Ausflug ins Cotentin

Trouville
Nachdem wir nun schon so Einiges gesehen haben in der Normandie, hatten wir für den letzten Tag in Trouville einen etwas längeren Ausflug geplant. Wir wollten die Halbinsel des Cotentin besuchen. Diese ragt zwischen Isigny-sur-Mer und Gouville in den Ärmelkanal. An der Ostküste liegen die Strände, an denen im zweiten Weltkrieg landeten und mit dem D-Day das Ende des Kriegs einläuteten. Unser Ausflug versprach also eine Mischung aus Geschichte, Kultur und viel unberührter Landschaft. Und am Ende wartete eine riesige Überraschung auf uns, die im Nachhinein zu einem der Höhepunkte unserer Reise wurde.

Fahrt zu den Embarkationsstränden

Houlgate, Office de tourisme

Heute hieß es also früh aufstehen, denn unser unser Tagesplan sah vor, dass wir einige Kilometer runterreißen mussten. Nach dem Frühstück ging es Richtung Westen und so waren wir schon bald an unserem ersten Stopp: Houlgate.

Der kleine Ort versprüht viel Charme und auch hier gibt es wieder viele Strandvillen zu sehen. Das Wetter ist traumhaft und wir machen einen kurzen Bummel über die Hauptstraße. Allzu viele Menschen sind hier nicht unterwegs. Aber es ist ja auch noch recht früh am Morgen. Was mir besonders gut gefällt ist die Tatsache, dass man sich hier nicht in einem touristischen Ort fühlt, sondern wie in einer normalen französischen Kleinstadt.

Schnell noch ein paar Fotos von dem lustigen Clown vor dem Fremdenverkehrsamt geschossen, dann geht es weiter. Wir haben ja noch ein dichtgedrängtes Programm heute. Aber wir nehmen uns vor hier mal wieder her zu kommen .

Bei Isgny-sur-Mer erreichen wir dann das Contentin. Die Halbinsel bietet nette kleine Fischerdörfer, aber auch die berühmten Strände, an denen die Alliierten 1944 landeten und damit das Ende des 2. Weltkriegs einläuteten.

Wir fahren zum bekanntesten Strandabschnitt Utah Beach. Die zwei Skulpturen erinnern an die Ereignisse von damals. Ansonsten gibt es noch ein Informationszentrum mit Café und den traumhaft schönen Strand. Als wir aus dem Auto steigen ist es hier am Strand sehr neblig und es weht ein sehr frischer Wind. Deswegen bleiben wir auch nicht so lange. Gesehen haben muss man das aber einmal. Die Erinnerung an dieses dunkle Kapitel der Geschichte finde ich schon sehr wichtig.

Nette Fischerdörfer an der Ostküste des Cotentin

Wir folgen der Küstenstraße und erreichen bald Saint-Vaast-la-Hogue. Hier scheint dann wieder die Sonne. Das Wahrzeichen dieses Dorfes ist der Tour Vauban auf der Île Tatihou. Auf die Insel dürfen täglich nur 500 Besucher. Erreichen könnt ihr sie mit dem Boot, oder bei Ebbe sogar zu Fuß. Die Bucht von Sain-Vaast-la-Hogue ist ein Paradies für Vogelkundler und Tatihou steht deswegen zu großen Teilen unter Naturschutz. Im Fort, das zum Turm gehört, befindet sich heute ein vier Hektar großer Garten. Dieser ist unterteilt in die Bereiche zeitgenössisch, Umwelt und exotisch. Leider hatten wir aber nicht die Zeit auf die Insel überzusetzen und so blieb es bei einem kurzen Spaziergang um den Hafen. Das schmucke Örtchen wurde übrigens 2019 von den Zuschauern von France 3 zum Lieblingsdorf der Franzosen gewählt. Also noch ein Ort, den wir uns beim nächsten Mal genauer anschauen müssen.

Der nächste Ort, dem wir einen kurzen Besuch abstatten ist Barfleur. Nach Beuvron-en-Auge unser zweites „plus beaux village de France“ dieser Reise. Das Dorf schmiegt sich an eine halbkreisförmige Bucht mit dem Hafen, der durch einen Wall vom offenen Meer geschützt ist. Schaut schon recht nett aus hier. Im Mittelalter war der Ort ein nicht unbedeutender Hafen mit einigen Schiffsbauern. Damals lebten bis zu 9000 Menschen hier. Heute sind es gerade mal noch knapp 600. Die Häuser des Dorfes sind alle aus Granit gebaut und so bietet sich dem Besucher ein einheitliches Bild. Auch hier gönnen wir uns einen kurzen Spaziergang bevor wir weiter fahren.

Die Nordküste des Cotentin

Durch grünes Hügelland geht es weiter zur größten Hafenstadt der Halbinsel, Cherbourg-en-Cotentin. Schon die Römer hatten hier einen Stützpunkt und zu Zeiten Ludwigs des XIV. wurde die Stadt von Vauban zu einem Kriegshafen ausgebaut. Ab dem späten 18. Jahrhundert war der Überseehafen dann das Tor nach Amerika. Die Titanic machte hier ihren letzten Stopp auf dem europäischen Festland bevor sie zur Atlantiküberquerung aufbrach. Der Hafen ist mit der zweitgrößten Reede der Welt geschützt. Bis zu vier Kilometer vor der Stadt liegen die Dämme im Meer. Die gesamten Hafenanlagen haben eine Größe von 1500 Hektar. Heute befindet sich hier eine große Marinebasis und die Fähren nach Irland legen hier ab.

