist, dass es inzwischen sehr warm geworden ist, und ich nun die meiste Zeit in der Sonne gehe. Das heißt, dass ich mein Wasser ein bisschen einteilen muss. Aber sicher komme ich noch an eine Stelle, wo ich die Flasche wieder füllen kann.

Immer noch steigt wer Weg recht langsam an. Dafür kommt mir der Boden der Klamm immer näher. Beim Überqueren einer Brücke wundere ich mich dann aber, dass plötzlich kein Wasser mehr im Bach fließt. Das ist komisch, weil ich doch die ganze Zeit das Plätschern gehört habe. Ist das jetzt die Brücke, die angeblich zerstört und nicht passierbar ist? An dieser Brücke kann ich zumindest nichts erkennen und sie problemlos überqueren.

Nur wenige Minuten später ist die Welt wieder in Ordnung und der Bach führt wieder Wasser. Ich nehme an, dass der Lauf an der Brücke von Geröll verschüttet wurde und daher ein Stück weit unterirdisch fließt. Da der Wald langsam immer lichter wird, habe ich nun mehr oder wenig ständig das Talende mit den Gipfeln des Stierjochs, Torjochs und Schafreuter im Blick. Das Panorama gefällt mir. Allerdings wird mir dadurch auch bewusst, dass das noch ein langer Anstieg werden wird.

Irgendwann geht der Forstweg in einen Pfad über. Der Bach hat sich hier auch nicht mehr so tief in die Felsen gegraben und wird nun mein ständiger Begleiter. Nach einer Weile komme ich zu diesem Felsplateau, über das sich durch mehrere Becken ein Zufluss zum Bach ergießt. In einem dieser Becken sehe ich dann diesen schwarzen Salamander. Lustigerweise bewegt er sich nur, wenn ich mich auch bewege. Ansonsten liegt er da im Wasser und hofft wohl, dass er die Situation heil übersteht. Gut für mich, denn so kann ich ein gutes Foto von ihm schießen. Ein paar Becken weiter fülle ich im fließenden Wasser erst mal meine Flasche auf.

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Kurze Zeit später wird die Klamm dann doch noch einmal tiefer und hier ist auch der Wald wieder dichter. Die Kühle im Wald tut gut. Mir ist inzwischen dann doch recht warm geworden. Ich bin jetzt inzwischen seit etwa 2 Stunden unterwegs, habe aber laut meiner Karte gerade mal 300 Höhenmeter überwunden. Da erwartet mich wohl noch ein steiler Anstieg.

Und dann öffnet sich das Tal vor mir und bietet einen tollen Ausblick zum Talende mit den Gipfeln des Stierjochs, Torjochs und Schafreuter. Eine sehr beeindruckende Landschaft. Zu meiner Rechten sehe ich dann diese Schneereste. Ich bin überrascht wie lange die sich diesen Sommer halten. Hat aber auch was Gutes. Denn so trocknet der Bach nicht so schnell aus.

Noch einmal folgt ein Stück, auf dem der Bach sich in eine tiefe Schlucht gegraben hat. Doch kurze Zeit später erreiche ich dann die zerstörte Brücke. Die ist wirklich nicht passierbar. Allerdings quert sie den Bach an einer Stelle, an der er nicht tief in den Felsen eingegraben ist. Und der Wasserstand ist niedrig genug um trockenen Fußes auf die andere Seite zu gelangen. Manchmal muss man Glück haben. Ich bin inzwischen seit etwa 3 Stunden unterwegs und müsste ein gutes Stück zurück gehen um auf einen anderen Weg zu kommen.

Ich gönne mir an den Resten der Brücke eine kurz Pause und fülle meine Wasserflasche noch einmal im klaren Bach. Das Wasser schmeckt köstlich. Hinter der Brücke kommt dann die erste wirkliche Steigung. In Serpentinen steigt der Pfad nun an der Flanke des Stierjochs nach oben. Das Tal weitet sich zu einer großen Mulde und  bietet einen großartigen Ausblick Richtung Schafreuter.

