Hawai 010

Im polynesischen Hawai’i muss das Leben etwas paradiesisches gehabt haben. Ok, wahrscheinlich nur wenn man der richtigen Klasse angehört hat, aber richtigen Stress kannte man wohl auch nicht. Im Folgenden will ich ein paar kulturelle Aspekte erläutern, die man heutzutage als Tourist in vielen Hotels vorgeführt bekommt, aber den wahren Hintergrund vielleicht nicht immer kennt.

 Lei:

Wie die meisten Traditionen haben die ersten Siedler von den anderen polynesischen Inseln diese Tradition mit hierher gebracht. Diese Kränze werden nicht immer aus Blumen gemacht, sondern auch aus Muscheln, Nüssen, Blättern, Federn, teilweise sogar aus Tierknochen und Zähnen. Jemandem einen Lei zu schenken ist Ausdruck von Ehre, Respekt und ganz viel Aloha. Ein Lei soll übrigens nie den Nacken berühren, sondern nur die Schultern.

Die Blätter des Maile Strauchs wurden für Leis genutzt, die den Adligen vorbehalten waren. Diese endemische Pflanze steht in Verbindung mit Laka, der Göttin des Hula. Im Gegensatz zu den anderen Leis sind diese Leis unten offen und bilden keinen kompletten Kranz. Früher wurden solche Maile Leis als Friedenszeichen zwischen Häuptlingen ausgetauscht. Heute werden diese Leis für besondere Anlässe wie Hochzeiten genutzt.

Besonders schön finde ich die Leis aus Kokui Nüssen. Dieser Baum war den alten Hawaiianern heilig, da das Öl der Früchte für Lampen genutzt werden konnte und so ein wichtiger Teil des täglichen Lebens war. Die Orchideen, die heute für die meisten Leis verwendet werden, kommen zu einem Großteil von den großen Plantagen, die sich hauptsächlich auf Big Island zwischen Hilo und dem Volcanoes Nationalpark finden. Einige davon kann man sogar besichtigen. Viele Hotels bieten als Animationsprogramm einen Kurs an, bei dem man das Herstellen eines Leis lernen kann. Solltet Ihr daran teilnehmen, vergesst also nicht auch ganz viel Aloha mit einzuweben. Denn Liebe und Respekt gibt es auf dieser Welt ja nicht unbedingt im Überfluss.

Digital StillCamera

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Hula:

Wie ich ja schon erwähnt habe, wurde der Hula den Hawaiianern vom Gott Lono auf Molokai’i übergeben. In frühen Zeiten war dieser Ausdruckstanz den Männern vorbehalten. Erst mit dem Einzug der Europäer, und hier vor allem den amerikanischen Soldaten, wurde der Hula auch von Frauen getanzt.

In einer Kultur, in der es keine Schrift gibt, müssen andere Wege gefunden werden Traditionen und Legenden weiter gegeben zu werden. Der Hula ist eine Form. Jede Bewegung steht für ein Wort und so können eingeweihte Tänzer mit ihren Tänzen eben Geschichten aus längst vergessenen Tagen wieder aufleben lassen. Oft auch von Gesang begleitet. Touristen erklärt man das gerne mit dem „Hukilau“, einem Lied, in dem beschrieben wird wie die alten Polynesier im Meer oder aber in einem der Fishponds mit Netzen Fische gefangen haben. Dieses Lied wird auch in den meisten Hula-Kursen der Hotels dazu genutzt den Touristen den Hula bei zu bringen. Heute unterscheidet man zwischen dem traditionellen Hula, der sich sehr streng an alte Regeln und Gesetze hält und dem modernen Hula, der mehr Freiheiten genießt und nicht mehr unbedingt nur dem Geschichten erzählen dient. Auch wenn die meisten Hula Shows, die man als Tourist zu sehen bekommt, nicht viel mit dem Original zu tun haben, so finde ich die doch immer wieder sehr schön. Meistens tragen die Tänzer/innen farbenfrohe Gewänder, die Musik ist sehr besänftigend und die Bewegungen strahlen eine Anmut aus, wie ich sie noch selten gesehen habe. Jedes Jahr in der Osterwoche findet in Hilo auf Hawai’i, the Big Island der weltgrößte Wettbewerb für Hula Tänzer statt. Wer dabei sein möchte, muss aber sein Hotel schon mindestens ein Jahr im Voraus reservieren, oder aber morgens von Kona nach Hilo fahren und abends wieder zurück, was aber ganz schön anstrengend ist. Aber auch beim Aloha Festival in Honolulu im September kann man „echten Hula“ sehen.

Ukulele:

Die Ukulele gilt als urhawaiianisches  Instrument. Kaum einer weiß aber, dass diese „kleine Gitarre“ von portugiesischen Plantagenarbeitern auf die Inseln gebracht wurde. Die Hawaiianer haben sie aber schnell für sich entdeckt und in ihrer Musik eingesetzt. Meiner Meinung nach sogar sehr gut. Hawaiianische Musik mag jetzt nicht jedermanns Sache sein, aber ich finde sie sehr toll und besitze auch ne Sammlung an CD’s. Im Sommer auf dem Balkon mit einem Mai Tai in der Hand bringt mich diese Musik immer wieder sofort in mein Paradies.

Wenn wir schon bei der hawaiianischen Musik sind, dann muss ich noch etwas erwähnen, was hawaiianisch ist. Slack Key: Dabei werden die Saiten der Gitarre so lange gelockert, bis alle in einem einzigen Akkord klingen, oder so ähnlich. Ich kann leider nicht Gitarre spielen, daher könnte das jetzt auch nicht so ganz korrekt sein. Aber vielleicht kann ja einer von Euch das besser erklären?

Talk Story:

Eine der Lieblingsbeschäftigungen der Hawaiianer. Was macht man abends am Lagerfeuer, wenn man keinen Fernseher und erst recht kein WLAN hat? Manche von Euch werden sich das nur schwer vorstellen können, aber so lange liegt das nun auch noch nicht zurück. Die alten Polynesier erzählten sich Geschichten und Legenden. Auch hier gilt wieder, ein Volk, das keine Schrift kennt, muss andere Wege finden seine Vergangenheit weiterleben zu lassen. Ein offizielles Treffen beginnt traditionell mit einem besonderen Song, der die Ahnen 1. um ihre Anwesenheit und 2. gleichzeitig um deren Schutz bittet. Ich durfte dieses Lied schon ein paar Mal hören und jedes Mal bekam ich Gänsehaut und hatte wirklich das Gefühl, dass der Raum sich mit einem speziellen Geist füllt.

Die hawaiianischen Geschichten sind sehr bildhaft und handeln natürlich oft von Tapferkeit und Liebe.

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