Sonnjoch aus der Eng

Eine wunderbare Panoramatour erwartet euch bei der Besteigung des Sonnjochs. Ausgangspunkt ist hier der Große Ahornboden in der Eng. Dort ist es im Sommer bei schönem Wetter gerne mal etwas voller, aber sobald ihr die Binsalm hinter euch gelassen habt, wird es schnell ruhiger. Der letzte Aufstieg zum Gipfel ist etwas anstrengend und zieht sich. Dafür werdet ihr belohnt mit einem einmaligen Panoramablick über das Karwendel, den Achensee und im Süden den Alpenhauptkamm. Die Mühe lohnt sich. Wenn ihr mit dem Bergsteigerbus in die Eng fahrt, könnt ihr beim Abstieg über die Gramai nach Pertisau am Achensee gehen und von dort zurück fahren.
  • Höhenmeter: 1310 Meter
  • Dauer: 7 Stunden
  • Länge: 12 Kilometer

Großer Ahornboden und Engalmen

Einer meiner Lieblingsplätze in den Alpen ist dieses Hochtal am Ende des Rißtals. Zum einen die vielen Ahornbäume und dann das wunderschön gelegene Almendorf der Eng zwischen den imposanten Gipfeln des Karwendels. Einfach nur grandios. Allerdings wissen viele wie schön es hier ist und an den Wochenenden im Sommer kommen die Besucher busweise um das Tal zu fluten. Da ich heute aber etwas spät dran bin, lasse ich die Engalm heute aus und beginne direkt mit dem Anstieg zur Binsalm.

Ich bin an einem Wochentag in die Eng gefahren um diesem Trubel aus dem Weg zu gehen. Normalerweise wäre ich ja mit dem Zug und dem Bergsteigerbus gekommen, aber die Fahrtzeiten des Busses sind so gelegt, dass man keine lange Tour machen kann, wie ich sie heute plane. Also musste ich das Auto nehmen. Bis Hinterriß ist das noch eine öffentliche Straße, aber wer weiter fahren will muss eine Maut zahlen. Die 4,50 Euro zahle ich aber gerne um meine Tour in aller Ruhe gehen zu können.

Also gehe ich am Gasthaus, das übrigens auch Zimmer vermietet, vorbei und kurz darauf, noch vor dem Eingang zur Engalm, biege ich links ab zur Binsalm. Es gibt zwei Wege dorthin. Einmal den Steig, den ich gehe, und zum anderen die geschotterte Zufahrtsstraße zur Alm. Die würde aber meine Strecke noch um einiges verlängern und ich bin schon spät dran. Der Weg führt zunächst entlang eines kleinen Baches, der hier ins Tal rauscht. Doch schon kurze Zeit später biegt der Pfad rechts in den Wald und steigt nun ein bisschen steiler an.

Die Binsalm – malerisch gelegener Rastplatz

Nach etwa 20 Minuten stößt der Steig dann auf die Schotterstraße, die zur Binsalm führt und ich muss nun doch auf der Straße laufen. Vor mir ragt das Gramaijoch in den Himmel. Schaut von hier aber eher nach einem grünen Hügel aus. Den einzigen echten Gipfel, den ich im Moment sehe, ist die Rüderkarspitze, die sich in meinem Rücken in den blauen Himmel erhebt. Die meiste Zeit führt der Weg durch Schatten und so ist es nicht zu heiß. Am Wegesrand sehe ich immer wieder die faszinierenden Blüten des Enzian. Und so erreiche ich dann bald die Binsalm.

Zum Gramaijoch

Ich habe ja noch einen langen Aufstieg vor mir. Also frage ich an der Hütte nur schnell nach, wie lange die abends geöffnet haben. Da sie auch Übernachtungsgäste haben, ist bis 19:00 Uhr geöffnet. Somit weiß ich, dass ich hier auf dem Rückweg eine Rast einlegen kann. Prima! Die Aussicht von der Terrasse auf die Rüderkarspitze ist ein Traum. Also gehe ich weiter. Ab der Hütte verläuft die Tour dann wieder über Wanderpfade und ich habe jetzt die Lamsenspitze ständig im Blick.