Hier ist der Wald wieder dichter und somit ist es auch kühler. Immer wieder blick ich zurück ins Tal und sehe den Bach unter mir in kleinen Wasserfällen Richtung Fall plätschern. Ganz selten treffe ich auf andere Wanderer. Aber die kommen mir entgegen und sind wohl vom Rißtal aus aufgestiegen.

Der Pfad geht inzwischen recht steil nach oben und schnell gewinne ich an Höhe. Zwischen den Bäumen gibt es immer wieder tolle Aussichten. Zum einen Richtung Gipfel, wo ich in der Ferne einen größeren Wasserfall sehe. Auf der anderen Seite blicke ich zurück ins Krottenbachtal und stelle fest, dass ich schon ein gutes Stück hinter mich gebracht habe.

Der Pfad schlängelt ich weiter an der Flanke des Stierjochs in die Höhe. Der große Wasserfall am Talende kommt schnell näher. Wo das Wasser her kommt ist mir gerade noch nicht klar. Aber beeindruckend ist er schon. Als ich dann endlich am Fuß des Wasserfalls stehe, hätte ich große Lust mich unter dem Wasser zu erfrischen. Weit und breit ist niemand zu sehen, somit würde eigentlich nichts dagegen sprechen. Ein Blick auf die Uhr sagt mir aber, dass ich weiter gehen sollte. Ich habe noch einen weiten Weg vor mir. Also fülle ich nur meine Wasserflasche und suche nach dem Weg.

Eine Markierung kann ich nicht finden und der einzige Durchlass scheint diese steile Felsspalte, die ihr im Bild oben links seht, zu sein. Die ist zwar recht kurz, wird aber zur echten Herausforderung. Mehr oder weniger auf allen Vieren klettere ich hier durch loses Geröll. Das ist ganz schön anstrengend. Irgendwie erinnert mich dieses Stück an die Wolfsschlucht bei Kreuth. Da geht es auch so steil den Berg hinauf. Am Ende dieses Stücks stelle ich dann aber fest, dass es wohl doch einen richtigen Weg gegeben hätte. Der muss rechts an den Felsen des Wasserfalls vorbei gehen. Ich hab ihn aber nicht gesehen. Immerhin habe ich damit das schwierigste Stück hinter mich gebracht.

Im Gestrüpp des Hochtales hinter dem Wasserfall wimmelt es nur so von Kröten. Die haben hier ideale Bedingungen. Einen plätschernden Bach, dichtes Gestrüpp und kaum störende Menschen. Der Weg ist hier nicht mehr ganz so steil, führt jetzt aber durch niedriges Gestrüpp in der prallen Sonne. Zu meiner Rechten habe ich nun ständig den Gipfel des Schafreuter im Blick. Ist wohl noch ein gutes Stück bis zur Tölzer Hütte.

Nach einem letzten steilen Anstieg erreiche ich dann den fast zugewachsenen Delpsee mit dem Baumgartenschneid im Hintergrund. Eine große, tiefe Mulde hat sich hier gebildet. Wirklich schön hier. Bei meiner Tour zum Gipfel des Schfareuters hatte ich schon einmal von oben in diese Mulde geblickt. Also kann es nicht mehr weit sein zur Tölzer Hütte.

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Der Weg durch diese Mulde zieht sich noch einmal ganz schön. Unterhalb des Delpjochs grasen Ziegen. Ich vermute, dass es schwierig sein dürfte Kühe hier hoch zu treiben. An den Felswänden der Gipfel gibt es noch einige weitere Schneefelder. Immerhin bin ich nun hoch genug, dass die Temperaturen erträglicher werden. Und dann sehe ich endlich die Tölzer Hütter über mir. Dort gibt es dann erstmal eine Erfrischung und was zu essen.

Den Ausblick von der Tölzer Hütte in das Karwendel finde ich immer wieder atemberaubend. Dieser Teil der Alpen zählt für mich zu den beeindruckendsten. Diese majestätischen Gipfel, einfach wunderschön. Die Tölzer Hütte liegt auf österreichischem Gebiet. Die Grenze ist hier oben aber nicht wirklich zu erkennen. Der Gipfel des Schafreuters liegt genau auf der Grenze. Ganz auf den Gipfel mag ich heute nicht mehr gehen, also frage ich mal bei den Hüttenwirten nach Alternativen um nach Fall zurück zu kommen.

