Diese Tour gehört zu meinen persönlichen Top Ten. Verwunschene Bergseen, in denen sich die umliegenden Gipfel spiegeln, spektakuläre Aussichten und auch noch nicht allzu fordernd. Eine Traumtour, die nicht viel Kondition erfordert, aber wirklich abwechslungsreich ist. Sensationell auch die Lage der Coburger Hütte oberhalb des Drachensees. Und die meiste Zeit habt Ihr die Südseite der Zugspitze im Blick. Wenn Ihr die Bilder seht, werdet Ihr bestimmt gleich los wandern wollen. Also worauf wartet Ihr?

Ehrwald in Tirol

Dieser scheinbar nicht enden wollende Sommer beschert uns auch im September noch traumhafte Tage und so beschließe ich mal wieder zu einer Wanderung aufzubrechen. Noch sind Ferien und weil ich den Verkehr rund um Garmisch fürchte, nehme ich auch heute den Zug und fahre nach Ehrwald in Tirol.

Das Städtchen liegt am Fuß der Südseite der Zugspitze auf 994 m in einem ehemals sumpfigen Becken. Leermoos und Biberwier liegen in derselben Talsohle. Vom Ort fahren zwei Bergbahnen, die Euch auf die Berge bringen. Zum einen die Zugspitzbahn und dann noch die Ehrwalder Almbahn. Vom Bahnhof Ehrwald fährt ein Bus rund um das Tal. Bei der Ankunft seid Ihr so in ca. 10 Minuten an der Ehrwalder Almbahn. Bei der Rückfahrt müsst Ihr entweder die ganze Tour über Leermoos und Biberwier machen, oder aber Ihr steigt am Ehrwalder Kirchplatz aus und lauft noch ca. 10-15 Minuten zum Bahnhof. Ich habe auf der Rückfahrt die Runde gedreht. Die Fahrzeiten des Busses sind so getaktet, dass Ihr genau zur Abfahrt des Zuges am Bahnhof in Ehrwald seid. Wenn unterwegs aber Stau ist, kann das schon mal schief gehen.

Entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten fahre ich heute mit der Bahn auf den Berg. Andernfalls kämen noch einmal ca. 500 Höhenmeter im Auf- und Abstieg hinzu und das könnte zeitlich eng werden mit der Bahnanbindung. Während der Auffahrt sehe ich zu meiner Rechten schon die Gipfel des Hohen Lehner und der Tajaköpfe. Dort werde ich heute unterwegs sein. Ich habe mal wieder Glück und das Wetter ist traumhaft.

Zum Seebener See

An der Alm geht es auch gleich los. Ein gut ausgebauter Forstweg führt mich unterhalb der Zugspitze mit leichter Steigung weiter ins Tal. Auf den Wiesen grasen schottische Highland Rinder. Die Landschaft ist beeindruckend. Vor allem das Massiv  des Wettersteingebirges mit der Zugspitze schaut auch von der Südseite überwältigend aus. Hinter dem Gasthof Alpenglühen macht der Weg eine breite Kehre und steigt langsam nach oben. Ich bin nun umgeben von dichtem Wald und es ist angenehm kühl. Es sind auch wieder ganz schön viele Menschen unterwegs. Auch viele Mountainbiker. Aber der breite Weg lässt Platz für jeden.

Nach einer Weile geht es dann noch einmal ein Stück bergab bis zur Abzweigung zum Igelsee. Den werde ich heute nicht sehen, aber dafür komme ich an drei anderen Seen vorbei, die traumhaft liegen. Über den Bäumen tauchen immer wieder die umliegenden Gipfel auf.  Ich werde auf dieser Tour keinen davon besteigen. Die Tajaköpfe würden zwar auf dem Weg liegen, aber ich fürchte, dass das zeitlich nicht zu schaffen ist. Außerdem kommt man nur über einen Klettersteig zum Vorderen Tajakopf.

Nach einer Weile wird der Wald wieder lichter und zu meiner Linken blicke ich auf die Seebenwände, eine riesige Felswand, die Lust auf Klettern macht. Zu meiner rechten taucht immer wieder das Massiv der Zugspitze auf. An der Ehrwalder Alm habe ich gesehen, dass es von dort einen Weg auf den Gipfel gibt, der in „nur“ 6 Stunden zu bewältigen ist. Der kommt auf die Bucket List. Runter kann man dann ja mit der Bahn fahren. Der Weg steigt nur sehr gemächlich an und so fühlt sich das bis jetzt noch eher wie ein Spaziergang an. Da ich aber insgesamt 885 m überwinden muss, wird es wohl noch steiler werden. Im Wald treffe ich immer wieder auf Schafe, die hier grasen. Da ich keine Zäune gesehen habe, frage ich mich, wie die Bauern die wieder einfangen im Herbst.

Es ist traumhaft schön hier. Lichter Wald wechselt sich mit grünen Almwiesen ab. An einer Abzweigung verlasse ich den Forstweg und gehe nun auf einem weichen Waldpfad. Ihr könnt auch auf dem Forstweg bleiben der bringt Euch auch zur Seebener Alm. Mir ist der Pfad lieber.