Wenn ich mich umdrehe und hinter mich schaue, tauchen nun das Gamsjoch und die Laliderer Wand hinter den Bergen hervor. Dort war ich vor vier Jahren. Das war eine meiner schönsten Touren bis jetzt. Ich bin gespannt was heute noch auf mich wartet. Der Pfad führt jetzt in Serpentinen den Berghang hinauf. Den Gipfel des Sonnjochs kann ich noch nicht sehen. Langsam wird das Gelände felsiger und statt großer Bäume wachsen hier wieder Latschenkiefern.

Seit der Binsalm bin ich ganz allein am Berg unterwegs. Das wundert mich ein bisschen. Aber an einem Wochentag haben wohl nicht so viele Menschen Zeit auf den Berg zu gehen. Die Aussicht ist echt grandios und ich kann einfach nicht genug davon kriegen. Die Gipfel des Karwendel beeindrucken mich immer wieder. Für mich eine der schönsten Ecken der Alpen.

Weiter geht es über Wiesen und durch Latschenwald. Wie gut, dass es heute nicht so heiß ist. Der Pfad führt jetzt durch sonniges Gelände und Schatten ist Mangelware. Dafür wird der Ausblick mit jedem Schritt spektakulärer. Nur der Gipfel des Sonnjochs ist noch immer nicht zu sehen. Aber lange kann es jetzt nicht mehr dauern bis ich ihn sehen kann.

Da der Pfad sich in langen Serpentinen am Hang entlang schlängelt, ist der Aufstieg bis jetzt nicht allzu anstrengend. Aber ich gehe davon aus, dass da noch ein steileres Stück kommen wird. Schließlich habe ich noch einige Höhenmeter zu bewältigen. Ich genieße die frische Bergluft und staune über diese faszinierende Natur. Von Zeit zu Zeit sehe ich dann auch noch ein paar Blumen am Wegesrand. So sieht ein perfekter Tag aus.

Kurz darauf erreiche ich den Gramaisattel und habe nun hinter mir den Blick auf Lamsenspitze und Laliderer Wand. Und vor mir tut sich der Gipfel des Sonnjochs auf. Da wartet wohl noch ein anstrengender Anstieg auf mich. Aber der Anblick ist echt umwerfend. Das muss ich erst mal wirken lassen. Tief unten am Fuß des Gipfels sehe ich eine Hütte. Ich hätte ja schon Lust auf eine Erfrischung. Aber wenn ich da jetzt runter gehe, muss ich danach die ganzen Höhenmeter wieder aufsteigen und der Weg zum Gipfel würde noch länger werden.

Der anstrengende Teil der Tour

Der Weg führt mich an der Flanke des Gramaijochs entlang. Eine kurze Zeit lang freue ich mich, dass ich nicht in die Mulde absteigen muss um auf der anderen Seite wieder hoch zu gehen. Aber zu früh gefreut, denn schon bald geht es ein gutes Stück bergab. Und jeden Meter, den ich nun nach unten gehe, muss ich auf der anderen Seite wieder aufsteigen. Ich habe mich schon gefragt, wie es sein kann, dass ich auf 1200 Metern los gehe und bis auf knapp über 2400 aufsteige und dabei 1350 Höhenmeter zu bewältigen habe. Jetzt weiß ich es.

Am Boden der Senke treffe ich auf einen Mann und wir kommen ins Gespräch. Ich sage ihm, dass ich froh bin jetzt mein Ziel vor Augen zu haben. Er antwortet, dass ich mich nicht zu führ freuen soll, denn ich würde bestimmt noch 1,5 bis 2 Stunden brauchen werde bis ich oben bin. Na dann werde ich besser los gehen. Mir war klar, dass der schwierigste Teil der Tour noch vor mir liegt.

Zunächst führt der Pfad noch über einen Wiese und steigt schon recht steil an. Anfangs in engen Serpentinen, aber nach einer Weile in einer langen Schleife am Hang entlang. Die Höhenmeter summieren sich schnell. Ich bin froh, dass ich die Tour jetzt im Herbst mache. An einem heißen Sommertag wäre mir das Gelände zu offen. Aber dank der milden Temperaturen hält sich die Anstrengung in Grenzen.

