Vom Schliersee zur Brecherspitze

Bei dieser Tour erwartet euch ein absolutes Traumpanorama. Vom Gipfel blickt ihr auf drei Seen: Schliersee, Spitzingsee und Tegernsee. Der Aufstieg zur Ankelalm ist relativ einfach. Die einzige Schwierigkeit ist ein sehr schmaler Grat, den ihr beim Abstieg über die Nordflanke zur Freudenreichalm bewältigen müsst. Dafür ist Trittsicherheit und Schwindelfreiheit nötig. Ein kurzes Stück ist drahtseilgesichert. Wenn ihr euch das nicht zutraut, könnt ihr auf dem Aufstiegsweg wieder absteigen. Eine echte Genusstour in den Schlierseer Bergen.

 

Gesamtlänge: 12,6 Kilometer

Gehdauer: 6 Stunden

Höhenmeter im Aufstieg: 850

Höhenmeter im Abstieg: 860 m

Für heute habe ich mir eine Tour ausgesucht, bei der ich bequem mit der Bahn von München aus anreisen kann. Es ist wieder mal ein traumhafter Tag mit strahlend blauem Himmel und schon die Anfahrt mit dem Zug ist gemütlich. Offensichtlich fahren nicht ganz so viele Menschen an den Schliersee und so ist der Zug nicht so überfüllt, wie auf der Strecke nach Tegernsee oder Lenggries.

 

In Neuhaus wäre ja auch das Freilichtmuseum von Markus Wasmeier. Das muss aber warten. Bergtour und Museum lässt sich zeitlich nicht verbinden. Also pack ich erst mal ne Ladung Sonnencreme auf Kopf und Arme und schon kann es los gehen. Die Tour beginnt mit einem Spaziergang durch Neuhaus. Nette alte Bauernhäuser verstecken sich hier in riesigen Gärten. Das ist sehr idyllisch.

 

Nach ein paar Minuten erreiche ich den Dorfrand. Hier folgt der Weg der Strecke der Neuhauser Bockerlbahn. Im Januar 1919 riss ein Föhnsturm eine Schneise von 5 Kilometer Länge und 3 Kilometer Breite in den Wald südlich des Spitzingsees. Weitere Stürme im März und Juli fegten die Bäume, die noch standen weg. So lagen ca. 300.000 Bäume in unwegsamen Gelände, die schnellstmöglich abtransportiert werden mussten, um die Ausbreitung von Ungeziefer (Borkenkäfer) zu verhindern. Bereits Mitte Februar 1919 lag dann ein Plan zum Bau einer 12 Kilometer langen Bahnstrecke vor. Über diese Bockerlbahn wurde das Holz nach Fischhausen-Neuhaus transportiert. 3 Jahre später war das Holz beseitigt und die Bahn wurde wieder abgebaut. Heute könnt ihr auf der ehemaligen Bahntrasse wandern. An mehreren Stellen gibt es Hinweisschilder, die euch die Geschichte der Bahn erklären.

 

Dem Weg der Bockerlbahn folge ich aber nur eine kurze Strecke, denn kurz darauf kommt die Abzweigung zur Ankelalm. Über eine Forststraße geht es nun gemächlich aufwärts. Der Weg führt durch dichten Wald ist aber so breit, dass die Sonne ihn bescheint. Dennoch bleibt es so angenehm kühl. Zwischendurch komme ich immer wieder an Lichtungen, die Ausblicke auf die umliegenden Berge zulassen. Bis jetzt ist die Tour wirklich ein echter Genuss.

 

Nach etwa 1,5 Stunden öffnet sich der Wald zu einer Alm. Die Wiesen sind saftig grün und nur vereinzelt sind noch Bäume zu sehen. Zu meiner rechten erhebt sich nun eine Felswand. Ab hier wird der Weg sehr sonnig. Zu meinem Glück ist es heute aber nicht allzu heiß. Vereinzelt zeigen sich ein paar Schönwetterwolken am Himmel. Na, so wie der Himmel in Bayern eben sein muss: blau-weiß. Noch ein kurzer Anstieg und ich erreiche die Ankelam.

 

Die Hütte schaut sehr neu aus. Im Netzt habe ich einen Hinweis gefunden, dass die wohl 2018 neu gebaut wurde. Die Hütte ist sehr nett geworden. Es gibt nur wenige Sitzplätze an der Hütte, aber ich finde dann doch einen Tisch im Schatten. So wie es ausschaut gibt es hier nur kleine Jausen. Ich will aber eh nur was trinken und habe noch keinen Hunger. Ich sitze auf der dem Tal abgewandten Seite und schaue auf den Gipfel und die Senke, die er überragt.

 

An der Hütte laufen glückliche Hühner frei herum. Manche haben einen witzigen Kopfschmuck. Zu welchem Friseur die wohl gehen? Waschen, legen, föhnen. Wenn ich das richtig recherchiert habe, heißt die Rasse Druffler Haubenhuhn und ist wohl sehr legefreudig. Die Hühner wissen, dass hier von den Tischen immer wieder mal Brotkrumen fallen und sind sehr zutraulich. Sorry, aber von mir gibt’s grad nix.

 

Nach einer kurzen Pause geht es weiter. Ein kurzer Anstieg und ich habe die gesamte Senke vor mir und bin erstaunt. Sowas hätte ich hier nicht erwartet. Wunderschön. Zu meiner Linken sehe ich den Gipfel der Brecherspitze. Zu beiden Seiten umschließen langgezogene Bergrücken das Tal. Ich denke hier ist das Wort idyllisch angebracht.

 

Wenige Minuten nach der Hütte biegt der Pfad nach links ab und führt nun etwas steiler den Berg hinauf. Hier sehe ich dann viele Blumen. Und plötzlich stehen diese beiden Kühe neben mir und schauen mich an. Seit ich mich bei meiner letzten Tour eine Kuh fast angegriffen hätte, habe ich noch mehr Respekt vor diesen Tieren. Aber diese beiden bleiben friedlich. Als ich mich dann noch einmal umdrehe, habe ich den ersten Blick auf den Schliersee. Blau schimmert das Wasser im Tal.

