Stubeck – Panoramagipfel in den Nockbergen

Diese Tour ist relativ einfach zu bewältigen. Über Forstwege und weiche Pfade erreicht ihr den Gipfel. Von dort habt ihr eine traumhafte Aussicht über die Nockberge und Kärnten. Die Anfahrt zur Frido-Kordon-Hütte nimmt etwas Zeit in Anspruch. Dafür startet ihr schon recht weit oben und habt nicht mehr ganz so viele Höhenmeter zu bewältigen. Da ihr aber die meiste Zeit in offenem Gelände unterwegs seid, empfiehlt sich die Tour für das späte Frühjahr oder den Herbst. Im Sommer könnte es hier sehr heiß werden.
  • Höhenmeter: 710 Meter
  • Länge: ca. 12 Kilometer
  • Gehzeit: 5 Stunden

Mitte September bin ich mal wieder für einen Kurzurlaub zu meinen Freunden an den Milstätter See gefahren. Ich hatte nur drei Tage und hatte nicht geplant auf Tour zu gehen. Nachdem meine Freunde mir dann aber sagten, dass ich ja nicht in Kärnten gewesen sein kann, ohne auf einem Berg zu stehen, bin ich doch noch los. Wie immer, wenn ich dort bin, habe ich mich auf den Tipp der Einheimischen verlassen und hatte dann eine wirklich traumhafte Bergwanderung.

Frido-Kordon-Hütte, der Ausgangspunkt

Wenn ihr in Gmünd, der kleinsten Stadt Kärntens, könnt ihr entweder durch die Stadt fahren und direkt hinter dem hinteren Stadttor links zur Frido-Kordon-Hütte abbiegen, oder über die Umgehungsstraße fahren und dann vor dem dann ersten Stadttor rechts den Berg hoch fahren. Das finde ich persönlich einfacher, da man an der Abzweigung schnell vorbei fährt und das kleine Hinweisschild übersieht. Die Straße wird dann schon bald sehr schmal mit wenig Ausweichmöglichkeiten. Nach einer gefühlten Ewigkeit endet die Teerstraße und geht in eine befestigte Schotterpiste über. Die ist dann wenigstens wieder breit genug für zwei Fahrzeuge. Von Gmünd aus seid ihr locker noch etwa 30 Minuten unterwegs bis ihr zum Startpunkt der Tour kommt.

Sonnalm

Die Frido-Kordon-Hütte liegt auf 1650 Meter mitten im Wald. Hier oben verstecken sich noch einige Hütten in den Bäumen. Man könnte fast schon sagen, dass das ein kleines Dorf ist. An einigen der Hütten hängen auch Schilder mit Telefonnummern die kann man wohl mieten. Hier oben habt ihr es auf alle Fälle sehr ruhig und könnt ein paar entspannte Tage verbringen. Die Auswahl an Touren sorgt für einen abwechslungsreichen Aufenthalt. Es ist Montag und die Hütte hat leider Ruhetag. Schade, ich hätte mich auf eine Einkehr nach der Tour gefreut. Ich muss zugeben, dass ich dieses Mal nicht vorbereitet war und somit auch keine Karte bei mir hatte. Aber hier in Kärnten sind die Wege so gut ausgeschildert, dass man die Karte auch nicht wirklich braucht.

Der Aufstieg

So finde ich dann auch den Zugang zur Tour sehr schnell. Allerdings sehe ich nur den Wegweiser, einen echten Pfad gibt es hier nicht. Na dann also querfeldein über die Wiese. Als ich den Wald erreiche treffe ich dann auch auf einen Pfad, also muss ich hier richtig sein. Dieser Pfad führt nun etwas steiler geradeaus den Hang hinauf. Aber nicht allzu lange und das ist dann auch schon das steilste Stück der Tour. Weil ich ja schon so hoch oben bin, kann ich auch sehr bald die ersten Panoramaausblicke auf die Umgebung genießen. In der Ferne sehe ich die schneebedeckten Gipfel der Ankogelgruppe, die bereits im Nationalpark Hohe Tauern liegt.

Ich bin ja schon wieder komplett fasziniert von den Gipfeln um mich herum. Schnell habe ich den Wald hinter mir gelassen und gehe nun über Almwiesen, sodass ich das Panorama nun ständig im Blick habe. Menschen sehe ich hier mal wieder keine, also ist die Tour durchaus Corona konform. Aber all diesen Müll lasse ich schnell hinter mir und genieße einfach nur die Natur und die herrliche Luft. Es ist doch immer wieder eine Freude, in so einer Kulisse unterwegs zu sein.

