Von der Alabasterküste an die Blumenküste

Unsere Tage in Dieppe waren schon sehr schön, aber unsere Reise wartete noch mit weiteren Stationen in der Normandie auf, die uns genauso begeisterten. Von den Steilklippen der Alabasterküste führte uns unsere Route an die Blumenküste. Der Kontrast zwischen diesen beiden Abschnitten am Ärmelkanal könnte nicht größer sein. An der Alabasterküste dominieren die Kalkklippen das Landschaftsbild und die Strände sind oftmals aus Kieseln. An der Blumenküste fallen die feinen Sandstrände flach ins Meer ab und wie der Name schon sagt, blüht es hier überall. Auf der Fahrt von Dieppe nach Trouville haben wir ein paar Stopps eingelegt.

026 Dieppe

Dieppe, Côte aux Hérons

Le Havre – die Vision einer modernen Stadt

Von Dieppe führte uns unser Weg zunächst nach Rouen. Diese wunderschöne Stadt hat uns so fasziniert, dass ich ihr einen gesonderten Beitrag gewidmet habe. Wir hätten uns gut vorstellen können dort zu bleiben. Da wir aber für den Abend ein Hotel in Trouville reserviert hatten und uns noch mehr anschauen wollten, mussten wir uns irgendwann loseisen.

Unsere nächste Station bildete das Kontrastprogramm zu Rouen. Le Havre lag nach dem Krieg in Schutt und Asche. Wie Rouen auch. Aber in Le Havre hat man beim Wiederaufbau einen völlig anderen Weg beschritten, als in Rouen. Die Ruinen, die noch standen hat man kurzerhand komplett platt gemacht und ein Team von 60 Architekten um Auguste Perret damit beauftragt, deren Vision einer modernen Stadt umzusetzen. Was in den Jahren 1945 bis 1954 umgesetzt wurde war für damalige Verhältnisse spektakulär. Das Ensemble was damals entstand ist eine von 2 modernen Stadtkernen, die von der UNESCO auf die Liste des Welterbes gesetzt wurde.

Das komische weiße Gebäude nennt sich der Vulkan und wurde vom Star-Architekt Oscar Niemeyer entworfen. Es dient als Theater und Mediathek. Bei unserem Bummel können wir uns nicht wirklich darauf einigen, ob wir diese Architektur schön finden sollen. Eines ist das Bild der Stadt aber auf alle Fälle: Stimmig. Und im gesamten betrachtet ist dieses Bild dann eben doch schöner, als manche Stadt, die man nach dem Krieg planlos und schnell wieder hochgezogen hat.

Unser Spaziergang führt uns auch an den Strand, der hier aus Kiesel besteht. Dieser ist gut besucht und es gibt hier viele Möglichkeiten sich sportlich zu betätigen, oder an einem Kiosk zu stärken. Und überraschenderweise gibt es hier dann auch noch ein paar alte Villen und Wohnhäuser, die den Krieg überstanden haben. Da Le Havre der zweitgrößte Hafen Frankreichs ist, war die Stadt natürlich im Krieg auch besonders umkämpft. Heute ist es aber eine durchaus lebenswerte Stadt mit sehr viel Grün.

Ein besonderes Highight ist die Kirche St. Joseph, die nach Plänen von Perret entstanden ist. Die Kirche aus Beton wurde mit vielen kleinen Glasbausteinen ausgestattet, die für ein farbenfrohes Licht im Inneren sorgen. Ganz besonders bei unserem Besuch, weil draußen die Sonne von einem tiefblauen Himmel strahlte. Nach unserem ausgedehnten Rundgang gönnen wir uns noch eine Erfrischung in einem Straßencafé. Wir sind uns einig, dass es eine gute Entscheidung war, sich diese Stadt einmal anzuschauen.

Von Le Havre aus fahren wir über zunächst über die Pont de Normandie. Noch so ein modernes Bauwerk der Superlative. Mit 856 Metern besitzt diese Schrägseilbrücke, die längste Spannweite Europas. Sie verbindet Le Havre mit Honfleur und der Côte Fleuri.

