Der lange und beschwerliche Aufstieg über 1250 Höhenmeter wird belohnt mit einem Panorama, das einem die Sprache verschlägt. Es lohnt sich also nicht den direkten Weg im Isartal zu nehmen, wenn man von Scharnitz nach Mittenwald will, sondern den Umweg über die Brunnensteinspitze zu wandern.

Scharnitz im Isartal

Der Sommer war zwar recht warm hier im Süden, aber leider gab es dann zum Wochenende auch immer wieder Gewitter oder es war zu heiß um in die Berge zu fahren, und so konnte ich nicht so oft wandern, wie ich es gewollt hätte. Ende August kam dann endlich ein Wochenende, das schönes Wetter versprach und die Gewitter sollten erst am Abend auftreten. Also nichts wie raus aus der Stadt und mit dem Zug über Garmisch nach Scharnitz. Das Bayernticket gilt leider nur bis Mittenwald, aber für die Strecke nach Scharnitz ( 1 Station) lässt sich im Zug ein Ticket lösen.

Der kleine Ort ist jetzt nicht so sehenswert. Die Hauptstraße ist ziemlich stark befahren von Urlaubern, die in die Berge oder nach Hause wollen. Nur in der Speckklause war morgens um 10 Uhr schon die Hölle los. Die angebotenen Spezialitäten sahen aber auch wirklich sehr lecker aus. Es waren viele Radler und Wanderer unterwegs, aber als ich vor der Tourist Info links abbog, um auf meinen Weg zu kommen, war ich sehr schnell alleine.

Der Aufstieg über den Pürzlgrat

An der Inrainstraße biege ich also links ab und stehe kurz drauf an einer Hofeinfahrt. Zumindest schaut es so aus, aber der Wegweiser zeigt genau in diese Richtung. Der Gipfel des Berges, den ich heute bezwingen möchte heißt Brunnensteinspitze, allerdings steht auf den Wegweisern hier Brunnstein.

Der weiche Waldpfad lässt sich sehr gut gehen, aber sobald man aus dem Dorf draußen ist, geht es ziemlich schnell sehr steil nach oben. Anfangs wir der Anstieg noch durch Serpentinen abgemildert. Dafür ist es aber schattig und kühl. Irgendwie fehlte mir heute ein längeres Stück um mich warm zu laufen und so habe ich dann schon bald Wadenkrämpfe. Aber aufgeben? Ganz sicher nicht. Die Rettung heißt das Tempo etwas drosseln und immer wieder mal kurz stehen bleiben. Nach ca. 30 Minuten erreiche ich dann eine Aussichtsplattform, den Adlerhorst, von der man eine tolle Aussicht über Scharnitz, das Isartal und die gegenüberliegende Arnspitze hat.

Ich gönne mir eine kurze Rast und bewundere die Aussicht, die aber später noch spektakulärer werden wird. Inzwischen sind meine Waden auch wieder warm geworden und ich kann also mein gewohntes Tempo wieder aufnehmen. Hier im Wald ist es sehr ruhig, außer mir ist sonst niemand auf diesem Weg unterwegs. Sollte der vielleicht doch etwas zu anstrengend werden? Naja, in meinem Wanderführer steht, dass der Aufstieg über 1200 Höhenmeter größtenteils direkt und steil ansteigt. Das wird wahrscheinlich viele abschrecken.

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Der Wald wird langsam lichter und die wenigen Laubbäume, die ich vorhin noch gesehen habe, verschwinden. Die Sonne versteckt sich immer wieder mal hinter Wolken, so wird es nicht so heiß. Mir wird es aber aufgrund der Anstrengung schnell ziemlich warm. Irgendwann biegt der Pfad dann leicht links bergaufwärts ab und ich stehe am Abgrund.

Immerhin bietet sich hier ein grandioser Blick in das Isartal und die Berge des Karwendel. Für so einen Ausblick lohnt es sich doch, sich ein bisschen zu quälen. Mit jedem Höhenmeter wird die Aussicht noch spektakulärer. So bleibe ich also immer wieder japsend stehen und kann diese grandiose Aussicht genießen. Ich habe ja alle Zeit der Welt.

