Auch wenn Ihr bei dieser Tour 1.200 Höhenmeter bis zum Gipfel aufsteigen müsst, ist die Tour mit einigermaßen Kondition gut zu schaffen. Der Aufstieg ist zwar lang, aber nicht allzu steil und belohnt Euch immer wieder mit traumhaften Ausblicken auf das Karwendelgebirge. Durch die gute Anbindung mit dem Bergsteigerbus ab/bis Lenggries kann man das Auto zu Hause stehen lassen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. Unterwegs erwartet Euch mit der Tölzer Hütte eine sehr gute Einkehrmöglichkeit. Auch am Ende der Tour wartet noch eine Hütte auf Euch.

Die Anreise

Der Sommer war lang und heiß und so kam ich nicht so oft zum Wandern, wie ich gehofft hatte. Als es dann endlich mal unter 30° haben sollte und auch keine Gewitter angekündigt waren, gab es kein Halten mehr. Mit dem Zug fahre ich am frühen Morgen von München zunächst nach Lenggries. Von dort geht es weiter mit dem Bergsteigerbus Richtung Engalm. Die Abfahrtszeit des Busses ist auf den Zug abgestimmt, sodass es hier keine Wartezeit gibt. Und so stehe ich schon bald mitten in der Natur an der Haltestelle Aufstieg zur Tölzer Hütte. Es ist 9 Uhr Morgens und hier auf 903 m noch angenehm frisch. Voller Energie und Vorfreude mache ich mich also auf den Weg.

Der Aufstieg

Zunächst führt der Weg über einen felsigen Waldpfad. Der ist aber gut zu gehen und steigt gemächlich nach oben. Ende August gibt es nicht mehr viele Blüten, aber dennoch gibt es am Wegesrand interessante Dinge zu sehen. So wie diesen löchrigen Baumstamm oben. Ich genieße endlich wieder diese frische und belebende Bergluft. Herrlich! Langsam finde ich auch meinen Rhythmus und merke, dass meine Muskeln in Betriebsmodus kommen. Durch die Bäume hindurch hat man dann auch immer wieder mal spektakuläre Blicke auf die bayrischen Berge des Karwendel. Die heutige Tour führt mich durch das deutsch-österreichische Grenzgebiet. Der Gipfel liegt genau auf der Grenze.

Nach kurzer Zeit sehe ich dann zum ersten Mal auf die Laliderwände. Erinnerungen an eine meiner schönsten Touren werden wach. Den Link zu dieser Tour findet Ihr hier. In langgezogenen Kehren windet sich der Pfad langsam nach oben. Hier im Wald ist es immer noch angenehm frisch. Die Sonne lacht vom tiefblauen Himmel und an den Stellen, die es ermöglichen, habe ich eine fantastische Sicht. Das steigert die Vorfreude auf den Gipfel. Von dort muss die Aussicht heute gigantisch sein.

Und dann finde ich doch ein paar Blumen am Wegesrand. Die sind nicht so außergewöhnlich wie die Blüten im Frühjahr und Frühsommer, aber ich finde sie dennoch sehr schön. Auch wenn der Weg nicht sehr steil ist, gewinne ich doch recht schnell an Höhe.

Auf einer Lichtung lacht mich dieser schöne Bayrischen Enzian an. Kurz danach entdecke ich am Stamm einer Fichte diesen Schwammpilz. Schaut aus wie ein Badezimmerschwamm. Auf Wikipedia habe ich gelesen, dass man ihn nicht essen kann, aber gut als Dekomaterial verwenden. Ich finde es gibt Schöneres für die Wohnung.

Nach gut 1,5 Stunden verlasse ich den Wald und erreiche offenes Gelände. Somit wird die Aussicht noch schöner. Ich kann nun die Gipfel um die Soiernspitze im bayrischen Teil des Naturparks Karwendel sehen. Traumhaft schön. Bei solchen Aussichten wird mir immer wieder bewusst, warum ich mir die Qualen des Aufstiegs antue. Solche Panoramen bekommt man eben nur, wenn man auf einen Berg steigt. Sagt selbst. Ist das nicht wunderschön?

Bald stehe ich an einer Gabelung. Hier gibt es zwei Möglichkeiten weiter zu gehen. Ich entscheide mich für den linken Pfad. Der führt durch den lichter werdenden Wald und schon bald sehe ich auch die Tölzer Hütte zum ersten Mal. Das ist für heute mein erstes Ziel. Denn was wären die Bergtouren ohne eine Einkehr auf einer Hütte. Zwei Jungs, die sich an der Gabelung für den rechten Weg entschieden haben kommen nur kurze Zeit nach mir zur Hütte. Ich kann es nicht sicher sagen, aber ich glaube, dass Ihr auf dem linken Pfad die bessere Aussucht habt. Für mich sah es so aus, als ob der rechte Pfad durch eine Art Hochtal nach oben führt.