Nach etwa 45 Minuten verschwindet auch das Gras, das bisher den Pfad säumte. Ab hier geht es auf Geröll weiter. Der Grund ist aber immer noch fest und so komme ich nicht ins Rutschen. Wenn ich Richtung Süden schaue, habe ich nun die ganze Kette des Alpenhauptkamms im Blick. Ich sehe die schneebedeckten Gipfel der Stubaier und Ötztaler Alpen, auch den Großglockner vermute ich in der Ferne zu sehen. Ein einzigartiges Panorama, von dem ich einfach nicht genug kriegen kann.

Nach einer letzten Kehre führt der Weg schließlich gerade, aber nicht zu steil, nach oben. Jetzt habe ich dann wirklich das Ziel vor Augen. Auch wenn der letzte Aufstieg etwas anstrengender war, so habe ich doch schon Touren gemacht, die weitaus schwieriger zu gehen waren. Mich begeistert vor allem das einmalige Panorama, das mich hier oben umgibt. Das ist echt der Hammer. Als ich dann endlich auf dem Gipfel ankomme, bin ich ganz alleine. Außer mir ist sonst keine Mensch mehr hier oben. Aber ich bin ja auch schon etwas spät dran.

Der Gipfel – unendliches Panorama

Nun ist es also geschafft. Ich bin überwältigt. Zu meinen Füßen sehe ich den Südteil des Achensees mit Pertisau. Im Süden, wie bereits erwähnt ein Blick bis zum Alpenhauptkamm und im Norden bis weit ins Alpenvorland, das allerdings im Dunst versinkt. Nicht mal ein Vogel stört die vollkommene Stille hier oben. Das muss ich erst mal genießen. Mein Viertel in München scheint her oben soweit entfernt wie eine andere Galaxie. Ich könnte stundenlang hier sitzen bleiben.

Aber irgendwann ist dann doch der Zeitpunkt gekommen, sich an den Abstieg zu machen. Da ich heute mit dem Auto gekommen bin, muss ich auf dem Aufstiegsweg wieder absteigen. Ansonsten hätte ich auch über die Gramai nach Pertisau gehen können. Allerdings dauert die Rückfahrt mit Bus und Bahn vom Achensee schon recht lange. Bei meiner Überschreitung des Plumsjochs habe ich das schon mal gemacht und dabei noch eine Schiffahrt auf dem Achensee eingebaut. Das war ein krönender Abschluss für meine Bergtour.

Bergabwärts geht es ja immer etwas schneller und so bin ich nach etwa einer Stunde wieder an der Mulde zwischen Sonnjoch und Gramaisattel. Beim Aufstieg war der Weg hier gut zu finden, ich hatte ja das Ziel vor Augen. Jetzt beim Abstieg, weiß ich zwar in welche Richtung ich gehen muss, kann aber den Pfad erst nicht finden und folge einem, den die Kühe hier in den Latschenwald getreten haben. Als dieser endet, beschließe ich einfach mal querfeldein den Berg hinauf zu laufen. Irgendwann muss ja der richtige Pfad queren.

Das tut er dann auch und kurz darauf bin ich wieder am Gramaisattel. Noch ein letzter Blick zurück zum Gipfel. Der Blick hier vom Sattel ist definitiv der beste. Schaut schon recht imposant auf. Langsam krieg ich aber Hunger und vor allem Durst. Auf dieser Tour gab es keinen Bach, an dem ich meine Flasche hätte auffüllen können. Und die ist nun so gut wie leer. Aber es ist ja jetzt nicht mehr so weit zur Binsalm. Auf die freu ich mich jetzt.

An der Binsalm treffe ich dann auch wieder auf Menschen. Einige davon scheinen hier zu übernachten und trudeln gerade frisch geduscht zum Abendessen ein. Ich gönne mir erstmal ein alkoholfreies Weißbier und einen leckeren Snack. Das tut so richtig gut. Und auch von dieser Hütte hat man einen tollen Blick. Direkt gegenüber liegt die Rüderkarspitze in der Spätnachmittagssonne. Aber hier im Schatten wird es dann doch etwas frisch und ich mache mich an den letzten Abstieg. Kurze Zeit später stehe ich dann auch schon an meinem Auto und fahre gemütlich nach Hause. So endet wieder ein wundervoller Tag in den Bergen.

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