 

Ich folge weiter dem Pfad bergaufwärts. Es geht jetzt zwar etwas steiler aufwärts, aber immer noch nicht wirklich anstrengend. Den Gipfel habe ich jetzt ständig im Blick. Aber auch das Tal der Ankelalm und immer wieder den Schliersee. Nach etwa 30 Minuten erreiche ich einen Grat und der gibt den Blick Richtung Osten und Süden frei. In der Ferne kann ich nun den markanten Gipfel des Wendelsteins sehen. Ich muss gestehen, dass ich die Bahn genommen habe um dort hinauf zu kommen.

 

Diese Aussicht muss ich erst einmal etwas genießen. Ist das nicht traumhaft? Das bayrische Oberland liegt zu meinen Füßen. Tief unten im Tal kann ich die Straße zum Spitzingsee sehen. Diese Aussicht könnte ich ja noch eine Weile genießen, aber vom Gipfel wird es bestimmt noch besser. Also folge ich dem Pfad, der mich nun in einen Wald aus Latschenkiefern führt.

 

Auch hier zwischen den Latschen finde ich noch wunderschöne Blüten. Der Blick auf den Schliersee wird mit jedem Meter noch schöner. Ziemlich am Ende des Nordgrats des Gipfels sehe ich dann diese kleine Kapelle. Noch ist sie ziemlich weit weg, aber wenn ich das auf der Karte richtig sehe, werde ich sie nachher noch aus der Nähe sehen.

 

061-gipfelpanorama mit schliersee

Wendelstein

062-gipfelpanorama richtung norden

Sptizingsattel

Ein kurzes Stück unterhalb des Gipfel ist etwas felsig, aber kein Problem. Und dann ist es geschafft. Wie ich bereits geahnt habe ist die Aussicht hier oben wirklich atemberaubend. Im Nordosten liegt der Schliersee, im Süden der Spitzingsee und im Westen kann ich ein Stück des Tegernsees sehen. Hier auf dem Gipfel ist ganz schön was los. Macht sich doch bemerkbar, dass diese Tour so einfach mit der Bahn zu erreichen ist.

 

Ich suche mir erst mal einen Sitzplatz, genieße diese Aussicht und lasse meine Gedanken schweifen. Das ist einfach traumhaft hier oben. Dieser Platz gehört nun definitiv zu meinen Highlights in den Alpen.

Nach einer längeren Pause mache ich mich dann aber wieder auf den Weg. Der Abstieg ist streckenmäßig etwas länger als der Aufstieg, also werde ich noch ein paar Stunden unterwegs sein.

 

Die ersten Meter sind noch problemlos zu gehen. Wie auf der Westseite, über die ich hoch gegangen bin, geht es durch Latschenwald. Die oberste Spitze des Berges ist wie ein Kegel. Aber schon bald erreiche ich den Nordgrat und stelle fest, dass dieser Weg für manche eine Herausforderung darstellen könnte. Ihr müsst hier ein gutes Stück über einen sehr schmalen Grat gehen. Der Pfad ist gut präpariert, aber ich kann mir vorstellen, dass Menschen mit Höhenangst hier ein Problem kriegen. Zu beiden Seiten geht es steil ins Tal.

 

Ein kurzes Stück ist mit einem Drahtseil gesichert. Für mich sind solche Stellen ja das Salz einer Tour. Was ich immer wider faszinierend finde, ist, dass die Menschen am Berg so rücksichtsvoll sind. Als ich an der ausgesetzten Stelle ankomme, bleiben die Wanderer, die mir entgegen kommen stehen und warten bis ich durch bin. Wäre schön, wenn das im Tal auch funktionieren würde mit der Rücksicht.

 

Auf dem eben Weg komme ich schnell voran. Fast zu schnell, denn ich will ja das Panorama möglichst lange genießen. An der Stelle mit der Votivtafel ist ein junger Mann verunglückt. Er wurde an dieser Stelle vom Blitz getroffen. Jeder weiß ja, dass das Wetter hier in den Bergen schnell umschlagen kann. Das ist einer der Gründe, warum ich mich nur bei sicherem Wetter auf Tour begebe. Und ich versuche immer schon früh morgens aufzusteigen. Die Gefahr eines Gewitters steigt am späten Nachmittag rasant an.

 

Kurz nach dem Marterl folgt noch ein kurzer Gegenanstieg. Danach habe ich noch ein letztes Mal diesen tollen Blick hinüber zum Wendelstein. Und einen ersten Blick auf die Freudenreichkapelle. Dass die noch steht! Sie sitzt direkt auf dem Grat und ist hier Wind und Wetter ausgesetzt. An dieser Stelle muss der Wind eigentlich ziemlich heftig sein. Aber scheinbar scheint das Kirchlein solchen Widrigkeiten gut zu widerstehen.

 

Als ich dann endlich vor der Kapelle stehe, stelle ich fest, dass sie fest vertäut ist. Lag ich also richtig mit meiner Annahme, dass es die sonst weg blasen würde. An der Kapelle gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder geht ihr weiter über den Grat zurück zur Ankelalm oder ihr steigt über eine Wiese hinunter zur Freudenreichalm. Ich entscheide mich für letzteres. Das erste Stück ist sehr steil, aber auf dem weichen Wiesenboden lässt sich das gut abfedern.

 

Nach kurzer Zeit bin ich dann aber wieder auf etwas ebenerem Boden unterwegs. Durch saftige Almwiesen führt der Weg an mehreren Hütten vorbei. Langsam krieg ich jetzt auch Hunger und freue mich auf die Freudenreichhütte. Wäre ja interessant zu wissen wo der Name her kommt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es in grauer Vorzeit eine große Freude war, hier oben das Vieh zu hüten.

 

Dann bin ich endlich an der Hütte. Die ist recht einfach, aber schaut aber sehr einladend aus. Unter dem Vordach ist ein Brunnen, auf dem eine Marienstatue thront. In den Hang hineingebaut ist ein Keller, der von außen wie ein weiteres Haus ausschaut. Eine nette junge Frau fragt mich nach meinen Wünschen. Erst mal was kaltes zum Trinken. Zum Essen gibt es eine Bretteljause mit Speck, Käse, Wurst und Gurke. Und richtig leckerem Brot, das selbst gebacken schmeckt. Köstlich.

