Radtour zum Kloster Scheyern

Die meisten suchen sich für einen Radlausflug von München ein Ziel im Süden der Stadt aus. Klar, an der Isar entlang zu fahren ist sehr reizvoll und die Seenlandschaft um Starnberger und Ammersee ist wunderschön, aber auch der Münchner Norden bietet lohnenswerte Ausflugsziele. Eines davon habe ich mir diesen Herbst angeschaut. Die Tour ist etwas länger ausgefallen, weil ich mich verfahren habe. Sie kann aber unter zu Hilfenahme der Bahn entsprechend verkürzt werden. Es erwarten euch viel Natur und kleine verschlafene Dörfer unterwegs. Da diese Region nicht so populär ist, ist hier auch angenehm wenig los.
Regattasee
  • Länge: 104 Kilometer
  • Höhenmeter: 1240 Meter
  • Dauer: 10 Stunden

Ende September, der Sommer neigte sich definitiv dem Ende zu, zeigte sich aber an diesem Tag nochmal von seiner schönsten Seite. Das wollte ich ausnutzen und nochmal eine Tour machen. Heute wollte ich aber mal nicht in die Berge, sondern habe beschlossen mich auf mein Fahrrad zu schwingen und es etwas „gemütlicher“ anzugehen.

Ein Relikt der Olympiade von 1972

Vor ein paar Wochen habe ich im Supermarkt Bier vom Kloster Scheyern gekauft und danach mal nachgeschaut, wo das eigentlich herkommt. Laut Google waren es nur 40 Kilometer, also reift in mir die Idee da irgend wann mal mit dem Fahrrad hin zu fahren. Der Münchner Norden ist ja flach und so wird das eine entspannte Tour. Dachte ich zumindest.

Schnell habe ich die nördlichen Vororte von München hinter mir gelassen und erreiche die erste Sehenswürdigkeit entlang der Strecke. Der Regattasee ist ein Baggersee und am Nord- und Westufer befinden sich schöne Liegewiesen mit Schatten spendenden Bäumen. Der Südteil ist ein geschütztes Biotop. Ist schon faszinierend, dass es nur wenige Minuten vom Zentrum einen so friedlichen Ort gibt. Da kann natürlich auch daran liegen, dass ich früh am Morgen hier bin. Ich persönlich fahre zu anderen Seen zum Baden.

Nur ein paar Meter weiter befindet sich die Regattastrecke, die für die Olympischen Spiele gebaut wurde. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel. Viele nutzen die Ufer als Joggingstrecke oder zum Radeln. Auf dem Wasser sind noch immer Ruderer und Kanuten am Trainieren. Ein Teil der Strecke ist sogar zum Schwimmen freigegeben. Wenn ihr das tut solltet ihr aber immer darauf achten, dass ihr die Sportler mit ihren Booten nicht behindert. An der Tribüne, wo das Schwimmen erlaubt ist, gibt es im Sommer auch einen Beach Club, in dem man wunderbar chillen kann.

Durch das Dachauer Moos

Von der Regattastrecke geht es dann zunächst ein Stück entlang der B471. Da herrscht zwar viel Verkehr, aber es gibt einen gut ausgebauten Radweg direkt neben der Straße. Nach etwa einem Kilometer kann ich die aber schon wieder verlassen und biege rechts ab Richtung Badersfeld. Ich fahre nun durch das flache Moos und bin verwundert, dass es hier mitten im Grünen noch Häuser gibt. Bis jetzt ist das eine sehr gemütliche Tour. Aber ich ich bin ja noch am Anfang. Kurz darauf erreiche ich dann eine Fischzucht. Die hat aber nur am Wochenende geöffnet. Werde ich mir aber mal merken. So eine frische Forelle ist ja was Köstliches.

Nur wenige Meter entfernt davon liegt die Kapelle Maria im Moos. Die kleine Kirche wurde 2009 erbaut. Sie gehört zum kleinen Weiler Hackermoos, der erst Mitte des 19. Jahrhunderts entstand und nach der Münchner Hackerbrauerei benannt wurde. Gebaut haben die Kapelle die Einwohner des Ortes selbst. Schaut eigentlich recht schick aus. Das Grundstück wurde übrigens von der benachbarten Fischzucht gestiftet. Wenn man so vor dieser Kapelle steht, würde man nicht meinen, dass dies ein Neubau ist. Ich finde sie sehr gelungen.

Die Straße führt vorbei am Mooshäusl, einem Gasthaus mitten im Nichts und kurz darauf, erreiche ich einen kleinen See, von denen es hier mehrere gibt. Er liegt sehr idyllisch und ist umgeben von einem kleinen Wald. Zum Baden taugt dieser See wohl nicht, aber an seinem Ufer kann man wunderbar entspannen. Im Gebüsch am Rande des Sees entdecke ich diesen wunderschönen Strauch von Pfaffenhütchen. Die heißen so aufgrund der Blütenform. Der Herbst hat durchaus auch seine schöne Seiten.