Die empfehlen eigentlich den Abstieg über den Aufstiegsweg. Aber der ist mir etwas zu anstrengend. Alternativ kann ich unterhalb des Schfareuters zur Moosenalm und dort mit einem Gegenanstieg über das Grasköpfel. Das hört sich doch gut an. Also mache ich mich nach einer längeren Pause auf der Hütte an den Rückweg. Unterhalb des Schafreuters führt ein Pfad durch Latschenwald zum Wiesingberg. Den schlage ich nun ein.

Dieser Pfad ist sehr angenehm zu gehen. Fast eben führt er zunächst zum Wiesingberg. Von dort geht es dann über eine Almwiese Richtung Tal. Hier treffe ich dann auch den Pfad, der vom Gipfel herunter kommt und höre auch jede Menge Kuhglocken. Dieses Geläut gehört für mich zum Berg wie die Hütten. Auf solchen Almwiesen scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

Noch einmal habe ich einen schönen Ausblick in das Karwendel und auf der Wiese blüht Enzian. Der Abstieg gestaltet sich leicht und ist angenehm zu gehen. Eigentlich hätte ich ja auch den direkten Weg ins Tal nehmen können und hoffen, dass ich an der Oswaldhütte den Bergsteigerbus erreiche um nach Fall zu fahren. Aber ich war mir nicht sicher, ob ich das zeitlich schaffe. Also nehme ich an der Moosenalm wie geplant den Weg zum Grasköpfel.

Der Weg von der Moosenalm zur Osterwaldhütte ist mir als sehr unangenehm in Erinnerung geblieben. Da laufe ich doch lieber über die Almwiese und nehme den Gegenanstieg zum Grasköpfel in Kauf. Der Pfad führt fast eben weiter. Ich bin nur gespannt wie der Gegenanstieg zum Grasköpfel werden wird.

So erreiche ich dann recht schnell den Wiesbauern Hochleger, von wo der Aufstieg zum Grasköpfel erfolgt. Nach dem letzten Anstieg soll der Weg über einen schmalen Grat nach Fall führen. Das stört mich nicht. Ich bin ja schwindelfrei und meine Trittsicherheit sollte auch noch ganz gut sein, auch wenn ich inzwischen ziemlich erschöpft bin.

Wie ich so auf den Hochleger zu laufe, sehe ich Kühe im Gras liegen und kauen. Ein friedliches Bild. Doch der Schein trügt. Eine der Kühe hat mich im Auge. Je näher ich komme, um so höher hebt sie den Kopf. Irgendwann steht sie auf und schnaubt. Als ich ich immer noch nicht vertreiben lasse, fängt sie an mit den Hufen zu scharren. Das ist das Zeichen für mich, dass ich ihr besser aus dem Weg gehe.

Ein Schild zeigt mir die Alternative. Über den Reitsteig kann ich nach Vorderriß. Dort werde ich dann auf den Bus warten müssen. Aber was soll’s. Lieber komme ich heil nach Hause, als dass ich auf den Hörnern einer Kuh ende. Dieser Abstieg ist sehr viel einfacher zu gehen, als der zur Oswaldhütte. Leider endet der nicht direkt in Vorderriß, sondern an einem kleinen Parkplatz mitten im Wald. Ich versuche es mit Trampen, vielleicht habe ich ja Glück und es nimmt mich jemand mit nach Fall. In der Zwischenzeit laufe ich an der Straße entlang nach Vorderriß. Offensichtlich sehe ich aber zu verdreckt und verschwitzt aus, sodass ich die schätzungsweise 3 Kilometer bis zur Post in Voderriß doch laufen muss. Dort gibt es aber wenigstens eine Gaststätte, in der ich was zu trinken bekomme. Irgendwann kommt dann auch der Bus und ich kann endlich den Heimweg antreten. Das war eine sehr anstrengende Tour, aber ich habe auch wirklich viel gesehen. Wenn ihr also eine Herausforderung sucht, solltet ihr die auch mal machen.

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