 

Am Nebentisch sitzen Einheimische und führen angeregte Diskussionen. Man hat von der Hütte zwar keinen spektakulären Panoramablick, aber die Lage ist dafür umso idyllischer. Die Toilette grenzt an den Stall an und gespült wird diese mit Wasser aus Eimern. Ein Wunder, dass die dennoch so sauber ist.

Auch diesen schönen Ort muss ich irgendwann wieder verlassen. Ich habe ja noch ein gutes Stück zu laufen, bevor ich wieder in Neuhaus bin. Ab hier führt der Weg wieder über eine Schotterstraße. Die Wanderung wird nun wieder zum Spaziergang.

 

Zunächst geht es noch über eine Almwiese, aber bald erreiche ich den Wald. Der ist hier zwar noch recht jung. Offensichtlich wurde hier erst vor ein paar Jahren aufgeforstet. Immerhin mit Laubbäumen und nicht mit den sonst üblichen Fichten. Das wird mal ein schöner Wald. Am Wegesrand sehe ich dann wieder seltene Blumen, aber auch schon die ersten reifen Beeren, die so richtig schön rot leuchten.

 

An einer Wegkreuzung sehe ich diese gelben Blumen. Fast als wollten sie mir den Wg weisen. Und kurze Zeit später sehe ich diese Tollkirschen. Irgendwie finde ich die Blüten ja sehr schön. Aber natürlich lasse ich meine Finger von dieser hochgiftigen Pflanze. Das Gift der Beeren verursacht zunächst ein pelziges Gefühl im Mund und später zu Halluzinationen, Herzrasen und Atemlähmung. Also Finger weg!

 

Kurz darauf dann stehe ich vor dieser alten aber sehr kunstvoll gestalteten Säule. Die schaut wirklich alt aus und könnte mal restauriert werden. Ein gewöhnliches Marterl ist das nicht. Leider kann ich aber keinen Hinweis finden was genau die Bedeutung dieses Steins ist.

 

Noch ein paar Minuten später komme ich an dieser Kapelle vorbei. Ist ja immer wieder interessant, was man so an religiösen Monumenten in den Wälder der Alpen findet. Offensichtlich war es früher zuweilen gefährlich in den Wäldern. Allerdings sind das auch schöne Fotomotive.

 

So erreiche ich dann auch schon bald wieder Neuhaus. Noch einmal bewundere ich diese alten Bauernhäuser, die sich im Wald verstecken. Aber so sehr ich die Natur auch liebe, hier zu wohnen wäre mir dann wahrscheinlich doch zu einsam. Vielleicht würde ich meine Touren dann auch nicht mehr so schätzen, wenn ich jeden Morgen von singenden Vögeln geweckt werde.

Ich hoffe ihr habt jetzt auch Lust bekommen auf die Brecherspitze zu gehen. Ich kann es euch nur empfehlen. Lasst mich wissen, wie es euch gefallen hat.

Über den Fockenstein

,Diese Tour ist zwar etwas länger, aber vom Fockenstein aus habt ihr ein grandioses Panorama. Bis auf das letzte Stück zum Gipfel, wo ihr ein bisschen kraxeln müsst, gibt es keine wirklich schwierigen Passagen und so kann fast jeder diese Tour gehen. Euch erwartet ein traumhaftes Panorama mit Blick über den Tegernsee und in die Zentralalpen. Auch die alles dominierende Zugspitze bekommt ihr zu sehen. Allerdings müsst ihr doch einige Kilometer zurück legen. Das lässt sich vermeiden, wenn ihr vom Gipfel über den Aufstiegsweg wieder ins Tal geht. Wenn ihr die Tour nach meiner Beschreibung macht, ist es sinnvoll mit der Bahn zu reisen.

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Osterwanderung im Tegernseer Land

Der April war ja schon recht warm und so habe ich beschlossen das schöne Wetter am Ostersonntag für eine erste Wanderung zu nutzen. Mir war ja klar, dass nach den heftigen Schneefällen des Winters in höheren Lagen noch sehr viel Schnee liegt, also habe ich mir eine Tour ausgesucht, bei der ich nicht so hoch hinauf steigen muss, um einen tollen Panoramablick zu genießen. Es sollte sich dann aber herausstellen, dass ich doch zu hoch hinaus wollte.

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Aussichtsgipfel im Karwendel

Auch wenn Ihr bei dieser Tour 1.200 Höhenmeter bis zum Gipfel aufsteigen müsst, ist die Tour mit einigermaßen Kondition gut zu schaffen. Der Aufstieg ist zwar lang, aber nicht allzu steil und belohnt Euch immer wieder mit traumhaften Ausblicken auf das Karwendelgebirge. Durch die gute Anbindung mit dem Bergsteigerbus ab/bis Lenggries kann man das Auto zu Hause stehen lassen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Unterwegs erwartet Euch mit der Tölzer Hütte eine sehr gute Einkehrmöglichkeit. Auch am Ende der Tour wartet noch eine Hütte auf Euch.

Die Anreise

Der Sommer war lang und heiß und so kam ich nicht so oft zum Wandern, wie ich gehofft hatte. Als es dann endlich mal unter 30° haben sollte und auch keine Gewitter angekündigt waren, gab es kein Halten mehr. Mit dem Zug fahre ich am frühen Morgen von München zunächst nach Lenggries. Von dort geht es weiter mit dem Bergsteigerbus Richtung Engalm. Die Abfahrtszeit des Busses ist auf den Zug abgestimmt, sodass es hier keine Wartezeit gibt. Und so stehe ich schon bald mitten in der Natur an der Haltestelle Aufstieg zur Tölzer Hütte. Es ist 9 Uhr Morgens und hier auf 903 m noch angenehm frisch. Voller Energie und Vorfreude mache ich mich also auf den Weg.

