Bodenschneid – Aussichtsgipfel am Tegernsee

Von Rottach-Egern geht es ein paar Kilometer in das Tal Richtung Sutten. An der Mautstelle in Enter-Rottach befindet sich ein Parkplatz, von dem aus es auf den Gipfel eines wunderbaren Panoramagipfels in der Nachbarschaft des Wallberges geht. Unterwegs passiert man die beeindruckenden Rottachfälle und vom Gipfel genießt man einen traumhaften Blick auf den Tegernsee und die umgebenden Berge. Diese Tour ist nicht allzu anstrengend und man kann sie auch bewältigen, wenn man unter Höhenangst leidet. Es gibt keine Stellen, an denen man kraxeln müsste. Dementsprechend sind hier auch etwas mehr Menschen unterwegs.
  • Höhenmeter: 840 m im Auf- und Abstieg
  • Länge: 12 KIlometer
  • Gehzeit: ca. 5 Stunden
Beim Wanderparkplatz Enter-Rottach

Ein wunderbarer Sommertag

Es ist mal wieder einer dieser traumhaft schönen Tage und der Wetterbericht hat auch kein Gewitter gemeldet. Also mache ich mich am frühen Morgen auf Richtung Tegernsee. Da ich sehr früh dran bin und an einem Wochentag unterwegs, komme ich ohne Stau an mein Ziel. Im Ortskern von Rottach-Egern muss ich abbiegen und Richtung Sutten-Skigebiet fahren. Direkt vor der Mautstelle gibt es einen großen Parkplatz, an dem ich mir ein schattiges Plätzchen suche.

Im Moment ist noch recht wenig los, aber es ist ja auch noch früh am Morgen. Dann kann es jetzt ja los gehen. Am Ende des Parklatzes biege ich rechts in den Wald und folge der Ausschilderung Richtung Sutten. Der Weg ist angenehm zu gehen und da er nicht wirklich steigt gut zum Aufwärmen. Es ist doch immer wieder eine Wohltat aus der Stadt raus zu kommen.

Die Rottacher Wasserfälle

Nur kurze Zeit später komme ich zu einer Abzweigung, die mich darauf hinweist, dass es nur noch 10 Minuten zu den Wasserfällen sind. Die liegen zwar nicht direkt auf meinem Weg, aber nach dem Regen der vergangenen Tage, gehe ich davon aus, dass sie viel Wasser führen und daher sehenswert sein könnten. Also nehme ich den kleinen Umweg in Kauf. Dieser Weg bringt mich zunächst wieder zurück zur Mautstraße, die ich überqueren muss.

Und tatsächlich begrüßt mich dann ein lautes Tosen. Eine mit Holzpfählen befestigte Treppe führt mich hinunter in eine kleine Schlucht. Zu meiner Linken rauscht der erste kleinere Fall Richtung Tal. Nach wenigen weiteren Minuten sehe ich dann die Kaskaden des großen Falls. Das ist wirklich ein schöner Ort. So friedlich. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass diese Fälle ein beliebtes Ausflugsziel sind und gehe davon aus, dass später am Tag hier mehr los sein wird.

Der eigentliche Aufstieg

Zurück an der Straße suche ich dann nach dem weiteren Weg. Offensichtlich gibt es zwei Möglichkeiten auf den Gipfel zu kommen. Die erste führt entlang der Mautstraße. Hier herrscht zwar nicht viel Verkehr, aber ich wandere nicht gerne über Teerstraßen. Also entscheide ich mich für den zweiten Weg, der über einen Steig zunächst tiefer in den Wald führt. Hier ist es angenehm kühl.

Gemütlich steigt der Pfad nach oben. Rechts und links davon gibt es so einiges zu sehen. Wie die mit Moos bewachsene Baumwurzel. Es ist doch immer wieder faszinierend zu sehen, wie etwas im Wald abstirbt und dann wieder dafür sorgt, dass neues Leben entstehen kann. Vereinzelt gibt es auch noch Blumen, die in voller Blüte stehen. Diese sind dann von Schmetterlingen und anderen Insekten umkämpft. Von Zeit zu Zeit wird der Wald auch etwas lichter und gewährt Blicke auf die gegenüberliegenden Berge.

So steige ich langsam immer weiter hinauf. Der Wald ist hier sehr dicht und schattig. Die meiste Zeit schlängelt sich der Pfad in Serpentinen am Hang entlang und so merke ich kaum, wie ich an Höhe gewinne. Aber es gibt auch immer wieder mal kurze Abschnitte, an denen es etwas steiler und gerade den Berg hinauf verläuft. Da habe ich schon weitaus schwierigere Strecken gemeistert.

