Rouen – Perle der Normandie

Nach unseren Tagen in Dieppe führte uns unsere Reise weite nach Trouville. Auf dem Weg dorthin legten wir In Rouen einen Stopp ein. Wir wussten aus diversen Reiseführern, dass die Hauptstadt der Normandie durchaus sehenswert ist. Was wir aber bei unserem Rundgang entdeckten, hat uns dann sehr positiv überrascht. Die Stadt bietet sehr viel Flair und ist dabei angenehm entspannt.

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Rouen liegt an der Seine ziemlich genau in der Mitte zwischen Paris und Le Havre. Die Stadt hat etwa 110.000 Einwohner, ist aber ein Zentrum der Region. Gegründet wurde Rouen etwa 50 vor Christus, auch wenn Funde bezeugen, dass hier schon sehr viel früher Menschen gelebt haben. Mal regierten die Wikinger, dann wieder die Franzosen und Auch die Engländer. Im Zweiten Weltkrieg hatte die Altstadt zwar schwer unter den Bomben zu leiden, wurde aber ziemlich originalgetreu wieder aufgebaut, sodass viele Fachwerkhäuser das Bild prägen.

Von Dieppe her kommend suchen wir uns zunächst einen Parkplatz. Da wir uns nicht auskennen wählen wir ein Parkhaus, das möglichst nah an der Altstadt liegt. Am Quai de la Bourse werden wir schnell fündig. Es ist mal wieder ein traumhafter Sommertag und die Sonne strahlt von einem wolkenlosen Himmel. Nachdem wir aus dem Parkhaus kommen, gehen wir mehr oder weniger planlos los. Wir wollen nicht unbedingt einfach die Sehenswürdigkeiten abhaken, sondern einen netten Stadtbummel machen.

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Schnell erreichen wir dann die Rue du Gros Horloge und sehen zu unserer Linken eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Stadt, den großen Uhrenturm. Diese Straße ist gleichzeitig die Haupteinkaufsstraße und entsprechend viele Menschen sind hier unterwegs. Wir biegen aber zunächst rechts ab und gehen Richtung Kathedrale. Trotz der vielen Menschen fühlen wir uns hier sofort wohl. Die sehr gepflegten Fachwerkhäuser strahlen sehr viel Charme aus.

Die Kathedrale zählt zu einer der wichtigsten gotischen Kathedralbauten in Frankreich. Leider war ein Teil der Fassade eingerüstet, als wir schließlich vor ihr standen. So konnten wir nicht die ganze Pracht dieses monumentalen Bauwerks bestaunen. Vor der Kirche gibt es einen großen Platz, an dem direkt neben der Kathedrale ein modernes Haus steht, das mit seiner Betonfassade so gar nicht in das Stadtbild passen will. Solche Bausünden findet man halt wirklich überall.

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Kathedrale von Rouen

Die Orgel der Kirche wurde vom berühmten Orgelbauer Joseph Pilon erbaut und steht schon seit 1862 unter Denkmalschutz. 1995 wurde sie zum letzten Mal neu intoniert. Nach einem kurzen Rundgang laufen wir Richtung Rue de la République und staunen aber zunächst noch über diese kunstvoll gearbeitete Treppe an der Außenfassade. In unserem Reiseführer haben wir ein wunderschönes Bild gesehen und wollen uns das Motiv nun live anschauen.

Immer wieder landen wir in engen Gassen, die von diesen bunten Fachwerkhäusern gesäumt werden. Nachdem wir die Rue du Gros Horloge verlassen haben, wird es schnell ruhiger und es sind nur noch wenige Menschen unterwegs. So macht das Bummeln richtig Spaß. Alle paar Meter kommen wir an Bäckereien mit leckerem Backwerk im Schaufenster vorbei. Ich könnte ja in jeder etwas kaufen. Für mich sind diese kleinen Bäckereien etwas typisch französisches und mit das beste was das Land zu bieten hat. Schade, dass es das bei uns nicht gibt.

An der Ecke Rue Saint Armand und Rue de la Chaîne finden wir dann einen kleinen Platz. Und da haben wir das Motiv aus unserem Reiseführer, das wir gesucht haben. Die bunten Fassaden leuchten im Sonnenlicht, davor stehen zwei kleine Bäume. Eine Ansicht wie aus einem Bilderbuch.

