Die Wilde Kreuzspitze ist ein 3.134 m hoher Berg am Ende des Valser Tals in Südtirol nahe der Grenze zu Österreich. Bei der Vorbereitung meiner Reise, war diese Tour die einzige, die ich in Wanderführern beschrieben fand. Mich reizte es, mal auf einem 3.000er zu stehen. Der Aufstieg ist nicht allzu anstrengend, aber so ab ca. 2.500 m Höhe kann es sein, dass euch die dünne Luft etwas zusetzt. Richtig steil wird erst das letzte Stück vom Rauhtaljoch zum Gipfel. Leider konnten wir aber nicht aufsteigen, weil das Wetter umschlug und ein heftiger Wind Schneewolken von Österreich herüber trieb. Neugierig geworden? Dann lest hier weiter.

Fane Alm

Tolle Services für Wanderer

Das Hotel Falkensteiner Hof inkludiert in seine Raten die Almencard Plus, die euch die kostenlose Nutzung diverser Bergbahnen bietet. Es sind aber noch andere Leistungen inkludiert, wie zum Beispiel ein wöchentliches Programm mit geführten Wanderungen. Für meinen dritten Tag in Vals stand eine geführte Wanderung zur Wilden Kreuzspitze an. Da ich diese Tour ja sowieso auf meiner Liste hatte, habe ich mich angemeldet und bin das erste Mal mit einem Bergführer gewandert. Da ich nicht wusste, was mich auf dieser Tour erwartet und ob ich ihr überhaupt gewachsen bin, war es ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass im Falle eines Falles jemand in der Nähe ist.

So stehe ich also morgens Punkt 8 Uhr an der Talstation der Jochtalbahn und frage mich wie ich den Guide erkennen kann. Ein Mann meines Alters steht alleine hier und sieht aus, als ob er auch jemanden suchen würde. Also frage ich ihn, ob er auch zur Wilden Kreuzspitze will. Ja, will er. Aber er ist nicht der Guide. Der kommt wenige Augenblicke später von der Talstation auf den Parkplatz gelaufen. Insgesamt sind wir am Ende 5 Männer, die zusammen auf die Tour gehen. Von der Jochtalbahn fahren wir noch ein Stück taleinwärts zum Parkplatz der Fane Alm. Das letzte Stück des Weges führt über eine sehr schmale Straße in steilen Serpentinen nach oben. Ich bin froh, dass ich nicht fahren muss. 

Die Fane Alm, ein idyllisches Almendorf

Ausgangspunkt für unsere Tour ist die Fane Alm auf 1.735 m. Das Almdorf liegt idyllisch in einem Hochtal. Früher verbrachten die Einwohner von Vals den ganzen Sommer hier oben. Das grüne Tal bot genug Futter für das Vieh und man konnte Heu für den Winter ernten. Außerdem wurde die Milch gleich vor Ort zu Käse und Butter verarbeitet. Das sparte den täglichen Aufstieg und man hatte gleichzeitig die ganze Familie um sich. Abends gab es dann Unterhaltung mit Tanz und Spiel. Am Mittwoch vor dem Almabtrieb hängen sich die Almbauern noch heute Schellen um,  um bei Einbruch der Nacht mit Geläut und Peitschenknallen den Abschied von der Alm zu feiern.

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Fane Alm

Noch heute wird das Dorf als Alm von den Valser Bauern genutzt. In einigen der urigen Hütten gibt es Wirtschaften, die typisch Südtiroler Spezialitäten anbieten. So eine Sehenswürdigkeit bleibt natürlich kein Geheimtipp und so tummeln sich hier im Sommer viele Ausflügler. Gott sein Dank aber nicht so viele wie auf der Engalm im Karwendel. Große Busse können hier nicht hoch fahren.

Als wir hier ankommen pfeift ein heftiger Wind aus nördlicher Richtung und es ist recht frisch. So früh am Morgen liegt das Dorf noch da wie ausgestorben. Aber das macht es noch idyllischer. Hinter der Alm steigt der Weg bergan. Unser Guide meint, dass er versuchen will so gegen 12 Uhr auf dem Gipfel zu sein.