Wir wollen schauen, was die Stadt so zu bieten hat. Obwohl hier viel Verkehr herrscht finden wir doch relativ schnell einen Parkplatz und brechen zu einem Spaziergang auf. Nachdem wir bisher nur sehr schöne Orte in der Normandie gesehen haben, sind wir sehr gespannt was es hier zu sehen gibt. Und werden richtig enttäuscht. Man sieht, dass die Stadt im Krieg total zerstört war und leider haben wir das Beispiel, das ich bei Le Havre erwähnt habe. Planlos schnell und ohne Gesamtkonzept wurde hier wieder aufgebaut. Es gab so wirklich nichts, was uns als sehenswert erschien. Nach einer Weile haben wir dann im Supermarkt Sachen für ein Picknick gekauft und sind schon bald wieder weiter gefahren zu unserem nächsten Besischtigungspunkt.

Leuchtturm

Wir fahren weiter entlang der Nordküste des Cotentin. Schon bald führt die Straße aber im Landesinneren durch eine hügelige, grüne Landschaft. Hier gibt es kaum noch Ortschaften und es wird immer ruhiger. Nur das Kreischen der Möwen und ein laues Lüftchen sind zu hören. Somit eigentlich der passende Ort für einen der umstrittensten Industrieanlagen Europas: Die Usine de Retraitement de La Hague oder auf deutsch: die Wiederaufbereitungsanlage von La Hague. Hier wird der Atommüll aus Europa aufbereitet. Viel sieht man von der Straße aus nicht, aber ein komisches Gefühl beschleicht einen doch. Wir vertrauen drauf, dass hier alles sicher ist und fahren weiter nach Auderville, dem nordwestlichsten Punkt des Cotentin. Dort ragt auf einer kleinen Felseninsel der Leuchtturm von La Hague aus dem Meer. In dem Örtchen ist weit und breit kein Mensch zu sehen. Dabei ist es hier doch so idyllisch.

Leuchtturm La Hague

Der perfekte Ort für unser Picknick. Strahlend blauer Himmel, tiefblaues Meer und nur ein paar Möwen. Ein Traum! Eigentlich müsste man von hier einen Blick auf Sainte-Anne haben, eine der Kanalinseln. Aber dafür ist es dann doch zu diesig.

Nach der Pause fahren wir weiter zu unserem nächsten Besichtigungspunkt. Und der entpuppt sich als einer der Höhepunkte unserer Reise. Nur 13 Kilometer südlich von Auderville liegt das Chateau Vauville.

Bei der Anfahrt zum Schloss sehen wir zunächst diese weitläufige Bucht mit diesem endlosen Strand. Und kaum Menschen, die hier baden. Dabei ist es doch wunderschön hier. Allerdings ist es inzwischen auch schon später Nachmittag und da es hier keine Hotels gibt, kann es natürlich sein, dass die Badegäste schon wieder weg sind. Eigentlich müsste man von hier aus die Kanalinsel Guernsey sehen. Die liegt hier nur wenige Kilometer vor der Küste.

Unser Ziel ist der Jardin Botanique de Vauville. 1947 beschloss die Familie Pellerin den 4 Hektar großen Schlosspark in einen botanischen Garten zu verwandeln, in dem heute über 900 verschiedene, hauptsächlich mediterrane und exotische Pflanzen, wachsen. Der Park ist täglich von 14.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, im Juli und August bis 19.00 Uhr. Der Eintritt in den Garten kostet derzeit (2020) 9,50 Euro ist aber jeden Cent wert. Zum Park gehört auch eine Farm, die man besichtigen kann. Dafür hatten wir aber keine Zeit mehr.

Der Park ist eine echte Oase. Man fühlt sich fast wie in einem Urwald. Wassergräben durchziehen das Gelände und dazwischen sind immer wieder Skulpturen versteckt. Der erste Eindruck ist der eines ungepflegten, wilden Gartens, aber bei genauerem Hinsehen stellt man fest, dass hier ganz schön viel Arbeit drin steckt. Bei eurem Rundgang entdeckt ihr viele charmante kleine Details. Stress und Hektik fallen sofort von einem ab und man taucht ein in eine Welt der Entspannung und Meditation. Wirklich faszinierend! Ich glaube die Bilder sprechen für sich.

Verschiedene Palmen, exotische Farnbäume, Eukalyptus bieten Schatten für zahlreiche blühende Stauden und Blumen. Dies ist ein verzauberter Ort. Wir könnten uns hier verlieren. Aber leider schließt der Park abends und wir haben ja noch ein ganzes Stück zu fahren, bis wir wieder in Trouville im Hotel sind. Wenn ihr also in der Gegend Urlaub macht, besucht dieses Stück vom Paradies. Ihr werdet feststellen, dass es echt schwer ist, sich hier wieder los zu lösen. Am Eingang gibt es auch ein kleines Café und einen Laden, in dem ihr Pflanzen kaufen könnt.

Mit diesem Höhepunkt endete unsere Tour durch die Normandie und tags drauf sind wir dann weiter in die Bretagne gefahren. Darüber werde ich euch auch noch berichten.

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