Schon bald erreiche ich die Seebener Alm. Wenn Ihr von der Talstation los geht, kommt Ihr hier auf den weiteren Weg. Hier gäbe es die erste Möglichkeit für eine Hüttenpause. Aber da die Alm noch im Schatten liegt und es hier recht kühl ist, gehe ich erst mal weiter. Außerdem wäre es nach ca. 1 Stunde noch zu früh schon eine längere Pause einzulegen. Und immer wieder der Blick auf die Zugspitze gegenüber. Aber auch Blicke ins Leermooser Becken mit dem Daniel im Hintergrund.

Hinter der Alm kommt dann der erste richtige Anstieg. Zwischen der Ehrwalder Alm und der Seebener Alm habe ich gerade mal ca. 70 Höhenmeter überwunden. Da muss es also irgendwann mal hoch gehen. Die Forststraße geht zuweilen steil, meistens aber in Kehren am Berg entlang. Nach etwa 20 Minuten stehe ich dann vor dem See. Vor mir erheben sich die Gipfel der Tajaköpfe, des Drachenkopfs und des Hohen Lehner über dem See und spiegeln sich im Wasser. Ein geniales Naturschauspiel. Und das mehr oder weniger direkt vor meiner Haustür.

Während ich am See entlang gehe, bin ich immer wieder überwältigt von diesen Spiegelungen. Sagt selbst, ist das nicht der Wahnsinn? Sowas habe ich noch nicht gesehen. Blauer Himmel, blaues Wasser und dazwischen grüne Wälder und beeindruckende Gipfel. Hier hätte man die Almhütte bauen sollen und nicht weiter unten.

btrhdr

Seebensee

Als ich fast am Ende des Sees angelangt bin sehe ich dann wie die Zugspitze sich im Wasser spiegelt. Ein majestätischer Anblick. Den muss ich ein paar Minuten genießen.

Vom See geht es noch ein Stück ziemlich eben über eine Wiese zum Ende des Tals. Dort kommt dann der nächste Anstieg, der wieder etwas steiler wird. In Serpentinen windet sich der Pfad immer weiter nach oben. Langsam wird es auch wieder recht warm in der Sonne. Aber am Ende dieses Anstiegs wartet mit der Coburger Hütte ja eine Belohnung. Ich bin erstaunt wie viele Wanderer hier noch unterwegs sind. Andererseits ist das bis hierher ein relativ leichter Weg, den man auch mit weniger Kondition gut gehen kann.

Während des Anstiegs zur Hütte geht der Blick immer wieder zurück ins Tal zum See und zur Zugspitze. Hinter der Hütte erhebt sich eine Felswand in den blauen Himmel. Auf den Seiten wird der Weg flankiert von den Tajaköpfen. Immer wieder muss ich kurz anhalten um diese Schönheit zu bewundern. Und auch hier im Latschenwald treffe ich wieder auf Schafe. Auf der Wiese im Tal kämen die ja leichter an Futter.

Und dann ist es geschafft. Ich stehe an der Coburger Hütte. Und habe einen atemberaubenden Blick. Jetzt ist erstmal Zeit für eine etwas längere Rast. Die Speisekarte bietet typisch Tiroler Köstlichkeiten, aber auch Spaghetti Bolognese. Die ess ich dann wieder zu Hause. Hier gibt es erst mal Kasknödel mit Salat. Lecker. Hier könnte ich es länger aushalten. Ein Traum.

Gleich hinter der Hütte folgt das nächste Highlight. In einer tiefen Mulde liegt der kleine Drachensee. Auch hier wieder türkisblaues Wasser, in dem sich die umliegenden Gipfel spiegeln. Ist das nicht einfach traumhaft. Ihr seht, ich war wirklich überwältigt von der Landschaft während dieser Tour. Ich glaube ich habe die Worte fantastisch, überwältigend und traumhaft noch nie so oft verwendet wie in der Beschreibung dieser Tour. Also überlegt nicht lange und schaut Euch das selbst an. Und danach schickt mir Eure Attribute, die Ihr dieser Wanderung zuordnen würdet.

Nach meiner Rast muss ich zunächst einen kleinen Abstieg fast bis zum See machen. Dabei entdecke ich dann tatsächlich zwei Leute, die im See baden. Mir wäre das Wasser ja zu kalt. Aber eine kostenlose Erfrischung ist das auf alle Fälle. Vom See aus geht es dann wieder steil bergauf bis zu einer Mulde, auf der mal wieder Schafe grasen. Und einige Wanderer haben hier ihre künstliche Ader entdeckt und mit den Steinen kleine Kunstwerke im Gras geschaffen. Schaut witzig aus.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nach der Diashow vom Drachensee mit seinen tollen Spiegelungen hier noch weitere Bilder vom Aufstieg zum Tajatörl.

Nach Durchquerung dieser Grasmulde wird es dann richtig steinig und Ihr braucht Trittsicherheit. Über Felsen und Geröll geht es steil nach oben. So nah an den Felswänden der Gipfel wirken diese noch dramatischer als aus der Ferne. Inzwischen tauchen auch wieder harmlose weiße Wolken am Himmel auf, die aber als Farbtupfer am Himmel willkommen sind. Der letzte Anstieg von der Hütte zum Tajatörl ist das anstrengendste Stück der heutigen Tour. Aber nicht so, dass man komplett aus der Puste kommt.