Der Aufstieg

Zunächst führt der Weg über einen felsigen Waldpfad. Der ist aber gut zu gehen und steigt gemächlich nach oben. Ende August gibt es nicht mehr viele Blüten, aber dennoch gibt es am Wegesrand interessante Dinge zu sehen. So wie diesen löchrigen Baumstamm oben. Ich genieße endlich wieder diese frische und belebende Bergluft. Herrlich! Langsam finde ich auch meinen Rhythmus und merke, dass meine Muskeln in Betriebsmodus kommen. Durch die Bäume hindurch hat man dann auch immer wieder mal spektakuläre Blicke auf die bayrischen Berge des Karwendel. Die heutige Tour führt mich durch das deutsch-österreichische Grenzgebiet. Der Gipfel liegt genau auf der Grenze.

Nach kurzer Zeit sehe ich dann zum ersten Mal auf die Laliderwände. Erinnerungen an eine meiner schönsten Touren werden wach. Den Link zu dieser Tour findet Ihr hier. In langgezogenen Kehren windet sich der Pfad langsam nach oben. Hier im Wald ist es immer noch angenehm frisch. Die Sonne lacht vom tiefblauen Himmel und an den Stellen, die es ermöglichen, habe ich eine fantastische Sicht. Das steigert die Vorfreude auf den Gipfel. Von dort muss die Aussicht heute gigantisch sein.

Und dann finde ich doch ein paar Blumen am Wegesrand. Die sind nicht so außergewöhnlich wie die Blüten im Frühjahr und Frühsommer, aber ich finde sie dennoch sehr schön. Auch wenn der Weg nicht sehr steil ist, gewinne ich doch recht schnell an Höhe.

Auf einer Lichtung lacht mich dieser schöne Bayrischen Enzian an. Kurz danach entdecke ich am Stamm einer Fichte diesen Schwammpilz. Schaut aus wie ein Badezimmerschwamm. Auf Wikipedia habe ich gelesen, dass man ihn nicht essen kann, aber gut als Dekomaterial verwenden. Ich finde es gibt Schöneres für die Wohnung.

Nach gut 1,5 Stunden verlasse ich den Wald und erreiche offenes Gelände. Somit wird die Aussicht noch schöner. Ich kann nun die Gipfel um die Soiernspitze im bayrischen Teil des Naturparks Karwendel sehen. Traumhaft schön. Bei solchen Aussichten wird mir immer wieder bewusst, warum ich mir die Qualen des Aufstiegs antue. Solche Panoramen bekommt man eben nur, wenn man auf einen Berg steigt. Sagt selbst. Ist das nicht wunderschön?

Bald stehe ich an einer Gabelung. Hier gibt es zwei Möglichkeiten weiter zu gehen. Ich entscheide mich für den linken Pfad. Der führt durch den lichter werdenden Wald und schon bald sehe ich auch die Tölzer Hütte zum ersten Mal. Das ist für heute mein erstes Ziel. Denn was wären die Bergtouren ohne eine Einkehr auf einer Hütte. Zwei Jungs, die sich an der Gabelung für den rechten Weg entschieden haben kommen nur kurze Zeit nach mir zur Hütte. Ich kann es nicht sicher sagen, aber ich glaube, dass Ihr auf dem linken Pfad die bessere Aussucht habt. Für mich sah es so aus, als ob der rechte Pfad durch eine Art Hochtal nach oben führt.

Ich bin voller Bewunderung für die sagenhaft schöne Landschaft – das Karwendel zählt für mich zu einem der beeindruckendsten Gebirgsstöcken der Alpen – und genieße die Sonne und die frische Luft. An dieser Stelle noch ein paar Infos zum Karwendel. Der Name leitet sich ab vom altdeutschen Familiennamen Gerwentil und galt ursprünglich nur für das Karwendeltal bei Scharnitz. Im Westen ist die Grenze bei Seefeld und dem Isartal, im Norden der Isarwinkel und der Sylvensteinspeicher, im Osten der Achensee und im Süden reicht der Gebirgsstock bis nach Innsbruck. Charakteristisch sind die Felsengipfel aus Kalk, die sich auf bis zu 2.749 m erheben (Birkkarspitze ).

Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel, wie sich neben mir etwas bewegt. Ich muss zugeben, dass ich mich kurz erschrecke. Immerhin gibt es hier in den Bergen ja auch Kreuzottern. Aber heute ist es nur die Kröte, die Ihr oben seht. Ich wundere mich, dass es die hier am Berg gibt, wo doch weit und breit kein Wasser zu finden ist.

Je näher ich der Hütte komme, umso besser wird meine Sicht auf das gegenüberliegende Delpsjoch. Von der Westseite schaut es aus, als ob das ein mit Gras bewachsener Berg wäre, aber auf der Ostseite sieht man dann den dramatischen Abbruch am Gipfel. Dieser bildet zusammen mit dem gegenüberliegenden Grat des Schafreuters eine Mulde, in der Kühe grasen. Und dann bin ich endlich an der Tölzer Hütte.

Die Tölzer Hütte

Die Tölzer Hütte liegt auf 1.835 m und somit habe ich schon 830 Höhenmeter hinter mir, als ich dort ankomme. Klar, dass ich hier eine kurze Rast einlege. Zunächst gibt es erstmal ein alkoholfreies Weißbier. Das gibt wieder frische Energie, schließlich habe ich ja noch einen, wenn auch kurzen Anstieg von ca. 260 m vor mir. Hunger habe ich inzwischen auch und so muss ich mich entscheiden, ob ich lieber Speck-, Käse oder Spinatknödel haben möchte. Ich entscheide mich für die Käsevariation und die sind wirklich köstlich. Natürlich Alles hausgemacht mit Zutaten von lokalen Lieferanten. Sowas nennt man dann nachhaltig. Finde ich sehr gut. Mit meinem Geld unterstütze ich so nicht nur die Hüttenwirte, sondern auch die Landwirte der Gegend und trage so mit einem kleinen Teil zum Erhalt der Traditionen bei.

Bei dieser fantastischen Aussicht fällt es mir schwer mich wieder los zu reißen. Also gönne ich mir noch ein zweites alkoholfreies Weißbier und genieße das tolle Wetter. Irgendwann muss ich dann aber doch los. Ich will ja nicht hier übernachten. Wobei das vielleicht auch mal noch auf meiner Bucket List steht. Direkt hinter der Hütte geht es zunächst ein kurzes Stück über einen sehr felsigen Weg steil nach oben.