Ich bin voller Bewunderung für die sagenhaft schöne Landschaft – das Karwendel zählt für mich zu einem der beeindruckendsten Gebirgsstöcken der Alpen – und genieße die Sonne und die frische Luft. An dieser Stelle noch ein paar Infos zum Karwendel. Der Name leitet sich ab vom altdeutschen Familiennamen Gerwentil und galt ursprünglich nur für das Karwendeltal bei Scharnitz. Im Westen ist die Grenze bei Seefeld und dem Isartal, im Norden der Isarwinkel und der Sylvensteinspeicher, im Osten der Achensee und im Süden reicht der Gebirgsstock bis nach Innsbruck. Charakteristisch sind die Felsengipfel aus Kalk, die sich auf bis zu 2.749 m erheben (Birkkarspitze ).

Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel, wie sich neben mir etwas bewegt. Ich muss zugeben, dass ich mich kurz erschrecke. Immerhin gibt es hier in den Bergen ja auch Kreuzottern. Aber heute ist es nur die Kröte, die Ihr oben seht. Ich wundere mich, dass es die hier am Berg gibt, wo doch weit und breit kein Wasser zu finden ist.

Je näher ich der Hütte komme, umso besser wird meine Sicht auf das gegenüberliegende Delpsjoch. Von der Westseite schaut es aus, als ob das ein mit Gras bewachsener Berg wäre, aber auf der Ostseite sieht man dann den dramatischen Abbruch am Gipfel. Dieser bildet zusammen mit dem gegenüberliegenden Grat des Schafreuters eine Mulde, in der Kühe grasen. Und dann bin ich endlich an der Tölzer Hütte.

Die Tölzer Hütte

Die Tölzer Hütte liegt auf 1.835 m und somit habe ich schon 830 Höhenmeter hinter mir, als ich dort ankomme. Klar, dass ich hier eine kurze Rast einlege. Zunächst gibt es erstmal ein alkoholfreies Weißbier. Das gibt wieder frische Energie, schließlich habe ich ja noch einen, wenn auch kurzen Anstieg von ca. 260 m vor mir. Hunger habe ich inzwischen auch und so muss ich mich entscheiden, ob ich lieber Speck-, Käse oder Spinatknödel haben möchte. Ich entscheide mich für die Käsevariation und die sind wirklich köstlich. Natürlich Alles hausgemacht mit Zutaten von lokalen Lieferanten. Sowas nennt man dann nachhaltig. Finde ich sehr gut. Mit meinem Geld unterstütze ich so nicht nur die Hüttenwirte, sondern auch die Landwirte der Gegend und trage so mit einem kleinen Teil zum Erhalt der Traditionen bei.

Bei dieser fantastischen Aussicht fällt es mir schwer mich wieder los zu reißen. Also gönne ich mir noch ein zweites alkoholfreies Weißbier und genieße das tolle Wetter. Irgendwann muss ich dann aber doch los. Ich will ja nicht hier übernachten. Wobei das vielleicht auch mal noch auf meiner Bucket List steht. Direkt hinter der Hütte geht es zunächst ein kurzes Stück über einen sehr felsigen Weg steil nach oben.

Der letzte Anstieg

Das schaut dramatischer aus, als es ist. Mit guten Schuhen ist das kein Problem. Vorausgesetzt es ist trocken. Aber darüber muss ich mir heute keine Sorgen machen. Es ist noch immer kein Wölkchen am Himmel zu sehen. Nur tiefes Blau.

Kurz unterhalb des Gipfels gibt es einen ganzen „Wald“ aus Steinmandln. Ich konnte leider nicht heraus finden, ob es damit eine besondere Bewandnis hat. Normalerweise werden sie als Wegweiser in unwegsamen Gebieten aufgeschichtet. Die Ansammlung, die Ihr hier findet ist wohl von kunstsinnigen Menschen errichtet worden.

Auf alle Fälle sehr interessant anzuschauen. Außerdem sind die Kunstwerke ein schönes Detail auf Fotos mit dem Panorama der Karwendelberge im Hintergrund. Oder nicht?

Nur wenige Minuten später stehe ich dann auf dem Gipfel und habe nun ein atemberaubendes 360° Panorama vor mir. Es duftet nach frischem Kuhdung und so ist es nicht verwunderlich, dass einer der Wanderer, der nach mir ankommt sagt, dass er jetzt weiß warum der Berg Schafreuter heißt.