Durch die Schramme

Schnell lassen wir die Fane Alm hinter uns und laufen auf der nächsten Stufe des terrassenförmig abgestuften Tals. Richtung Süden sehen wir in der Ferne die Gipfel der Geislergruppe. Immer wieder ziehen Wolkenfelder über uns weg. So lange es trocken bleibt ist das ja kein Problem. Zur Rechten und zur Linken türmen sich die Gipfel der Pfunderer Berge auf. Das ist ganz schön beeindruckend. Ich finde es ganz angenehm mit einer kleinen Gruppe zu laufen. So wie es ausschaut haben wir in etwa die selbe Kondition und kommen ganz gut vorwärts. Wir laufen entlang einer Forststraße und bis hierher ist die Tour noch problemlos zu gehen.

Nach einer Weile kommen wir zu einer Schlucht, durch die sich ein Bach zwängt. Immer wieder sehen wir vom Weg aus kleine Wasserfälle. Wie nicht anders zu erwarten bläst der Wind hier noch kräftiger und weht mir mein Cap vom Kopf. Nun, Sonnenschutz brauche ich heute nicht unbedingt. Es ist meistens leicht bewölkt. Die hochalpine Landschaft hier oben ist wunderschön. 

Kurz vor Ende der Schlucht ist am Felsen ein Schild angebracht, das an die ehrsame Jungfrau erinnert, die im Alter von 19 Jahren 1926 an dieser Stelle in die Schlucht stürzte und starb. Das arme Mädchen. Der Weg ist heutzutage aber gut ausgebaut und mit einem Geländer gesichert, sodass so etwas nicht so schnell wieder passieren kann.

Bald darauf haben wir die Schlucht hinter uns gelassen und erreichen ein weiteres Tal. Wenn wir nun geradeaus weiter gehen würden, wären wir bald an der Brixener Hütte. Wir biegen aber links ab Richtung Labesebenalm. Der Weg führt im Schatten der Schattseite bergan. Die Steigung hält sich immer noch in Grenzen und ich wundere mich, wie wir bei so gemütlicher Steigung 1.400 Höhenmeter überwinden sollen. Immer noch weht ein kalter Wind, aber inzwischen kommt wenigstens immer wieder mal die Sonne zwischen den Wolken durch.

Die Labesebenalm

Während der Tour erzählen wir uns gegenseitig von unseren früheren Touren. Einer der Männer ist mit einer Spanierin verheiratet und war auch schon mal in den Pyrenäen wandern. Das würde mich ja auch mal interessieren. An der französisch-spanischen Grenze habe ich schon einige Touren entdeckt, die ich noch gehen möchte. Aber jetzt ist erst mal Südtirol dran. Nach einer weiteren halben Stunde erreichen wir dann das nächste Hochtal. Dort sehen wir dann die Labesebenalm. Die ersten 400 Höhenmeter haben wir also schon geschafft.

Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir die Wurmaulspitze, die wie die wilde Kreuzspitze mit Schnee bedeckt ist. Wir hatten bisher noch keinen Schnee, aber das wird bestimmt noch kommen. Immerhin hat es vor zwei Tagen hier oben ja recht heftig geschneit. Wunderschön ist es hier oben. Das muss im Frühsommer noch beeindruckender sein, wenn die Almwiesen blühen. 

An der Alm machen wir eine kurze Rast. Bis jetzt war es eine recht gemütliche Tour. Wir haben aber auch noch etwa 1.000 Höhenmeter vor uns. Bisher war ja bei meinen Touren meistens bei 2.200 m Schluss. Bin gespannt wie ich den Rest der Tour bewältige. Vor allem, wenn dann weiter oben die Luft dünner wird. Aber unser Guide meint, das wird nicht so schlimm werden. Man kommt nur etwas schneller aus der Puste. 

Hinter der Almhütte führt der Weg langsam quer zum Berg aufwärts. Jetzt machen wir schnell Höhenmeter, aber die Steigung hält sich noch immer in Grenzen und ist gut zu bewältigen. Unsere nächste Rast werden wir am Wilden See einlegen. Zu unserer Rechten sehen wir schon den Abfluss des Sees, der sich tief in den Berg gegraben hat. Zu unserer Linken erhebt sich der Gipfel des Kalkgrubenspitz. Dazwischen befindet sich ein Grat, über den wir zum See gehen.