145 Trouville

Trouville

Deauville und Trouville, das 21. Arrondissement von Paris

Die beiden Küstenorte sind durch den Fluss Touques getrennt. Es gibt einen gemeinsamen Bahnhof, der im Sommer auch von TGV’s angefahren wird. Paris ist nur ca. 200 Kilometer entfernt und so fluten die Pariser vor Allem an den Wochenenden im Sommer die beiden Städtchen. Daher der Spitzname 21. Arrondissement von Paris.

Trouville – der charmante Fischereihafen

Es ist bereits früher Abend als wir in diesen historisch gewachsenen Fischerort fahren. Unser erster Eindruck begeistert uns schon. Es sind zwar viele Leute unterwegs, aber Alles wirkt entspannt und versprüht sehr viel Charme. Überall blühen Blumen, man nimmt den Namen Blumenküste also ernst hier.

Allerdings ist die Hauptstraße am Fluss entlang etwas eng und wir befürchten, dass es schwierig werden wird einen Parkplatz zu finden. Wir haben ein Zimmer im Le Beach Hotel direkt am Strand reserviert. Schon beim Betreten erwartet uns ein frisches maritimes Flair und der erste Eindruck ist überzeugend. Noch besser wird es als wir unser Zimmer betreten. In einem Hotel direkt am Strand haben wir uns ein Zimmer mit Meerblick gegönnt. Und der ist der Hammer, vor allem zum Sonnenuntergang:

Wir sind ein bisschen müde und beschließen bei der Suche nach einem Supermarkt einen ersten Spaziergang durch die Stadt zu machen. Auf Abendessen im Restaurant haben wir heute keine Lust. Also Snacks im Supermarkt kaufen und dann die Aussicht und den Sonnenuntergang vom Zimmer aus genießen. Direkt neben dem Hotel liegt das Casino von Trouville. Das haben wir uns aber nur von außen angeschaut.

Aber ein erster kurzer Ausflug an den Strand muss sein. Der wird auch schon mal als Königin der Strände bezeichnet (im Französischen sind die Strände weiblich). Ein Weg aus Holzplanken „Les Planches“ verläuft zwischen dem weichen Sand und den vielen Villen, die sich hier aneinanderreihen wie die Perlen einer Kette. Im 19. Jahrhundert entdeckten zunächst Maler wie Corot und Mozin den Ort für sich und machten somit Trouville zu einem der Geburtsorte des Impressionismus. Ab 1840 wandelte sich der bis dahin verschlafene Fischereihafen dann langsam zu einem mondänen Badeort am Meer.

Nach einem spektakulären Sonnenuntergang und einer guten Nacht mit dem Rauschen des Meeres als Hintergrundmusik fühlen wir uns am nächsten Morgen bereit für weitere Erkundungen. Die Fischhalle ist inzwischen ganz offiziell ein historisches Bauwerk. Beim Anblick des frischen Fisches läuft mir sofort das Wasser im Mund zusammen. Ein Paradies für einen Fischliebhaber wie mich.

An den restlichen Tagen unseres Aufenthalt bummeln wir nach unseren Ausflügen immer noch ein bisschen in diesem wirklich wunderschönen Ort. An einem Abend gehen wir dann auch in eines der Restaurants am Boulevard Fernand Moureaux, der direkt am Flussufer verläuft. Es war mein Geburtstag und wir wollten diesen mit einem leckeren Essen feiern. In dem Restaurant bekamen wir einen schönen Tisch auf der Terrasse und konnten so das Treiben beobachten. Allerdings war der Service etwas überfordert, was dazu führte, dass die Chefin ihre Mitarbeiter vor den Augen und Ohren der Gäste einmal so richtig rund machte. Allerdings war das Essen, als wir es dann endlich hatten, sehr lecker. Leider kam der Wein dazu erst nach dem Essen..