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Place Saint-Amand, Rouen

Die Stadt gefällt uns immer besser. Es ist aber auch wunderschön hier. Kein Wunder, dass der Maler Monet sich hier so wohl fühlte. Er hat vor allem immer wieder Bilder der Kathedrale gemalt. Nachdem wir diesen Platz eine Weile bewundert haben, gehen wir weiter zum nächsten Kulturdenkmal, der Abbatiale Saint-Ouen, eine weitere gotische Kirche mit einem ehemaligen Kloster.

Die Kirche ist schon sehr beeindruckend. Ich finde diese filigranen Arbeiten immer wieder bewundernswert. Vor allem wenn man bedenkt mit was für einfachen Werkzeugen man damals noch gearbeitet hat. Alles Handarbeit. Aber nicht nur von außen beeindruckt die Kirche. Im Inneren findet man eine Orgel von Cavaillé-Col, die zu den bedeutendsten der Welt gehört. St. Ouen beherbergt auch die größte Sammlung an Glasfenstern aus dem 14. Jahrhundert in Frankreich. Da man die Fenster bereits 1939 ausgelagert hat sind nur zwei der Fenster  der Kirche nicht original.

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Rathaus, Rouen

Direkt neben der Abtei befindet sich ein weiterer monumentaler Bau. Das Rathaus von Rouen zeigt deutlich, wie reich die Stadt einmal war. Dass das Rathaus wirklich direkt an ein ehemaliges Kloster angrenzt habe ich bisher noch nicht gesehen. Und hinter den beiden Gebäuden teilen sich Rathaus und Kirche auch noch einen wunderschönen Park.

Wir gehen weiter, denn wir wollen noch einen bestimmten Platz anschauen.

So schlendern wir noch ein bisschen durch die Gassen der Altstadt. Überall stehen diese wunderschönen Fachwerkhäuser mit ihren bunten Fassaden. Das ist wirklich ein sehr schönes und stimmiges Bild. Über die Rue Saint-Lô erreichen wir dann schließlich den Platz, den wir noch unbedingt anschauen wollten. Am Place du Vieux Marché findet noch immer ein Markt statt. Der riesige Platz wurde leider mit einem hässlichen Parkhaus und einer genauso grässlichen Kirche verschandelt. Die Kirche ist ein Denkmal für Jeanne d’Arc, die Jungfrau von Orléans. Gebaut wurde sie 1979 in Form eines Schiffes und die Fenster sind tatsächlich aus der Renaissance. Das macht es aber leider nicht viel besser.

Schade. Denn  dieser Platz könnte ein echtes Juwel sein. Mitten im Platz gibt es einen kleinen Garten mit einem Schild. Das ist der Ort den man Jeanne d’Arc am 30. Mai 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannt hat. Sie hatte dem späteren französischen König Karl dem VII. in Orléans geholfen die Engländer zu besiegen. Später fiel sie dann in die Hände des Herzogs von Luxemburg, der sie an die Engländer übergab. So wurde sie zur Nationalheldin und 1909 wurde sie dann vom Papst heilig gesprochen.

Inzwischen ist es mittag und ziemlich warm geworden. Außerdem haben wir Hunger. Also suchen wir uns hier einen schattigen Platz, um eine Kleinigkeit zu essen. Das ist aber gar nicht so einfach. Die meisten Tische der umliegenden Restaurants stehen in der prallen Sonne. Schließlich landen wir im JM’S Café, einem ansprechenden Laden, der schön im Schatten liegt. Es gibt hier zwar nicht wirklich französische Küche, aber der Burger, den wir hier essen ist durchaus sehr lecker.

Nach dem Essen machen wir uns wieder auf den Rückweg zum Auto. Dabei kommen wir noch an der Gros Horloge vorbei. Diese astronomische Uhr zeigte von 1389 bis 1928 ununterbrochen immer die genaue Uhrzeit an. Neben der Uhrzeit zeigte sie noch den Wochentag und die Mondphasen an. Seit 2006 strahlt sie wenigstens wieder in ihrer alten Pracht. Im Glockenturm direkt daneben gibt es ein Museum. Von der Spitze des Turms aus habt ihr einen tollen Ausblick über die Stadt hinüber zur Kathedrale.

Es gäbe ja noch viel zu sehen in der Stadt, aber wir müssen weiter, da wir am Abend in einem Hotel in Trouville erwartet werden und vorher noch einen Stopp in Le Havre machen wollen. Wir haben uns aber fest vorgenommen, hier mal wieder her zu kommen und die Stadt dann genauer anzuschauen.

Ein Kommentar zu “Rouen – Perle der Normandie

  1. Pingback: Von der Alabasterküste an die Blumenküste | wolfgangloeffler - weitgereist

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