Der letzte Anstieg

Das schaut dramatischer aus, als es ist. Mit guten Schuhen ist das kein Problem. Vorausgesetzt es ist trocken. Aber darüber muss ich mir heute keine Sorgen machen. Es ist noch immer kein Wölkchen am Himmel zu sehen. Nur tiefes Blau.

Kurz unterhalb des Gipfels gibt es einen ganzen „Wald“ aus Steinmandln. Ich konnte leider nicht heraus finden, ob es damit eine besondere Bewandnis hat. Normalerweise werden sie als Wegweiser in unwegsamen Gebieten aufgeschichtet. Die Ansammlung, die Ihr hier findet ist wohl von kunstsinnigen Menschen errichtet worden.

Auf alle Fälle sehr interessant anzuschauen. Außerdem sind die Kunstwerke ein schönes Detail auf Fotos mit dem Panorama der Karwendelberge im Hintergrund. Oder nicht?

Nur wenige Minuten später stehe ich dann auf dem Gipfel und habe nun ein atemberaubendes 360° Panorama vor mir. Es duftet nach frischem Kuhdung und so ist es nicht verwunderlich, dass einer der Wanderer, der nach mir ankommt sagt, dass er jetzt weiß warum der Berg Schafreuter heißt.

Gipfelkreuz

Das Gipfelkreuz wurde 2016 von einem Gestörten mit einer Axt so stark beschädigt, dass es abgebaut werden musste. Der gleiche Typ hat mutmaßlich vorher schon 2 andere Gipfelkreuze auf die gleiche Weise beschädigt. Eine Woche später haben junge Burschen, die man einer rechtsextremen Vereinigung zuordnet, ein neues Kreuz aufgestellt. Dieses wurde dann durch ein Kreuz der Sektion Tölz ersetzt, welches aber nach einem Monat wieder komplett zerstört auf dem Gipfel gefunden wurde. Warum bitte macht man so was?

Der Blick auf dem Gipfel schweift über das gesamte Karwendel. Im Norden erblickt man tief im Tal den Sylvensteinspeichersee und das Voralpenland in der Ferne. Traumhaft dieser Wechsel von grünen Bergen und felsigen Gipfeln. Ich bin überwältigt von diesem Anblick. Trotz des nicht so prickelnden Geruchs, verweile ich ein paar Minuten auf dem Gipfel, bevor ich mich an den Abstieg mache.

Die Nordwestseite des Schfareuters ist mit Gras bewachsen und daher sehr einfach zu begehen. Wem also der Weg über den direkten Anstieg von der Tölzer Hütte zu schwierig scheint, der kann unterhalb des Gipfels queren und dann vom Kälbereck auf 1.757 von der Nordseite aufsteigen. Dieser Weg dürfte aber mindestens doppelt so lange brauchen, wie der direkte.

Der Abstieg

Am westlichen Ende des Gipfelgrats fällt mir in der Felswand ein großer goldener Fleck auf. Der leuchtet in der Sonne wirklich wie pures Edelmetall. Das wird es wohl aber nicht sein, sonst wäre da ja schon jemand dort gewesen und hätte das mitgenommen. Noch einmal schweift mein Blick rüber zu den Laliderwänden und dann geht es einmal querfeldein über die Wiese in Richtung Tal.

Als ich mich noch einmal umdrehe um zum Gipfel zu schauen, sehe ich da plötzlich diese weiße Wolke auftauchen. Die war vor 10 Minuten noch nicht zu sehen. Das Wetter in den Bergen kann sich ja recht schnell ändern und dass an einem strahlend blauen Himmel innerhalb von Minuten schwarze Gewitterwolken auftauchen, habe ich schon selbst erlebt. Es tauchen nun immer mehr Wolken am Himmel auf, aber immerhin sind es nur harmlose weiße Wolken, die mal wieder das typische bayrische blau-weiß Klischee fördern.

Der Pfad führt nun durch Latschenwald an einem Felsabsturz entlang. Das sollte aber auch von Leuten mit Höhenangst zu bewältigen sein. An manchen Stellen wird es ein bisschen felsig, aber auch das ist nicht dramatisch.

Nach ca. 45 Minuten erreiche ich die Moosenalm, die in einer kleinen Talmulde zwischen Wiesen und Felsen liegt. Die Alm ist privat, also nicht bewirtschaftet und somit keine Raststation. Schade. Die liegt in einer malerischen Umgebung. Andererseits komme ich ja am Ende meiner Tour zur Oswaldhütte. Dort gibt es dann nochmal was zu trinken.

Kurz hinter der Moosenalm kommt dann eine Abzweigung und der ausgeschilderte Pfad führt zunächst durch sumpfiges Gelände bevor er dann sehr steil und auch sehr schlecht gehbar ins Tal führt. Eigentlich bevorzuge ich solche Pfade, aber der hier wurde irgendwann so anstrengend, dass ich mir wünschte, ich wäre nicht abgebogen. Die ganze Tour war recht einfach zu gehen, aber dieses letzte Stück hat dann mehr Energie gekostet als der ganze Rest der Tour. Daher mein Tipp: Bleibt auf der Forststraße, die als Zufahrt für die Moosenalm genutzt wird. Das dauert vielleicht etwas länger, aber Ihr kommt nicht völlig ausgelaugt an der Oswaldhütte an.

Dann endlich habe ich den ersten Blick auf die Oswaldhütte und somit mein Ziel vor Augen. Kurz bevor ich die Hütte erreiche höre ich dann noch das Plätschern eines Baches. Das ist genau was meine Füße jetzt brauchen. Ein Bad im eiskalten Wasser. Also Schuhe ausziehen und die Wohltat genießen. Das hat sich noch nie so gut angefühlt. Trotz meiner längeren Pausen an der Tölzer Hütte und auf dem Gipfel, bin ich viel zu früh dran und muss noch fast 2 Stunden auf den Bus warten, der mich wieder nach Lenggries bringt. Aber an der Oswaldhütte macht das Warten sogar Spaß. Ich habe ein frisches alkoholfreies Weißbier vor mir stehen und einen genialen Ausblick auf die Berge. Was will man mehr? Und so geht wieder ein toller Tag in den Bergen zu Ende und ich freue mich schon auf meine nächste Tour.