Hier auf 2.430 m kommen wir dann zu den ersten Schneeresten. Auf der Wiese stehen noch vertrocknete Stengel von verblühten Blumen. Der Guide fragt uns, ob wir wissen, was das für Pflanzen sind und ist ganz erstaunt, dass ich die Antwort parat habe. Es sind die Reste des gelben Enzians aus dessen Wurzeln man den berühmten Schnaps macht. Wir fragen uns, warum man auf den meisten Flaschen dieses Schnapses den blauen Enzian sieht, der ja gar nicht in dem Getränk enthalten ist. Vermutlich ist es die wunderschöne blaue Farbe, die den Ausschlag gibt.

Am Wilden See

Und dann haben wir den Grat erreicht, der uns vom Wilden See trennt. Von hier haben wir das erste Mal einen freien Blick auf den Gipfel, den wir erklimmen möchten. Laut unserem Guide ist der See, der größte hochalpine See in den Alpen. Es gibt sogar Fische in dem See und im Sommer zieht es wohl immer wieder auch Angler hierher. Saubereres Wasser werden die Fische wohl kaum finden. Aber ich frage mich, wie die den langen Winter hier oben überstehen. 

Um den See zu umrunden, gibt es zwei Möglichkeiten. Der einfachere Weg führt euch um das Westufer zur Linken. Der andere Weg führt entlang des Ostufers, ist aber wohl mit einem kurzen Abstieg und einem anschließenden steilen Anstieg verbunden. Wir nehmen den linken Weg. Hier kommen wir jetzt immer wieder an kleine Schneefelder, die aufgrund von Verwehungen teilweise ganz schön tief sind. Aber das war uns ja klar, als wir losgegangen sind. Immerhin ist es keine geschlossene Schneedecke, durch die wir stapfen müssen.

Hinter dem See, der auf 2.530 m Höhe liegt, geht es dann über eine Mischung aus Wiese und Geröll etwas steiler nach oben zum Rauchtaljoch. Unser Guide meint noch, dass wir spätestens dort oben feststellen werden, warum das so heißt. Und tatsächlich wächst sich der heftige Wind zu einem Sturm aus, der uns den Aufstieg erschwert. Und dieser Sturm bringt Wolken mit sich und leichten Schneefall. Die Schneeflocken fühlen sich aber an wie Eispfeile und es wird richtig ungemütlich. Der Gipfel der wilden Kreuzspitze verschwindet immer mal wieder in den Wolken.

Sturm und Schnee am Rauhtaljoch

Am Rauhtaljoch angekommen legen wir eine kurze Rast ein und beratschlagen, was wir machen sollen. Von der Zeit liegen wir sehr gut und könnten es schaffen auf den Gipfel zu gelangen. Wenn ich alleine gewesen wäre, hätte ich mich bestimmt auf den Weg gemacht. So kurz vor dem Ziel aufgeben, ist nicht so meins. Ich wollte unbedingt auf diesen Gipfel. Einer der Mitwanderer sagt aber, dass er in dem Fall hier am Joch auf uns warten würde. Der Guide schaut uns der Reihe nach an und überlegt. Am Ende sagt er dann aber doch, dass es ihm zu gefährlich wird weiter zu gehen. Von Norden her kommen immer dichtere Wolken und der Sturm bläst unvermindert weiter. Nun kann ich ja schlecht sagen, geht ihr mal, ich geh alleine weiter. Schade, hat nicht sollen sein. Also schließe ich mich der Mehrheit an und wir machen uns an den Abstieg.

Also geht es nun durch das Geröll abwärts ins Rauhtal. Auf dieser Seite des Jochs wächst nichts mehr. An einer Stelle sehen wir einen Gletscher, der fast komplett von dem Geröll bedeckt ist. Noch immer stürmt es hier sehr heftig und wir müssen gegen den Wind ankämpfen. Nach dem kurzen aber steilen Abstieg geht es nun wieder ebener weiter. Das Hochtal, durch das wir nun laufen, liegt vor uns wie ein Kessel, der von beeindruckenden Felswänden umgeben ist. Traumhaft schön.