Der 13. Juli war unser letzter Abend in Trouville. Da Deauville sein Feuerwerk zum Nationalfeiertag am 14. Juli abbrennen wollte, hat Trouville seine Show eben schon einen Abend vorher angesetzt. So trafen sich Einwohner und Touristen gleichermaßen am Strand und bestaunten nach Einbruch der Dunkelheit das einmalige Feuerwerk.

215 Deauville

Deauville – der schicke Badeort

Das mondäne Seebad wurde in seiner heutigen Form den 1860-er Jahren von einem Halbbruder Napoléons III. gebaut. Er wollte einen exklusiven Urlaubsort für die feine Pariser Gesellschaft errichten. Im Gegensatz zum historisch gewachsenen Trouville auf der anderen Flussseite wurden die Straßen hier breiter und geradliniger angelegt. Noch heute ist der Ort geprägt von Edelboutiquen der namhaften Mode- und Schmuckdesigner. So ergänzen sich die beiden Nachbarorte perfekt zu einem Ganzen.

Auch hier erwarten euch dann auch wieder viele typische Fachwerkhäuser und das Bild ist schon stimmig. Aber ich finde, dass man dem Ort schon ansieht, dass er vor fast 200 Jahren aus der Retorte entstand. Nach unserem Rundgang landen wir an der Strandpromenade mit dem Casino. Der Strand ist hier genauso breit wie in Trouville, aber er bietet etwas mehr Komfort. Bekannt sind vor allem die vielen bunten Sonnenschirme, die man hier mieten kann.

225 Deauville

Strand von Deauville

Die „Bänder“ mit denen sie zusammen gebunden sind, verwandeln sich durch die geschickten Hände eines der „Strandboys“ in einen Sichtschutz, sodass aus dem Schirm eine Art Zelt entsteht, in dem man Schatten und Privatsphäre genießen kann. Der Strand gefällt uns sehr gut und wir beschließen einen Ruhetag einzulegen. Also zurück zu unserem Hotel und die Badesachen geholt.

Auf dem Weg in unser Hotel gönnen wir uns noch einen Kaffee und beobachten mal wieder das Treiben. So ein Ruhetag zwischen unserem ansonsten dicht gedrängten Besichtigungsprogramm tut ja auch mal sehr gut. Wir sind uns aber beide einig, dass, zumindest für uns, Trouville der charmantere und schönere Ort ist. Auf dem Weg in unser Hotel kommen wir noch an einem anderen Hotel vorbei, das eine Legende ist. Das altehrwürdige Hotel Barrière Le Normandie steht auch heute noch für Luxus. In dem Haus, das vor über 100 Jahren gebaut wurde, haben schon viele Hollywoodgrößen genächtigt.

Von außen ist das Hotel mit seinem Fachwerk und den vielen gekachelten Details sehr schön anzusehen. Im Inneren wurde es sehr geschmackvoll renoviert und bietet solventen Gästen eine Oase der Ruhe und Entspannung. Auf der Meerseite, trennt allerdings eine viel befahrene Straße das Hotel vom Strand. Dafür hat man auf der Landseite einen gepflegten Obstgarten mit den in der Normandie obligatorischen Apfelbäumen angelegt.

So verbringen wir einen sehr entspannten und angenehmen Nachmittag am Strand von Deauville. Ich wage mich dann auch mal ins Wasser, das aber zugegebenermaßen schon sehr frisch ist. Da es an Land aber sehr warm ist, ist das eine willkommene Erfrischung.

184 Honfleur

Honfleur – die Bilderbuch Normandie

Nach dem Badetag in Deauville ist es wieder Zeit für eine Besichtigungstour. Und die führt uns heute zunächst in eine der schönsten Städte an der französischen Nordseeküste. Honfleur liegt gegen über von Le Havre an der Seinemündung. Im 19. Jahrhundert wurde der Ort berühmt, weil Maler wie Monet, Pissaro, Renoir und Cézanne hierher kamen. Hier konnten sie das magische Licht einfangen und in Ruhe malen.