Der Pfad führt weiter bergan über die inzwischen herbstlich verfärbten Almwiesen. Seit ich am Parkplatz losgelaufen bin habe ich noch keine Menschenseele getroffen. Immerhin sind hier zumindest vereinzelt noch ein paar Kühe unterwegs. Zu meiner Linken tauchen neue Gipfel hinter dem Bergrücken auf. Die hebe ich mir aber für das nächste Mal auf. Der Gipfel des Stubecks, der nun über mir thront schaut von unten sehr unspektakulär aus. Aber das ist typisch für die Nockberge. Keine beeindruckenden Felswände. Dafür aber in der Regel immer ein Wahnsinnspanorama.

Immer weiter geht es über die Wiese bergan. Das ist ein sehr angenehmes Wandern auf diesem weichen Boden. Das Wetter ist ein Traum, nur die Fernsicht könnte etwas klarer sein. Die Gipfel sind zwar gut zu sehen, aber in der Ferne wird es dann doch recht dunstig. Aber da sind ja auch einige Kilometer Luftlinie dazwischen. Aus eben dieser Ferne ertönt plötzlich ein Dröhnen das immer mehr anschwillt. Kurz darauf fliegen zwei Kampfflugzeuge über meinen Kopf. Ich frage mich, wie die starten und landen. Bis die ihre Flughöhe erricht haben, sind die ja schon wieder über die Grenze hinweg.

Kurze Zeit später erreiche ich einen Feldweg. Hier habe ich die Wahl. Wenn ich es eilig hätte, könnte ich einfach geradeaus über die Weise weiter zum Gipfel aufsteigen. Aber das ist nicht mehr allzu weit und ich möchte den Berg ja möglichst lange genießen. Also biege ich links ab und folge dem Feldweg. Ich vermute jetzt einfach mal dass mich dieser in einer langen Kehre zum Gipfel bringen wird. Dieser Weg führt fast eben am Hang entlang und so wird die Wanderung zu gemütlichen Spaziergang.

Eine einsame Lärche erstrahlt schon in der Herbstfärbung, die anderen Bäume sind alle noch grün. So ganz vereinzelt sehe ich dann auch ein paar blühende Blumen. Aber die Bäume werden immer seltener und um mich rum ist nur noch Gras. Ich schätze mal, dass ich inzwischen auf etwa 2000 Meter angekommen bin. Da der Gipfel „nur“ 2300 Meter misst, sind auch nicht mehr so viele Höhenmeter zu bewältigen. Das ist echt eine super entspannte Tour. Wenn ich dran denke, welche Herausforderungen die Gipfel des Karwendel im Vergleich sind.

Wieder erreiche ich eine Abzweigung, an der ich den Weg zum Gipfel abkürzen könnte. Ich entscheide mich dem Weg zu folgen, auf dem ich gerade laufe und folge also dem Wegweiser zur Torscharte. Hinter einer Biegung taucht dann plötzlich noch eine winzige Hütte auf. Ein echt idyllischer Anblick mit der Wandspitze im Hintergrund. Wenn ich mir aber vorstelle, dass ein Senner hier den Sommer verbringen muss, bedaure ich ihn. Diese Hütte ist doch sehr winzig und jedem Unwetter ausgesetzt.

Der letzte Anstieg

Vor mir öffnet sich nun der Blick auf Poisnig, Wandspitze, Reitereck und Glockwandscharte. Am Fuß dieser Berge, die dann doch imposante Felswände vorweisen können führt ein Weg entlang. Dieser scheint aus dem Maltatal hoch zu kommen. Die Überquerung dieser Spitzen scheint so eine der Herausforderungen zu sein, die ich mir gerne mal gebe. An der Torscharte sehe ich dann den Wegweiser zu diesen Gipfeln. Man könnte die Tour also auch ab der Frido-Kordon-Hütte machen. Aber wenn ein Weg schon schwarz markiert ist, hat das in der Regel was zu bedeuten. Ist vorgemerkt für meinen nächsten Aufenthalt.

An der Torscharte geht es dann rechts den Hang hinauf. Von hier sind es noch 350 Höhenmeter bis zum Gipfel. Allerdings scheint der Pfad recht gemächlich anzusteigen. Ich habe die imposante Felswand nun also in meinem Rücken. Die Wiese vor mir leuchtet rot. Das sind Preiselbeerbüsche, deren Laub schon herbstlich verfärbt ist. Schaut sehr schön aus. Beeren sind auch noch an den Büschen. Da könnte ich locker noch ein paar Kilo pflücken und zu Hause Marmelade machen.