Wenige Minuten später überquere ich in Hebertshausen die Amper. Ruhig fließt der kleine Fluss dahin. Schaut sehr schön aus, was man von dem Ort an sich allerdings nicht sagen kann. Zumindest nicht auf der Strecke, die ich durch das Dorf nehme. Ich habe keine Karte dabei, mir aber den groben Verlauf vor der Tour auf Google Maps angeschaut. So muss ich hier aber erstmal auf meinem Smartphone nachschauen, wie ich nach Petershausen komme. Das ist leider auf den Schildern nicht angeschrieben. So finde ich heraus, dass ich zunächst nach Lotzbach muss.

Sanfte Hügel und verträumte Dörfer

Kurz hinter Hebertshausen verlasse ich das Dachauer Moos und muss nun einen ersten Hügel hinauffahren. Ab hier wird das nun öfter der Fall sein. Ständig führt die Straße bergauf um danach gleich wieder bergab zu fallen. Das hätte ich jetzt nicht erwartet. Ich war der Meinung, dass es noch weit Richtung Norden flach bleibt. Die erste Steigung ist recht flach, zieht sich aber ganz schön in die Länge. Rechts und links der Straße liegen weite Ackerflächen. Bis auf die Maisfelder sind diese aber schon abgeerntet.

So wie Biberbach liegen die kleinen Dörfer in Senken. Bis jetzt ist die Tour noch relativ entspannt und ich kann einen Radweg neben der Landstraße nutzen. Das ist sehr angenehm, da ich so nicht sehr auf Autos achten muss. Meistens sieht man von den Dörfern als erstes die Spitze des Kirchturms. Ist echt malerisch die hügelige Landschaft mit den kleinen Dörfchen. Kurz hinter Biberbach bin ich dann doch etwas erstaunt in Milbertshofen zu landen. So heißt mein Stadtteil in München.

In einem dieser Dörfer entdecke ich diesen Taubenbaum. Die gab es früher häufiger auf alten Bauernhöfen zu sehen. In diesen keinen Häuschen hat man früher Tauben gehalten. Der Vorteil war, dass die Vögel so einen besseren Schutz vor Fressfeinden hatten. Der Nachteil ist aber, dass man diese Häuser nicht gut reinigen kann und sie so Brutstätten für Krankheiten waren. Außerdem ist es ein leichtes für Katzen da hoch zu klettern und sich zu bedienen. So sind diese schönen Holzhäuschen heute meistens nur noch eine Zierde im Vorgarten.

Über einen Umweg zum Ziel

Im nächsten Ort, Kollbach, komme ich an zwei Kirchen vorbei. Die kleinere und schmuckere davon ist eine Kriegergedächtniskapelle. Die liegt direkt an der Hauptstraße. Dieses Dorf gefällt mir. Hier gibt es einiges zu sehen. Hinter Kollbach geht es dann mal wieder ein recht langes Stück bergabwärts nach Petershausen. Wenn ihr die Tour abkürzen wollt, könnt ihr auch mit der S-Bahn hierher fahren. Dort ist es ja einfach ein Fahrrad mit zu nehmen. Petershausen ist wieder so ein Ort, der nicht so schön ist.

Man sieht eindeutig, dass sich hier eine kleine Stadt in eine mehr oder weniger moderne Schlafstadt von München entwickelt hat. Allerdings gibt es in der Umgebung einiges zu sehen. So gibt es einen schönen Radweg entlang der Glonn zum Schloss Hohenkammer, oder eine andere zum Kloster Indersdorf. Das Gute an diesen Touren ist, dass ihr sowohl den Start- als auch den Endpunkt gut mit der S-Bahn erreichen könnt. Ich muss jetzt aber erstmal den Weg nach Jetzendorf finden. An einem Kreisverkehr geht ein Feldweg ab, der in die richtige Richtung führt. Das spart mir das Radeln auf der Straße.

Dieser Feldweg führt zunächst durch ein langgezogenes Tal und steigt zum Ende langsam an. Dort verschwindet er dann schon bald im Wald. Da ist es angenehm kühl. Auf der Karte sah die Entfernung gar nicht so groß aus, aber die Strecke durch den Wald zieht sich ganz schön. Und fast die ganze Zeit steigt der Weg langsam an. Das ist dann doch etwas anstrengend. Aber idyllisch. Diese Stille im Wald ist ein echter Genuss. Nur ab und zu hört man mal einen Vogel. Als ich wieder aus dem Wald komme, sehe ich das Ilmtal vor mir. Hier führt eine kleine Straße am Hang entlang nach Jetzendorf.

Jetztendorf ist wieder eines der schöneren Dörfer an der Strecke. Im Zentrum entdecke ich eine schöne Kirche und ein paar schmucke Häuser. Es gibt hier auch ein Schloss, aber dessen Außenmauer schaut etwas heruntergekommen aus und so verzichte ich darauf mir es genauer anzuschauen. Als ich dann an einem der Häuser an der Hauptstraße ein Schild entdecke, das darauf hinweist, dass es mit dem Fahrrad noch 10 Kilometer nach Scheyern sind, freue ich mich. Dann hab ich es also bald geschafft. So langsam merke ich das Radeln in den Beinen und kann es kaum abwarten, mich in einem Biergarten zu stärken.