Ich hoffe Euch hat auch dieser Post wieder gefallen und freue mich auf Eure Kommentare.

Höllentalklamm und Kreuzeck

Bei dieser abwechslungsreichen Tour entdeckt Ihr zunächst eine spektakuläre Schlucht, in der allerdings oft sehr viele Menschen unterwegs sind. Im weiteren Verlauf erwarten Euch dann spektakuläre Aussichten auf das Kramermassiv, die Zugspitze und gegen Ende das Estergebirge und das Karwendel. Solltet Ihr unter Höhenangst leiden, ist vielleicht die Variante, die später beschreibe eher etwas für Euch. Zwischen Höllental und Kreuzeck sind einige Stellen mit Seilen gesichert. Unterwegs kommt Ihr an einigen Hütten vorbei, an denen Ihr rasten könnt. Hört sich interessant an? Dann lest hier weiter. Viel Spaß!

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Kuhflucht Wasserfälle und Hoher Fricken

Wenn Ihr einen spektakulären Wasserfall sehen möchtet, seid Ihr bei dieser Tour richtig. Die Kuhfluchtwasserfälle gehören zu den höchsten Deutschlands und gerade im Frühjahr, wenn es kurz vorher viel geregnet hat sind sie spektakulär. Bis zu den Wasserfällen ist die Tour relativ einfach zu gehen, danach führt der Weg recht steil zum Gipfel des Hohen Fricken. Unterwegs genießt Ihr atemberaubende Ausblicke auf das Kloster Ettal, das Kramer- und das Wettersteinmassiv. Ich hatte geplant über den Hohen Fricken zum Esterberg zu wandern, musste die Tour dann aber wegen schlechtem Wetter 300 m unter dem Gipfel abbrechen.

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Laber und Ettaler Mandl

Wunderbares Bergpanorama mit Blick auf die Zugspitze erwartet Euch auf dieser Tour. Natürlich gibt es eine Straße im Tal, die Oberammergau und Ettal verbindet, aber dann verpasst man die tolle Aussicht auf die umliegenden Berge. Um auf den Gipfel des Ettaler Mandls zu kommen müsst Ihr das letzte Stück durch eine Felswand klettern. Die ist aber mit Seilen gesichert und auch für Anfänger geeignet. Mir hat das so richtig Spaß gemacht. An der Bergstation der Laberbergbahn gibt es ein Restaurant, in dem man sehr gut essen kann und ganz nebenbei die traumhafte Aussicht genießen. Die Tour ist nicht allzu anstrengend, da der Anstieg nicht besonders steil ist. Worauf wartet Ihr also noch?

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Höhenunterschied: 960 m im Aufstieg, 920 im Abstieg

Gehzeit: 5.50 Stunden

Nachdem der Winter lange Zeit recht mild war, hat er ja im März nochmal richtig Gas gegeben. Vor allem zu Ostern gab es in den Bergen noch eine ordentliche Packung Schnee und so musste ich bis Ende April warten, bis ich meine erste Tour machen konnte. Zur Eröffnung der Saison habe ich mir eine Tour ausgesucht, die nicht zu anstrengend ist, aber dennoch genussvolle Panoramen bietet.

Also stehe ich morgens um 07:30 am Hauptbahnhof in München und will mit dem Zug nach Oberammergau fahren. Leider ist die Bahnstrecke mal wieder gesperrt und man schickt mich mit der S-Bahn nach Pasing. Von dort soll es einen Schienenersatzverkehr nach Tutzing geben. In Pasing angekommen suche ich nach dem Bus, kann ihn aber nicht finden. Vielleicht wissen die ja bei der Information was. Die hat so früh am Morgen schon geöffnet. Ich habe Glück und die Streckensperrung wurde inzwischen wieder aufgehoben und ich kann meine Anreise wie geplant fortsetzen. So stehe ich dann 2 Stunden später endlich in Oberammergau.

 

Als Kind war ich einmal in diesem Dorf. Jeder hat schon einmal von den Passionsspielen, die alle 10 Jahre stattfinden, gehört. Zum ersten Mal gab es die 1634 und seit 1680 gibt es den 10-Jahres-Rhythmus. Der Grund für die Spiele ist die Einlösung eines Versprechens nachdem die Pest überwunden war. Die Schauspieler sind die Einwohner des Dorfes. Oberammergau ist aber auch bekannt für seine Holzschnitzer und für die Lüftmalereien an den Häusern. Die gibt es zwar in der ganzen Region, aber nirgends so konzentriert. Mit einem kleinen Umweg könnt Ihr Euch diese Kunsterwerke anschauen. Oder aber Ihr genießt die kleine Dia-Show hier. Einige Bilder stammen von einem zweiten Besuch, daher die Wolken.

 

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das ist schon sehr schön anzuschauen, aber ich bin mir nicht sicher, ob es sich wirklich lohnt extra hierher zu fahren. Also wenn Ihr gerade in der Gegend seid, schaut Euch das mal an.

Nun aber auf in Richtung Berg. Zunächst führt der Weg noch ein gutes Stück durch das Dorf. Durch die St.Lukas-Straße geht es Richtung Erlebnisbad WellenBerg, ein sehr schönes Freibad, zur Talstation der Laberbergbahn. Vom Bahnhof zur Talstation sind es gut 2,5 km. Eine gute Strecke um sich warm zu laufen.

Nach einer Weile mündet die Straße in einen Pfad, der am Ufer der Ammer entlang führt. Ihr seid zwar immer noch im Dorf, aber den Trubel habt Ihr hier hinter Euch gelassen.

 

Vor 3 Wochen war das hier noch tief verschneit. Doch jetzt nach ein paar schönen, warmen Frühlingstagen ist Alles grün und überall blüht es. Das liebe ich so am Frühling, wenn die Natur wieder zum Leben erwacht und sich von ihrer schönsten Seite zeigt.

Unter schattigen Bäumen führt der Weg weiter entlang des Bachs und nun sieht man immer wieder diese tollen Wiesen, die heute gelb leuchten.

 

Bald erreiche ich dann das Erlebnisbad WellenBerg. Durch den Zaun sehe ich die Liegefläche und die leeren Becken. Schaut wirklich sehr gepflegt aus. Das wäre noch eine Idee hier mal einen Badetag zu verbringen.