Langsam wird der Wald etwas lichter. Eigentlich hieß es ja, dass heute blauer Himmel zu erwarten sei, aber wenn ich dann mal einen Blick auf ihn habe, sehe ich, dass es doch recht trüb ist. Schade. Bei blauem Himmel muss dieses Panorama doch recht spektakulär sein. An einer Lichtung stolpere ich dann über diese Tollkirsche. Dass etwas, das so schön ausschaut so giftig sein kann.

Die malerische Bodenalm

Als ich dann wenige Minuten später aus dem Wald trete und die Bodenalm vor mir sehe, ist der Himmel doch wieder so typisch bayrisch – blau-weiß. Mehrere Hütten verteilen sich hier am Fuß des Gipfels, der von hier wie ein sanfter Hügel ansteigt. Das ist doch ein wunderbarer Ort für eine kurze Rast. Was mich aber zunächst wundert, ist die Tatsache, dass man hier keine Kühe sieht. Die werden wir später treffen, denn auch die Tiere wollen heute den Gipfel erklimmen.

Bodenalmpanorama

Es ist wirklich schön hier. Und so friedlich. Die Hütten sind sehr gepflegt, daher gehe ich mal davon aus, dass sie noch genutzt werden. Der Blick geht hinüber zum Wallberg, dem Hausberg des Tegernsee. Von dort hat man den besten Blick über den See. Aber auch hier müsste man spätestens am Gipfel einen guten Blick auf den See haben.

Und tatsächlich hat man den Blick sogar schon von hier, wenn man ein bisschen hoch geht und sich dem Wald, der den Gipfel bedeckt nähert. Ich mag die Gegend um den See sehr, wenn sie nur nicht immer so überlaufen wäre. Das Tal der Millionäre zieht halt auch viele Besucher an. Dennoch finde ich es schön zu sehen, dass sich hier trotz der vielen Wohlhabenden Besucher noch viele Traditionen erhalten haben.

Die letzten Meter zum Gipfel

Nach einer etwas längeren Rast geht es dann zum letzten Aufstieg. Der Weg ist nicht so einfach zu finden. Die Markierungen sind hier nicht eindeutig zu sehen. Aber nachdem es nur einen Pfad gibt, der nach oben führt, folge ich diesem. Der Pfad führt am Waldrand entlang. Und genau da sind die Kühe im Moment am grasen. Die wollen eben auch ein bisschen Schatten. Diese Kühe hier sind an Menschen gewohnt und so lassen sie uns auch vorbei.

Viele Blumen sehe ich ja nicht mehr, aber diese Disteln sind recht eindrucksvoll. Offensichtlich beginnt auch schon die Schwammerlsaison. Ich kenn ja nicht viele Pilze, aber den giftigen Fliegenpilz erkenne ich doch noch. Warum schauen die giftigen Pflanzen eigentlich so schön aus? Der Steig zum Gipfel zieht sich dann doch etwas mehr, als ich von der Bodenalm aus vermutet hätte.

Langsam kommt der Gipfel näher. Hinter mir ragt der Wallberg über den Wald. Über mir ragt das Gipfelkreuz in den nun blauen Himmel. Schön, dass die Wolken sich jetzt doch noch verzogen haben. Aber der Weitblick ist etwas diesig und so verschwimmen die Gipfel im Süden im Dunst. Dafür ist der Blick über den Tegernsee von hier wirklich fabelhaft.

Und dann ist es geschafft. Ich stehe auf dem Gipfel des Bodenschneid. Die Aussicht ist genial. Auf der einen Seite reicht der Blick über den Tegernsee. Dahinter der Wallberg und noch ein Stück weiter die Tegernseer Berge. Im Osten taucht der Spitzingsee auf. Und dahinter die Bodenschneidalm. Diese Aussicht wollen auch andere genießen. Obwohl ich beim Aufstieg kaum jemanden getroffen habe, ist es hier oben ganz schön eng. Es sind echt viele Menschen hier

Hinter der Bodenschneidalm ragt die Brecherspitze empor. Die habe ich ja letztes Jahr erklommen. Man kann sogar die Freudenreichkapelle erkennen. Ich finde dann doch noch einen Platz, an dem ich mich ein Weilchen hinsetzen kann und die Aussicht genießen. Trotz der Menschen, die sich hier tummeln, ist es wie immer ein tolles Gefühl auf dem Gipfel zu sein und ins Tal zu blicken.

Zum Bodenschneidhaus

Doch wie jedes Mal muss ich auch heute wieder ins Tal zurück. Zu einer echten Bergwanderung gehört für mich auch der Besuch einer Hütte. Also steige ich über die Ostseite zum Bodenschneidhaus hin ab. Das ist ja nicht mehr weit. Auf dieser Seite zeigt sich der Gipfel schroff und felsig, während er auf der anderen Seite ja eher wie in grüner Hügel aussah. Der Pfad ist hier etwas steiler und führt durch offenes Gelände.