Beim Blick nach Süden sehe ich die Gipfel der Julischen Alpen aus den Wolken spitzen. Ein schöner Anblick auch wenn die Sicht nicht ganz klar ist. In meinem Rücken taucht nun wieder die Spitze der Ankogelgruppe hinter dem Faschaunereck auf. Vor einer Weile habe ich tatsächlich mal drei andere Wanderer überholt. Die sind aber inzwischen wieder komplett aus meinem Blickfeld verschwunden. Die Temperatur ist sehr angenehm und so komme ich auch bei diesem Anstieg nicht mal ins Schwitzen.

Und dann habe ich es geschafft. Wieder mal stehe ich auf einem Gipfel und wie immer überkommt mich ein Gefühl der Freiheit. Der Rundumblick ist auch hier wieder ein Traum. Im Norden die Hohen Tauern, im Osten die Nockberge und im Süden reicht der Blick bis hinüber zu den Karawanken in Slowenien und den Julischen Alpen in Italien. Bevor ich mich wieder an den Abstieg mache, setze ich mich erst mal eine Weile ins Gras und genieße. Auch heute habe ich den Gipfel ganz für mich alleine.

Der Abstieg über sonnige Almwiesen

Nachdem ich die Stille eine ganze Weile genossen habe, wird es dann aber doch Zeit mich an den Abstieg zu machen. Dafür wähle ich zunächst den direkteren Weg zur Frido-Kordon-Hütte. Auch auf dieser Seite des Gipfels führt der Pfad kerzengerade über die Wiese und fällt nicht allzu steil ab. So gestaltet sich auch der Abstieg als gemütliche Wanderung. Strahlender Sonnenschein, frische Bergluft, was braucht man mehr zum Glücklichsein?

Auf der Almwiese unter mir sehe ich Mauerreste. Hier muss also auch mal eine Hütte gestanden haben. Kann mir gut vorstellen, dass die Tiere diesen Südhang im Sommer lieben. Allerdings gibt es hier so gar keinen Schatten. Wenn es mal heiß werden sollte, haben die armen Tiere gut was auszuhalten. Ich gehe gemütlich weiter und denke mir, dass es doch nett wäre, wenn ich jetzt an einer Hütte eine Rast einlegen könnte. So wie es ausschaut, fällt das heute aber aus.

Noch ein letztes Mal habe ich einen Blick auf die schneebedeckten Gipfel der Ankogelgruppe und die Wandspitze. Wenn ich zum Gipfel zurückschaue, stelle ich fest, dass ich schnell an Höhe verliere. Wenn das so weiter geht benötige ich ja nicht mal mehr eine Stunde zum Auto. Schade. Hätte es noch eine Weile hier ausgehalten. Aber mal schauen was da noch so kommt. Vielleicht findet sich ja noch eine offene Hütte.

Ein Grund für einen Umweg – die Wölflbauerhütte

Bald schon erreiche ich wieder die Baumgrenze und es gibt auch wieder schattige Passagen. Hier wächst auch noch genügend Gras, um den Kühen noch ein paar Tagen auf der Alm zu gönnen. Der Pfad führt immer weiter kerzengerade Richtung Tal. Allzu weit kann es nun eigentlich nicht mehr sein bis zu meinem Auto. Dann quert mal wieder ein Feldweg und dort sehe ich ein Hinweisschild zur Wölflbauerhütte. Kriege ich dann doch noch meine Jause zum Abschluss der Tour? Laut Schild sind es nur 20 Minuten. Den Umweg nehme ich in Kauf.

Der Weg führt durch den Wald. Auch hier verstecken sich noch ein paar Hütten zwischen den Bäumen. Kurze Zeit später sehe ich dann auch schon die Hütte. Wie ein Adlerhorst hängt sie da über dem Hang. Ganz schön imposant, dieser Balkon. So wie es ausschaut, hat die sogar geöffnet. Dann krieg ich an der Wölfbauerhütte ja noch eine Stärkung. Der passende Abschluss für meine Tour. An der Hütte schaut Alles recht neu aus. Und die Aussicht auf den Tschiernock ist echt fantastisch. Als Snack gönne ich mir eine gekochte Hauswurst. Die schmeckt super lecker.

Von der Wölflbauerhütte sind es nur etwa 10 Minuten zurück zur Frido-Kordon-Hütte, an der mein Auto steht. Hier verstecken sich noch mehr Hütten im Wald. Eine hat sogar eine Satellitenschüssel an der Hauswand. Ob hier jemand dauerhaft wohnt? Manche dieser Hütten schauen recht groß und modern aus, sodass ich meine Zweifel habe, ob die wirklich nur für die Ferien genutzt werden. Aber wer würde schon permanent hier oben leben wollen.

So endet dann also wieder eine tolle Bergtour, die ich nicht geplant und erwartet hatte. Aber sind solch spontanen Überraschungen nicht die schönsten?

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