Kloster Scheyern

Die Straße aus Jetzendorf hinaus führt wieder über eine längere Steigung. Etwa auf halber Höhe zeigt ein Schild an, dass die Radfahrer links abbiegen sollen. Eine gute Idee, wenn man einen Weg hat, der nicht an der Hauptstraße entlang führt. So radele ich also ein Stück auf ebener Fläche durch ein Wohngebiet bevor ich wieder rechts den Berg hinauf muss. Oben angekommen gibt es auch wieder Hinweisschilder. Allerdings keines, das den Weg nach Scheyern zeigen würde. In die eine Richtung geht es zurück nach Jetzendorf. Das kann ja nicht richtig sein. In der anderen Richtung geht es nach Gerolsbach, das aber nördlich von Scheyern liegt. In der Hoffnung, dass es vor Gerolsbach noch eine Abzweigung nach Scheyern gibt, fahre ich also links. Das war ein Fehler, der mir etwa 15 Kilometer Umweg eingebrockt hat. Wäre ich rechts abgebogen, hätte ich die Abzweigung am Waldkletterpark gefunden und wäre kurz darauf am Ziel gewesen.

Kloster Scheyern

Endlich am Ziel

Immerhin führt mich dieser Umweg durch eine malerische Hügellandschaft und vorbei an mehreren idyllisch gelegenen Gehöften. Die erhoffte Abzweigung kommt aber nicht, und so stehe ich schon bald in Gerolsbach. Auf der Straße sehe ich eine Frau mit Einkaufstüten. Die muss sich ja auskennen. Also frage ich nach dem Weg. Der führt mich dann mal wieder über eine längere Steigung in den Wald. Und etwa eine halbe Stunde später habe ich es dann endlich geschafft. Zu meinem großen Glück hat auch der Biergarten geöffnet. Dann kann ich mich jetzt ja endlich etwas ausruhen. Auch wenn der Biergarten der Klosterschenke direkt an der Straße liegt, ist er doch sehr gemütlich mit seinen Schatten spendenden Bäumen. Das alkoholfreie Weißbier stammt leider nicht aus der eigenen Brauerei, aber eines mit Alkohol würde mich jetzt umhauen. Ich muss ja auch wieder heimfahren.

Der Wurstsalat ist eine Sensation, vor allem wegen dem super leckeren Dressing. Hier wird kein 08/15 Essig verwendet und so schmeckt er wirklich anders, als in anderen Gaststätten. Hier muss ich mal wieder herkommen und die anderen Leckereien probieren. Aber dann werde ich wohl nicht die komplette Strecke mit dem Fahrrad fahren. Frisch gestärkt schaue ich mir dann noch die Klosteranlage an. Mit den rot-weißen Fassaden schaut das Gebäude sehr freundlich aus. Das Kloster wird tatsächlich noch von Benediktinermönchen betrieben. Auf dem Gelände befindet sich auch eine Schule und ein Schülerwohnheim. In einer Seitenkapelle des Kreuzgangs befinden sich die Gräber der ersten Wittelsbacher Fürsten, deren Nachfolger die späteren Könige von Bayern waren.

Kloster Scheyern

Der lange Rückweg

Inzwischen ist es schon nach 15 Uhr und ich beschließe, mich wieder auf den Heimweg zu machen. Dieses Mal ist es einfacher den Weg zu finden. Kurz hinter dem Kloster weist ein Schild ins Tal. Dort soll es einen Radweg nach Jetzendorf geben. Der entpuppt sich allerdings als ein ziemlich holpriger Feldweg mit viel lockerem Geröll. Ist also nur empfehlenswert, wenn man ein geländegängiges Mountainbike hat. Nachdem ich dann die Straße wieder erreicht habe, beschließe ich heute keine Umleitungen über angebliche Radwege mehr zu nehmen, sondern einfach der Straße zu folgen. Zum Glück gibt es hier auf dem Land nicht so viel Verkehr. So erreiche ich eine halbe Stunde später am Waldkletterpark wieder Jetzendorf. Die Straße hätte ich auf dem Hinweg nehmen sollen. Das hätte mir ein paar Kilometer erspart. Auf dem Rückweg wünsche ich mir dann an jeder Steigung, dass ich ein E-Bike hätte. Das würde die Tour etwas vereinfachen. Da ich ziemlich kaputt bin, schiebe ich mein Rad an manchen Stellen den Berg hinauf.

Amper in Hebertshausen

Ziemlich erschöpft erreiche ich dann Stunden später wieder meine Wohnung in München. Ich hätte mir die Tour nicht so anstrengend vorgestellt. Natürlich hätte ich in Petershausen ja auch in die S-Bahn steigen können. Aber das hat mein Stolz irgendwie nicht zugelassen. Außerdem will ich in Zeiten von Corona nicht länger als nötig in irgendwelchen schlecht klimatisierten Zügen sitzen. Als ich wieder zu Hause bin, blicke ich auf eine ereignis- und abwechslungsreiche Tour zurück und klopfe mir dann erst mal auf die Schulter dass ich das geschafft habe.

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