Es ist mal wieder etwas schwieriger einen Parkplatz zu finden. Natürlich hat es sich herum gesprochen, dass es hier ein echtes Schmuckkästchen zu sehen gibt. Bei unserem Bummel sind dann aber doch nicht so viele Menschen unterwegs.

So ein Karussell wie das am alten Hafen findet man in vielen französischen Städten. Aber hier passt es dann auch noch perfekt in die Kulisse. Den Anblick des alten Hafens müssen wir eine ganze Weile genießen. Ist das nicht wunderschön?

Nachdem wir diesen tollen Ausblick lange genug genossen haben, gehen wir weiter. Die Stadt hat ja noch mehr zu bieten. Schon die Wikinger fanden diesen Platz sehr schön. Die erste schriftliche Erwähnung stammt aber aus dem 11. Jahrhundert. In der Altstadt stehen neben schmucken Fachwerkhäusern auch viele alte Häuser aus Granit. Und überall verschönern Blumen die Straßen.

Unser Spaziergang führt uns dann zu einem der Wahrzeichen der Stadt. Und das ist wirklich beeindruckend. Die Kirche Sainte-Catherine ist komplett aus Holz gebaut. Bis im 15. Jahrhundert stand hier eine Kirche aus Stein. Danach wurde sie von Schiffsbauern aus der Stadt neu erbaut, eben komplett aus Holz, das aus der Region stammt. Wenn man überlegt, dass das Holz nun schon seit 500 Jahren hält. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Wir bummeln noch ein wenig durch die Stadt und bewundern die Schaufenster der Konditoreien. Deren Backwaren schauen einfach nur lecker aus. Doch dann begeben wir uns langsam wieder Richtung Auto. Es ist kurz vor Mittag und an einem der Restaurants wurde das Meeresfrüchtebuffet inzwischen aufgebaut. Da könnte ich mich jetzt ja erst mal reinlegen und so lange davon essen, bis ich einen Eiweißschock bekomme.

Nachdem wir ein Stück außerhalb der Stadt ein Stück vom Strand gesehen haben, lassen wir den hier in der Stadt aus. Es hat uns nicht gereizt am Strand zu liegen und dabei die Containerschiffe zu beobachten, die Le Havre anlaufen. Da dann doch lieber wieder zum  Baden nach Trouville/Deauville.

250 Beuvron en Auge

Beuvron-en-Auge – das schönste Dorf Frankreichs

Unser nächstes Ziel liegt im Landesinneren. Die Normandie ist ja bekannt für ihre Äpfel und Alles was man daraus machen kann. Und so fahren wir durch eine hügelige Landschaft voller Streuobstwiesen mit Apfelbäumen. Könnte romantischer nicht sein. Das Dörfchen Beuvron-en-Auge wurde als eines der schönsten Dörfer ausgezeichnet. Und das ist es auch. Ein bisschen wie ein Freilichtmuseum. Und dazu noch ein gut besuchtes.

Hinter einer Hecke entdecke ich ein reetgedecktes Haus. Das ist hier selten zu finden. Ansonsten sehen wir bei unserem Rundgang viele schöne Fachwerkhäuser. Schaut schon sehr nett aus. Aber ein Geheimtipp ist das definitiv nicht mehr. Es gibt ein paar Cafés und in der ehemaligen Markthalle befinden sich Antiquitätenläden. Jeden zweiten Sonntag im Monat findet ein Antiquitätenmarkt, auf Französisch: Brocante, statt. Wenn ihr einen Urlaub in der Normandie macht, solltet ihr euch dieses Dorf unbedingt anschauen.

243 Beuvron en Auge

Beuvron-en-Auge

Somit begann unsere Zeit an der Côte Fleurie, wie der Aufenthalt an der Alabasterküste. Bei traumhaft schönem Wetter, konnten wir hier sehr viele wunderschöne Eindrücke sammeln. Wir sind uns sicher, dass wir hier mal wieder her kommen. Es gäbe noch so viel mehr zu entdecken.

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