Weiter geht es aber zur Talstation, die nur noch wenige Schritte entfernt ist. Ein kleiner Wasserfall und eine im Wald versteckte Kapelle liegen noch dazwischen.

 

An der Talstation angekommen überquere ich den Parkplatz und suche nach dem Wegweiser zum Laber. Der ist schnell gefunden und so kann nun also der Anstieg beginnen. Schnell noch ein paar Fotos von den schneebedeckten Gipfel rund herum machen.

 

Über eine Wiese führt der Pfad nun bergaufwärts. Schnell hat man einen wunderbaren Blick auf das Bergpanorama und das Dorf. Im Moment sind sehr wenige Menschen unterwegs. Das ändert sich später noch. Vor allem am Gipfel werde ich dann wieder auf andere Wanderer und Ausflügler treffen.

 

Am Waldrand und auf der Wiese blühen die ersten Frühlingsblumen. Die gelben Schlüsselblumen sind ja die „Vorfahren“ der Primeln, die Ihr im Frühjahr in vielen Gärten seht. In meiner Kindheit haben wir immer große Sträuße nach Hause geholt. Die Blüten duften wunderbar. Pflücken ist erlaubt, aber Wurzeln ausgraben nicht.

Schon bald erreiche ich einen Forstweg. Hier muss ich mich entscheiden, ob ich den Weg vorbei am Soilasee nehmen will, oder aber Weg über die Schartenköpfe. Der Wegweiser zu den Schartenköpfen hat den Hinweis, dass nur geübte ihn nehmen sollen. Den könnt Ihr ignorieren, wenn Ihr schwindelfrei und trittsicher seid. Eine normale Kondition reicht für diesen Weg. Auf dieser Strecke habt Ihr aber die schöneren Aussichten.

 

An dem Weg, den Ihr oben seht, kommt ihr zunächst an einer Tränke vorbei und seht dann einen Felsbrocken in der Wiese liegen. Ich habe erst beim zweiten Hinsehen bemerkt, dass ich an diesem Brocken links abbiegen muss und der Pfad hier wieder im Wald verschwindet. An manchen Stellen seht Ihr die Gondeln der Bergbahn über Euren Köpfen vorbei ziehen, sonst hört Ihr sie eher.

 

Sehr bald führt der Pfad über eine Schneise nach oben und mit jedem Meter, den Ihr an Höhe gewinnt, wird der Blick über Oberammergau und das Ammertal noch überwältigender. Auf dieser Strecke sind nur sehr wenige Menschen unterwegs. Haben die sich doch von dem Hinweis „nur für Geübte“ abschrecken lassen? Ich genieße die frische Frühlingsluft und steige gemütlich bergaufwärts.

 

An der Laberalm komme ich wieder an eine Abzweigung. Hier kann ich entweder wieder hinabsteigen zum Soilasee, oder aber meinen Anstieg fortsetzen. Am Hang vor mir liegen noch einige Schilder, die den Winter über als Wegweiser für die Skifahrer gedient haben. Und ich stehe auch vor dem ersten von vielen Schneefeldern, die ich im weiteren Anstieg kreuzen werde.

 

An manchen Stellen sind im Schnee Löcher zu sehen, an denen Wanderer vor mir noch knietief eingesunken sind. Ich habe Glück und kann anhand der Spuren meiner Vorgänger trockenen Fußes über die meisten der Felder laufen. Es ist aber wirklich noch sehr viel Schnee, der hier liegt und an manchen Stellen wird es schwierig den weiteren Verlauf des Wanderpfades zu erkennen.

Je näher ich dem Gipfel des Schartenkopfes komme, umso felsiger wird der Berg über mir. Aber keine Angst hier müsst Ihr noch nicht klettern.

 

Kurz vor dem Gipfel öffnet sich dann das Panorama Richtung Südwesten und plötzlich habe ich einen ganz tollen Blick auf die Zugspitze. Soweit ist sie ja nicht weg von hier und als höchster Berg Deutschlands muss man die anderen ja überragen.

So erreiche ich dann den Gipfel des Schartenkpopfes. Ab hier braucht Ihr dann wirklich Trittsicherheit und dürft keine Höhenangst haben. Der Name passt sehr gut, denn es geht zu fast allen Seiten über steile Felswände nach unten. Dafür ist das Panorama gigantisch.

 

Richtung Norden blickt man ins Ammertal und das Voralpenland. Richtung Süden liegt einem das Kloster Ettal zu Füßen. Dahinter erhebt sich in der Ferne das Wettersteingebirge mit der Zugspitze am westlichen Ende. Das sind die Momente, in denen mir klar wird, warum ich so verrückt bin mir die Qualen eines Anstiegs anzutun. Immer wieder ein erhebendes Gefühl auf so einem Gipfel. Ich nehme mir ein paar Minuten Zeit um das zu genießen.

Der Weg zur Bergstation der Laberbergbahn führt über einen schmalen Grat ist aber gut zu gehen. Teilweise geht es durch Latschenwald, teilweise Säumen aber auch Fichten Euren Weg. So habt Ihr immer wieder einen Blick auf das tolle Panorama.

 

Und Plötzlich tauchen dann auch die zwei Finger des Gipfels des Ettaler Mandls auf. Auch wenn Ihr an der Bergstation des Labers mit 1686 m die höchste Stelle der Tour erreicht habt, so werdet Ihr vergeblich nach einem Gipfelkreuz suchen. Es ist einfach die höchste Erhebung des Grats, den ich gerade überschritten habe.

Und dann kommt endlich der zweitschönste Teil einer Bergtour. Ich stehe auf der Terrasse des Berggasthauses der Laberbergbahn mit einer Wahnsinns-Aussicht. Im Hintergrund sieht man das Wettersteingebirge und davor den Grat des Kramers. Dazwischen liegt irgendwo im Tal Garmisch-Partenkirchen.

064-blick vom gasthof laber

Jetzt habe ich mir aber eine herzhafte Brotzeit verdient. Das erste alkoholfreie Weißbier zischt richtig und der Wurstsalat, den ich bestellt habe, steht in kürzester Zeit vor mir auf dem Tisch. Das Essen ist sehr schön angerichtet (das Auge isst ja bekanntlich mit) und die Portion würde eigentlich für zwei Mahlzeiten reichen. Ich hab ja noch einen langen Abstieg vor mir. Da verbrenne ich ja die Kalorien wieder.