Da hier mehr Sonne hinkommt, gibt es auch wieder mehr Blumen. Wieder einmal sehe ich die faszinierenden Blüten des Ostalpenenzians. Ich finde die Farbe dieser Blüten wunderschön. Aber der blaue ist und bleibt für mich das Original. In langen Serpentinen schlängelt sich der Pfad talwärts. So ist auch diese Strecke nicht allzu anstrengend und die Hütte kommt schnell näher.

Offensichtlich wächst hier auch Gelber Enzian, aber der ist schon wieder verblüht. Irgendwie schaffe ich es einfach nicht, den mal in voller Blüte zu sehen. Und dann komme ich noch an blühendem Rittersporn vorbei. Früher wurde der ja als Arzneipflanze genutzt, ist aber inzwischen weniger in Gebrauch, weil man die Substanzen schnell überdosieren kann und es dann zu Vergiftungen kommt. Wie das halt immer so ist bei Naturheilmitteln.

Und dann stehe ich schon vor dem Bodenschneidhaus. Die Hütte liegt malerisch in einer Mulde unterhalb des Gipfels. Von hier hat man einen tollen Blick auf die Brecherspitze gegenüber und die Berge des Mangfallgebirges. Ein schöner Platz für eine Rast. Normalerweise kann man hier auch übernachten, aber wegen der grassierenden Pandemie ist das derzeit nicht möglich. Damit man die Hütte nicht unbedingt betreten muss, bestellt man sein Essen und die Getränke am Küchenfenster. Hat was.

Das Essen ist sehr lecker und obwohl hier doch einige Menschen rasten, ist genug Platz um Abstand zu halten. Hier kann man es sehr gut aushalten. Die Kühe, die hier grasen, sind recht neugierig und schauen neidisch auf meinen Teller. Hey, Ihr habt hier doch so richtig saftiges Gras, also warum wollt ihr jetzt meinen Wurstsalat? Dennoch muss ich irgendwann aufbrechen. Es ist ja noch ein gutes Stück bis zu meinem Auto.

Der Abstieg – ein Spaziergang

Ab hier führt der Weg über Schotterstraßen. Kurz hinter der Bodenschneidalm folgt die nächste Almhütte. An der Raineralm gibt es keine Bewirtung, aber ein Schild weist darauf hin, dass man hier hausgemachten Käse kaufen kann. Ich überlege kurz, ob ich welchen kaufen soll, entscheide mich dann aber dagegen, da ich den Käse nicht durch die Sommerwärme schleppen will. Kurz hinter der Raineralm, führt der Weg dann wieder in dichten Wald und fällt nun etwas steiler ins Tal ab.

Ich bin etwas verwirrt, weil auf den Wegweisern immer nur Schliersee angeschrieben steht. Da will ich aber heut nicht hin. Ein Blick auf meine Wanderkarte verrät mir aber, dass es irgendwo noch eine Abzweigung zur Kühzaglalm und von dort einen Weg nach Enterrottach geben muss. Also gehe ich weiter durch den schattigen Wald Richtung Tal. Und tatsächlich, kurz bevor ich den Weg erreiche, auf dem ich von der Brecherspitze und der Freudenreichalm abgestiegen bin, kommt die Abzweigung. Auch dieser Weg ist ein breiter Forstweg und so wird der Rest der Tour eher ein Spaziergang.

Kurz oberhalb der Kühzaglalm führt der Weg wieder aus dem Wald und ich blicke auf den Almhof und dahinter den Wallberg. An der Alm sind ein paar Schweine im Freigehege. Die haben hier ein glückliches Leben. Zumindest so lange bis der Schlachter kommt. Aber besser so, als in einem riesigen Maststall. Aus dem Wald zu meiner Linken fließt ein ein Bach über den Hang. Sehr idyllisch ist es hier. Nur wenige Minuten später erreiche ich dann in Erlach an der kleinen Kapelle eine geteerte Straße, die mich zurück nach Enterrottach bringt. Dass ich hier am Waldrand eine Stockrose sehe, verwundert mich ein bisschen. Diese Blumen kenn ich nur aus diversen Gärten.

Von der Straße habe ich dann nochmal einen Blick auf den Gipfel des Bodenschneids, den Wallberg und hinter mir das Tegernseer Tal. Ein perfekter Abschluss für einen traumhaften Tag in den Bergen. Zum Ende wurde ja auch das Wetter noch richtig gut, aber nicht zu heiß. In Enterrottach hätte ich gerne noch etwas getrunken. Aber die einzige Gaststätte, die ich dort gefunden habe, hatte Mittagspause und hätte erst eine halbe Stunde später wieder geöffnet. Seltsame Öffnungszeiten in einem Wandergebiet. Also gehe ich direkt zum Auto und fahre gemütlich zurück nach München.

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