Mit jedem Meter, den wir uns vom Gipfel entfernen, wird es sonniger. Hätten wir vielleicht doch den Aufstieg wagen sollen? Beim Blick zurück sehen wir aber, dass die Wilde Kreuzspitze immer wieder in den Wolken verschwindet. Fast so als wäre an der Grenze zu Österreich eine  unsichtbare Mauer, die die Wolken zurück hält. Ich fasse den Beschluss die Tour bei einem späteren Besuch zu wiederholen. Jetzt wo ich weiß, dass ich es schaffen kann.

Auch auf dieser Seite ist der Abstieg nicht wirklich anstrengend. Langsam wird der Schnee weniger und es wird immer sonniger. Auch der heftige Sturm, der am Rauhtaljoch blies, wird ruhiger. Gemütlich wandern wir mit Rückenwind und erreichen bald die Brixener Hütte.

Traumpanorama an der Brixener Hütte 

Die Hütte liegt auf 2.282 m auf einer Anhöhe. Von hier aus habt ihr einen fantastischen Ausblick Richtung Dolomiten. Wir suchen uns einen windgeschützten Platz im Freien und genießen die Sonne. Unser Guide kennt natürlich die Wirtin und so kommen wir ins Gespräch. Wir fragen nach dem ausgestopften Murmeltier und erfahren, dass die im Frühjahr auch mal auf der Terrasse rumtollen und teilweise sogar in die Hütte kommen. Anscheinend haben die hier die Scheu vor den Menschen abgelegt. Der Hunger ist stärker und so werden die Tierchen mutig.  Bevor wir gehen bekommen wir von der Wirtin noch einen selbst gemachten Kräuterschnaps. Den kriegt man nicht zu kaufen. Die Wirtin gibt diesen nur besonderen Gästen. Gut, dass unser Guide so einer ist.

Über eine Almwiese geht es nun bergab. Ein kurzes Stück des Abstiegs ist wieder etwas steiler, aber auf dem gut ausgebauten Forstweg ist das leicht zu bewältigen. Bald schon sind wir an der Pfannalm. Inzwischen ist es durchweg sonnig und es wird auch wieder etwas wärmer. Die Jacke kann ich jetzt öffnen. Ins Schwitzen komme ich aber trotzdem nicht.

Durch das Tal des Valser Baches geht es weiter Richtung Fane Alm, unserem Ausgangspunkt. In der Ferne haben wir nun die Gipfel der Geislergruppe im Blick. Sagt selbst, ist das nicht ein traumhafter Ausblick? Kurz danach erreichen wird den Weg, an dem wir heute morgen zur Labesebenalm abgebogen sind. Ab hier gehen wir wieder auf dem Weg, auf dem wir aufgestiegen sind.

Noch einmal geht es durch die Schramme. Im nachmittäglichen Sonnenlicht schaut die doch schon viel freundlicher aus. Schade, dass wir am Gipfel nicht so ein Wetter hatten. Die Tour hat sich auch so gelohnt. Aber das nächste Mal werde ich versuchen im Frühjahr zu kommen. Ich will die Almwiesen blühen und die Murmeltiere an der Brixener Hütte sehen.

Nach ca. weiteren 30 Minuten sind wir also wieder an der Fane Alm, wo wir heute morgen gestartet sind. Und wieder geht eine traumhafte Bergtour zu Ende. Auch ohne Gipfelkreuz war es wunderschön. 

Im Sommer fährt übrigens ein Shuttle von der Kurzkofelhütte zur Fane Alm. Privatfahrzeuge haben dann keine Zufahrtserlaubnis. Wenn ihr euch die Fahrt über die wirklich enge und steile Straße zur Fane Alm sparen wollt, könnt ihr ab der Kurzkofelhütte auch über den Milchsteig zur Fane Alm gehen. Das bringt euch aber etwas über 300 Höhenmeter mehr. 

Ich hoffe euch hat auch dieser Post wieder gefallen und bin schon gespannt auf eure Kommentare.

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