Gipfelkreuz

Das Gipfelkreuz wurde 2016 von einem Gestörten mit einer Axt so stark beschädigt, dass es abgebaut werden musste. Der gleiche Typ hat mutmaßlich vorher schon 2 andere Gipfelkreuze auf die gleiche Weise beschädigt. Eine Woche später haben junge Burschen, die man einer rechtsextremen Vereinigung zuordnet, ein neues Kreuz aufgestellt. Dieses wurde dann durch ein Kreuz der Sektion Tölz ersetzt, welches aber nach einem Monat wieder komplett zerstört auf dem Gipfel gefunden wurde. Warum bitte macht man so was?

Der Blick auf dem Gipfel schweift über das gesamte Karwendel. Im Norden erblickt man tief im Tal den Sylvensteinspeichersee und das Voralpenland in der Ferne. Traumhaft dieser Wechsel von grünen Bergen und felsigen Gipfeln. Ich bin überwältigt von diesem Anblick. Trotz des nicht so prickelnden Geruchs, verweile ich ein paar Minuten auf dem Gipfel, bevor ich mich an den Abstieg mache.

Die Nordwestseite des Schfareuters ist mit Gras bewachsen und daher sehr einfach zu begehen. Wem also der Weg über den direkten Anstieg von der Tölzer Hütte zu schwierig scheint, der kann unterhalb des Gipfels queren und dann vom Kälbereck auf 1.757 von der Nordseite aufsteigen. Dieser Weg dürfte aber mindestens doppelt so lange brauchen, wie der direkte.

Der Abstieg

Am westlichen Ende des Gipfelgrats fällt mir in der Felswand ein großer goldener Fleck auf. Der leuchtet in der Sonne wirklich wie pures Edelmetall. Das wird es wohl aber nicht sein, sonst wäre da ja schon jemand dort gewesen und hätte das mitgenommen. Noch einmal schweift mein Blick rüber zu den Laliderwänden und dann geht es einmal querfeldein über die Wiese in Richtung Tal.

Als ich mich noch einmal umdrehe um zum Gipfel zu schauen, sehe ich da plötzlich diese weiße Wolke auftauchen. Die war vor 10 Minuten noch nicht zu sehen. Das Wetter in den Bergen kann sich ja recht schnell ändern und dass an einem strahlend blauen Himmel innerhalb von Minuten schwarze Gewitterwolken auftauchen, habe ich schon selbst erlebt. Es tauchen nun immer mehr Wolken am Himmel auf, aber immerhin sind es nur harmlose weiße Wolken, die mal wieder das typische bayrische blau-weiß Klischee fördern.

Der Pfad führt nun durch Latschenwald an einem Felsabsturz entlang. Das sollte aber auch von Leuten mit Höhenangst zu bewältigen sein. An manchen Stellen wird es ein bisschen felsig, aber auch das ist nicht dramatisch.

Nach ca. 45 Minuten erreiche ich die Moosenalm, die in einer kleinen Talmulde zwischen Wiesen und Felsen liegt. Die Alm ist privat, also nicht bewirtschaftet und somit keine Raststation. Schade. Die liegt in einer malerischen Umgebung. Andererseits komme ich ja am Ende meiner Tour zur Oswaldhütte. Dort gibt es dann nochmal was zu trinken.

Kurz hinter der Moosenalm kommt dann eine Abzweigung und der ausgeschilderte Pfad führt zunächst durch sumpfiges Gelände bevor er dann sehr steil und auch sehr schlecht gehbar ins Tal führt. Eigentlich bevorzuge ich solche Pfade, aber der hier wurde irgendwann so anstrengend, dass ich mir wünschte, ich wäre nicht abgebogen. Die ganze Tour war recht einfach zu gehen, aber dieses letzte Stück hat dann mehr Energie gekostet als der ganze Rest der Tour. Daher mein Tipp: Bleibt auf der Forststraße, die als Zufahrt für die Moosenalm genutzt wird. Das dauert vielleicht etwas länger, aber Ihr kommt nicht völlig ausgelaugt an der Oswaldhütte an.

Dann endlich habe ich den ersten Blick auf die Oswaldhütte und somit mein Ziel vor Augen. Kurz bevor ich die Hütte erreiche höre ich dann noch das Plätschern eines Baches. Das ist genau was meine Füße jetzt brauchen. Ein Bad im eiskalten Wasser. Also Schuhe ausziehen und die Wohltat genießen. Das hat sich noch nie so gut angefühlt. Trotz meiner längeren Pausen an der Tölzer Hütte und auf dem Gipfel, bin ich viel zu früh dran und muss noch fast 2 Stunden auf den Bus warten, der mich wieder nach Lenggries bringt. Aber an der Oswaldhütte macht das Warten sogar Spaß. Ich habe ein frisches alkoholfreies Weißbier vor mir stehen und einen genialen Ausblick auf die Berge. Was will man mehr? Und so geht wieder ein toller Tag in den Bergen zu Ende und ich freue mich schon auf meine nächste Tour.

Ich hoffe Euch hat auch dieser Post wieder gefallen und freue mich auf Eure Kommentare.

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