Und die ein oder andere Blume kann ich dabei auch noch bewundern. Der Weg führt weiter entlang des Pürzlgrats und ich vergesse komplett die Zeit. In der Beschreibung der Tour stand geschrieben, dass es wohl so ca. 2 Stunden dauert, bis man diesen Grat überwunden hat. Mir kommt das aber irgendwie länger vor.

Laut der Tourenbeschreibung soll der Wald in Latschen übergehen und dann irgendwann ein Felsblock kommen, an dem ich rechts abbiegen muss. Leider wird meine Hoffnung enttäuscht, dass der Brunnensteinkopf dieser Felsen sein könnte. Also immer schön weiter nach oben. Ich werde ja auf dem Gipfel mit noch spektakuläreren Aussichten belohnt werden.

Die Sonne versteckt sich noch immer hinter Wolken, die manchmal auch schon etwas bedrohlich ausschauen. Ein Gewitter hier in der Einsamkeit, wäre nicht so prickelnd. Weit und breit kein Schutz in Sicht. Aber ich habe Glück und bleibe verschont.

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Nach einer weiteren Weile, wird dann auch der Latschenwald dünner und es gilt das ein oder andere Geröllfeld zu überwinden. Aber wie Ihr oben sehen könnt, wird die Aussicht noch immer spektakulärer. Dafür lohnt sich die Mühe.

Und dann kommt der nächste Felsen, der so ausschaut, als ob es der mit der Abzweigung wäre. Aus der Ferne scheint da tatsächlich ein Pfad rechts ab zu gehen. Laut dem Wanderführer gibt es auch keine Markierung für den Pfad. Zu früh gefreut, auch dieser Felsbrocken ist nicht der, den ich suche. Dafür gibt es einen ersten Blick auf den Gipfel, auf dem ich heute noch stehen werde. Das gibt dann wieder Ansporn.

Die letzte Anstrengung vor dem Gipfel

Mittlerweile ist mein Shirt mal wieder durchgeschwitzt und ich muss mich echt ein bisschen quälen, um vorwärts zu kommen. Kurz mal hinsetzen, was trinken und die geniale Aussicht genießen. Plötzlich kommt dann doch noch einer, der sich dieselbe Tour ausgesucht hat und auch hofft, dass er den Gipfel bald erreicht.

Endlich erreiche ich dann ein Geröllfeld, in dem ein Schild liegt, das auf die gesuchte Abzweigung hinweist. Die Etappe habe ich also geschafft und laut meinem Guide das Schlimmste hinter mir. Der Blick ins Karwendel ist hier schon sehr spektakulär. Da hat sich die Mühe dann doch wieder mal gelohnt.

Ein kurzes Stück geht es über dieses Geröll, aber schon bald komme ich zu einer Wiese auf der noch einige Blumen blühen. Es ist doch immer wieder schön diese kleinen Blumen zu sehen.

Die Tiroler Hütte

Über die Wiese führt der Pfad parallel zum Berg und stiegt nur noch gemächlich an. Zeit zum Verschnaufen. Allerdings geht es hier recht steil nach unten und man sollte schon schwindelfrei sein, wenn man hier lang läuft. Mit jedem Schritt wird der Ausblick nach Süden ins Karwendel noch genialer. Das ist mal wieder einer dieser Wow!-Momente.

Und dann stehe ich endlich oben auf dem Grat an der Tiroler Hütte. Na ja, Hütte ist vielleicht etwas viel gesagt, sollte wohl eher Hüttchen heißen. Falls hier überraschender Weise schlechtes Wetter aufzieht, bietet sie nicht wirklich Schutz. Zumal sie auch gut verschlossen ist und man keine Chance hat reinzukommen.

Aber noch bin ich nicht am Gipfel. Allerdings ist es von der Hütte nur noch ein kleiner Aufstieg, und so stehe ich nach ein paar Minuten endlich ganz oben. Atemberaubend ist Alles, was mir dazu einfällt. Sagt selbst, ist das nicht einfach ein Traum?

Leider wimmelt es hier aber von Fliegen und so kann ich die Aussicht nicht allzu lange genießen. Also wieder zurück zur Tiroler Hütte, wo dann der Abstieg losgeht. Die Wolken, die mich den ganzen Tag schon begleiten, werden auch wieder etwas bedrohlicher. Da wird wohl doch noch ein Gewitter aufziehen.