So schön es hier auch ist, ich muss dann doch wieder weiter. Es wartet ja noch ein Gipfel auf mich.

 

Neben dem Gasthaus mache ich schnell noch ein Foto der Aussicht nach Norden ins Voralpenland. Und dann geht es an den Abstieg. Das Ettaler Mandl liegt nämlich tiefer als die Bergstation. Nach wenigen Schritten habe ich dann den ersten Blick auf den Soilasee, an dem der andere Aufstiegsweg vorbeiführt.

 

Auch auf dieser Seite des Berges führt der Weg unterhalb des Gipfels an einigen Felswänden vorbei durch den Wald. Nachdem ich nun auf der Südseite des Bergs unterwegs bin, ist aber der Schnee kein Thema mehr. Ich hatte ja schon die Befürchtung, dass das Mandl noch zu nass und rutschig ist um ganz hoch zu steigen, aber die war unbegründet.

Neben dem Weg entdecke ich dann noch ein paar Frühlingsblumen. Wie diesen Seidelbast. Den solltet Ihr aber nicht berühren. Der ist hochgiftig.

 

Auf dem Weg zum Gipfel des Ettaler Mandl sind dann recht viele Wanderer unterwegs. Ich bin ja gespannt was mich dort erwartet. Und dann stehe ich am Fuß dieser Felswand. Zusammen mit ca. 15 anderen. Darunter ein Vater mit seinem kleinen Sohn, die gerade ihre Kletterausrüstung angelegt haben. Bei dem kleinen Jungen verstehe ich das ja. Aber die anderen, die vor mir warten verstricken sich in Diskussionen, was denn nun die richtige Ausrüstung für diese Wand ist. Das dauert mir zu lange und ich beschließe – zugegebenermaßen etwas unhöflich – mich über einen Quereinstieg vorzudrängeln.

 

Das schaut schlimmer aus als es ist. Ich habe nun wirklich keine große Erfahrung im Klettern, aber da der Aufstieg gut mit Drahtseilen abgesichert ist, kann auch ich die Strecke gut bewältigen. Ganz ohne Karabinerhaken und Schlaufen um meine Beine. Der Aufstieg macht sogar richtig Spaß. Vielleicht sollte ich doch noch mit dem Klettern anfangen?

Und so stehe ich dann schon bald auf dem Gipfel.

079-gipfelkreuz ettaler mandl

Der Ausblick ist fantastisch. Im Süden die schneebedeckten Gipfel des Wettersteingebirges, im Osten blicke ich über das Loisachtal hinüber zum Hohen Fricken und Wank. Und nach Norden hin geht der Blick ins Voralpenland und zum Staffelsee.

 

Da ja schon bald recht viele Kletterer nach kommen, kann ich die Aussicht leider nicht ganz so lange genießen, wie ich eigentlich wollen würde und mache ich mich bald wieder an den Abstieg. Da es nur eine Kletterroute gibt, muss ich immer wieder Pausen einlegen um den „Gegenverkehr“ durch zu lassen.

Am Fuß des Felsens angekommen, folge ich also dem Pfad Richtung Kloster Ettal.

 

Der Weg führt durch mal lockeren, mal dichteren Wald. Immer wieder entdecke ich am Wegesrand bunte Frühlingsblumen. An einer Stelle hat sich der Pfad richtig tief ins Erdeich gegraben. Ich muss mal wieder an die berühmte hohle Gasse denken.

An manchen Stellen habe ich dann sogar Blick ins Tal und kann Kloster Ettal zwischen den Zweigen erkennen.

 

Nach etwa 1,5 Stunden bequemen Abstiegs erreiche ich dann das Tal und das Kloster Ettal, Bevor ich mir das Kloster genauer ansehe, will ich aber erst mal prüfen, wann der nächste Bus nach Oberau zum Bahnhof fährt.

 

Die Bushaltestelle habe ich schnell gefunden. Laut Fahrplan fährt der nächste Bus in 10 Minuten und dann noch einer in 45 Minuten. Also beschließe ich zu warten und erst mal was zu trinken. Das tut gut. Ich habe ja nun noch etwas Zeit mir das Kloster etwas anzuschauen und laufe also noch etwas über das Gelände.

 

Diese barocke Klosteranlage mitten in den Bergen ist wirklich wunderschön. Ist schon faszinierend, was man früher für prachtvolle Bauten geschaffen hat. Ich bin wirklich beeindruckt und beschließe mal wieder herzu kommen, um mir das noch genauer anzuschauen. Aber jetzt muss ich dann doch zum Bus.

Wieder an der Bushaltestelle angekommen muss ich dann allerdings feststellen, dass ich den Busfahrplan falsch gelesen habe, und mich an den Abfahrtszeiten unter der Woche orientiert habe. Samstags fährt der Bus leider erst weitere 45 Minuten später. So ein  Mist. Und Internet habe ich hier mangels Netz leider auch nicht. Inzwischen bin ich aber doch recht müde und habe keine Lust mehr noch weiter rum zu laufen. Also setze ich mich auf die Parkbank und warte.

Als ich endlich in Oberau am Bahnhof ankomme, muss ich leider feststellen, dass ich auch hier fast eine Stunde warten muss, bis der nächste Zug fährt. Also laufe ich noch etwas durch den Ort und suche nach einem Supermarkt oder einer Tankstelle, wo ich was zu trinken kaufen könnte. Leider Fehlanzeige. Hier gibt es nichts.

106-oberau

So endet diese wunderschöne Tour leider nicht ganz so wie erwartet und als ich endlich in den Zug nach München steige, ist die Stimmung ein klein wenig getrübt. Aber nicht sehr lange, denn die tollen Erlebnisse in dieser traumhaft schönen Natur besänftigen mich recht schnell wieder.

Ich hoffe Euch hat auch dieser Post gefallen und würde mich freuen, wenn Ihr mir Eure Kommentare hinterlasst.

 

 

 

 

 

 

 

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