Und dann habe ich es geschafft. Ich stehe mitten im Geröll am Tajatörl auf 2259 m. Zum Gipfel der Tajaköpfe wären es von hier noch einmal etwa 150 – 200 Höhenmeter. Die Gehzeit ist mit ca. 30 Minuten pro Strecke angegeben. Aber heute habe ich keine Lust mehr noch höher hinauf zu steigen. Am Törl sitzen zwei Frauen, die auf ihre Männer warten, die nicht ohne den Gipfel zurück ins Tal wollten. Hier im Geröll wächst gar nichts mehr und man kriegt so ein bisschen das Gefühl in einer Wüste zu stehen. Und die Aussicht ist der Hammer.

Auf der Westseite sieht man zum Drachenkopf und auf den Weg, über den ich gerade aufgestiegen bin. Im Osten schweift der Blick über ein schier endloses Geröllfeld, durch das ich gleich absteigen werde und weit in die Mieminger Berge mit dem Igelskopf. Was da vor mir liegt nennt sich das Brendlkar, das wohl bei Skitourengehern sehr beliebt ist. Ich kann nicht über Schnee abfahren, sondern darf mich hier durch das Geröll quälen.

Teilweise ist in dem Geröll ein Pfad zu erkennen und ich komme auf diesen Strecken gut vorwärts. An manchen Stellen gibt es aber keinen erkennbaren Pfad. Das Geröll ist ja immer in Bewegung, sodass es keinen Sinn machen würde einen richtigen Pfad anzulegen. Mein Tipp für solche Felder: Haut Eure Hacken richtig in den Schotter. Das gibt Euch etwas mehr halt und Ihr rutscht nicht ganz so wild. Auf diese Weise kommt Ihr ganz gut durch dieses unwegsame Gebiet.

Die Strecke durch dieses Geröll zieht sich ein bisschen. Aber das schaut schlimmer aus, als es ist. Man kommt da ganz gut durch. Und während Ihr hier langsam absteigt, habt Ihr noch Zeit die faszinierende Bergwelt um Euch herum zu bewundern. Offensichtlich bin ich aber der Einzige, der diesen Weg geht. Die anderen Wanderer sind wohl zur Coburger Hütte zurück und haben denselben Weg genommen, über den sie aufgestiegen sind.

Irgendwann habe ich es dann geschafft und bin wieder auf festem Wiesenboden unterwegs. Nachdem ich die Zugspitze nun eine Weile nicht mehr im Blickfeld hatte, taucht Sie nach einer Kehre wieder am Horizont auf. Gemütlich schlendere ich nun Richtung Tal.

Nach einer Weile erreiche ich den dritten See während dieser Tour. Der ist recht klein und daher funktioniert das mit den Spiegelungen nicht so toll, wie an den anderen beiden. Am Wegesrand sehe ich dann auch wieder Almrosen, deren Laub sich schon herbstlich verfärbt hat. Schaut fast so schön aus, wie wenn sie blühen. Der Pfad führt nun wieder direkt auf die Zugspitze zu.

Irgendwann macht der Weg einen Schwenk nach links und führt an den Fuß einer Felswand. Hier kommt noch ein kurzes aber fieses Stück Geröll. Also Hacken rein und ein bisschen runter rutschen. Dann seid Ihr da schnell drüber. Dahinter kommt dann ein angenehmer Waldpfad.

In diesem Wald sehe ich noch ein paar Schafe und frage mich noch mal wie die Besitzer die wieder finden. Die Ausblicke auf die Zugspitze werden nun noch von schönen weißen Wolken gekrönt. Der Wald ist mal dicht, mal sehr locker und in der Nachmittagssonne ist es angenehm warm. Ich genieße die Ruhe. Mit der ist es dann allerdings vorbei, als ich wieder auf den Weg treffe, den ich heute Morgen zur Seebenalm gegangen bin.

Kurze Zeit später bin ich dann auch wieder an der Ehrwalder Alm und sehe noch ein paar ungewöhnliche Rinder. Die zwei Kälber ließen sich absolut nicht stören von den Menschen. Sind die nicht süß, wie sie da so zusammengerollt auf der Wiese liegen?

Bevor ich aber ins Tal fahre gönne ich mir noch eine Brotzeit auf der Alm und genieße noch einmal den Blick auf die umliegenden Berge. Was für ein perfekter Tag. An der Talstation stelle ich dann fest, dass der Bus die große Schleife durchs Tal fährt, bevor er zum Bahnhof kommt. Ein Check der Uhrzeit verrät mir aber, dass ich das zeitlich schaffen sollte und so nehme ich das noch mit. Quasi als Sightseeingtour.

Ich hoffe der Post hat Lust auf die Tour gemacht. Lasst mich wissen, wie es Euch gefallen hat. Auch nachdem Ihr die Tour selbst gegangen seid.

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