Ich bin ja nun schon oft im deutsch-österreichischen Grenzgebiet gewandert, aber ein Schild, das mich darauf hinweist, dass ich über die Staatsgrenze gehe, sehe ich hier zum ersten Mal. Also dann: auf zum Abstieg. Der wird mit 1300 Höhenmetern ja noch recht lange werden. Außerdem wartet ja noch die Hütte unterwegs und ich freue mich schon auf das alkoholfreie Weißbier und eine Kleinigkeit zu essen.

Der Abstieg über die Rotwandlspitze beginnt sehr steil und geht über Geröll. Nicht ganz einfach zu gehen, aber machbar. Zwischendurch kommt immer wieder mal ein Stück Latschenwald, wo der Pfad dann nicht so rutschig ist.

Das Gestein hat eine intensive rote Färbung, ist aber kein Sandstein. Auf dieser Seite des Bergs sind auch mehr Leute unterwegs, aber überlaufen ist er dennoch nicht. Wieder verliere ich den Bezug zu der Zeit, die ich schon gelaufen bin und die Vorfreude auf die Hütte steigt mit jedem Schritt.

Diese Farbschattierungen der Felsen finde ich sehr interessant. Mal schimmert es eher ockerfarben, dann wieder in anderen Rottönen. Die Strecken, die durch Geröll führen werden weniger und der Weg wird angenehmer zu gehen. Aber müsste jetzt nicht langsam mal die Hütte kommen? Ich habe Durst und mein Wasser ist schon wieder mal leer.

Gerade als mich fragte, ob ich mich wohl verlaufen habe, oder die Hütte verpasst, sehe ich sie dann endlich doch durch die Bäume.

Die Brunnsteinhütte ist bekannt dafür, dass hier viele verschiedene Tiere zu bewundern sind. Quasi eine Art Streichelzoo. Wie Ihr seht ist vor allem der Esel besonders neugierig. Nachdem ich auf dieser Tour nicht über Almwiesen mit Kühen gelaufen bin und auch sonst keine Tiere gesehen habe, müssen eben die Tiere der Hütte für meinen Post posieren.

Das 1. Weißbier zischt beim Trinken und der saure Pressack ist ein Gedicht. Man kann mich eben noch mit Kleinigkeiten glücklich machen. Kurz nach mir kommt dann auch der Mann, den ich beim Aufstieg getroffen habe und wir unterhalten uns ein bisschen, bevor wir uns dann gemeinsam an den Rest des Abstiegs machen.

Ab der Hütte geht dieser durch schattigen Wald und ist auch nicht mehr so steil.

Wir kommen an Lichtungen vorbei, auf denen dieser blaue Enzian blüht. Irgendwann müssen wir dann noch dieses ausgetrocknete Bachbett überqueren. Auf einer der Lichtungen sehen wir dann, dass ich auf der anderen Seite des Tals nun doch ein Gewitter aufbaut. Hoffentlich erreichen wir noch den Bahnhof, bevor das los geht.

Wir haben Glück und erreichen zumindest das Isartal trockenen Fußes. Noch ein letzter Blick zurück auf die Gipfel und schon geht es weiter. Ab hier geht es ganz gemütlich und eben Richtung Mittenwald. Unterwegs begegnet uns noch diese Ziegenherde. War dann doch noch eine gute Ausbeute an Tierbildern.

In Mittenwald ist es dann etwas schwieriger den Bahnhof zu finden. Die Leute, die wir nach dem Weg fragen, sind ausnahmslos Urlauber, die sich hier auch nicht auskennen. Aber mit etwas Orientierungssinn und einfach mal Richtung Zentrum laufen, finden wir ihn dann doch.

Hier noch ein paar schöne, traditionell bemalte Häuser, an denen wir vorbei kommen.

Und so endet mal wieder eine tolle Tour. Ja es war ganz schön anstrengend, aber bei den tollen Aussichten vom Berg, vergisst man das auch ganz schnell wieder. Während wir am Bahnhof auf unseren Zug warten, sehen wir, dass über dem Gipfel des Brunnsteins ein heftiges Gewitter tobt und einen Gleitschirmflieger, der da wohl nur haarscharf dran vorbei segelt. Ich hätte da ja Angst gekriegt.

Ich hoffe Euch gefällt auch dieser Post und die Bilder. Freue mich schon auf Eure Kommentare.

 

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