Rund um das Valser Tal gibt es einige Gipfel, die alle ein traumhaftes Panorama über die Dolomiten im Süden und die Zillertaler Alpen im Norden bieten. Nachdem es mit der Wilden Kreuzspitze nicht geklappt hat, habe ich am Tag darauf die Seefeldspitze in Angriff genommen. Die Tour startet auch am Parkplatz der Fanealm. Wer es eilig hat nimmt die Abkürzung und geht steil über einen Pfad direkt nach oben. Weniger anstrengend ist es, wenn ihr bis zur Tschirnaunalm dem Schotterweg folgt. Ab der Tschiraunalm ist die Beschilderung nur noch sporadisch vorhanden, aber man kann sich im offenen Gelände gut orientieren und findet den Weg auch ohne Wegweiser. Neugierig geworden? Dann lest hier weiter.

Tag 4 meines Aufenthalts in Vals und das Wetter ist wieder traumhaft. Also nix wie raus und auf zur nächsten Tour. Ich überlege kurz, ob ich noch einmal zur Wilden Kreuzspitze soll, entscheide mich dann aber für eine andere Tour. Ausgangspunkt ist wieder der Parkplatz der Fanealm. Heute komme ich nicht drum herum und muss das Sträßchen zum Parkplatz fahren. Auf der kurzen steilen Strecke, hoffe ich, dass mir niemand entgegen kommt. Das wäre der GAU für mich. Ich habe Glück und es kommt wirklich niemand. Nachdem diese erste Herausforderung geschafft ist, kann es direkt los gehen.

Auch heute morgen ist es wieder sehr frisch und ich bin froh, dass ich eine wärmende Jacke bei mir habe. Durch den schattigen Wald führt der Pfad steil nach oben. Aufgrund der Kälte am Morgen dauert es eine Weile bis meine Muskeln in Betriebstemperatur kommen. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass ich mich so früh auf den Weg gemacht habe, aber auch heute bin ich alleine unterwegs. Kein Mensch weit und breit.

Nach ca. 30 Minuten erreiche ich einen Forstweg, der meinen Pfad kreuzt. Ich könnte geradeaus weiter steil den Berg ansteigen, entschließe mich aber den etwas längeren Weg entlang der Forststraße zu laufen. Das hat den Vorteil, dass es auf diesem Weg etwas sonniger und wärmer ist und außerdem ist die Steigung hier sehr viel gemächlicher. Schließlich hab ich ja mal wieder ca. 1.000 Höhenmeter zu überwinden und möchte meine Kräfte ein bisschen schonen.

Der Weg ist sehr angenehm zu gehen und von Zeit zu Zeit komme ich immer wieder an Lichtungen vorbei, die mir sehr schöne Panoramablicke erlauben. Die Sonne, der blaue Himmel und die beeindruckende Bergwelt: ein Traum. Ich habe mir wirklich eine tolle Gegend für meinen Urlaub ausgesucht. Ich folge dem Weg in gemütlichem Tempo und stehe kurz darauf vor diesem Wasserfall. Eigentlich besteht der ja aus zwei Fällen, aber der rechte Teil ist nicht so spektakulär. Dafür ist der linke Arm gut mit Wasser gefüllt.

Ein kurzes Stück hinter dem Wasserfall komme ich wieder an eine Kreuzung. Laut meiner Karte macht der Forstweg hier eine lange Kehre und da ich nicht weiß, wie lange ich dafür brauchen würde, beschließe ich die Strecke etwas abzukürzen und dem steilen Waldpfad, der hier abzweigt zu folgen. Dieser Pfad führt wieder durch dichten Wald und führt mich zu einer verfallenen Hütte, an der er sich dann im hohen Gras zunächst verliert. Die Lichtung um die Hütte hat etwas Verwunschenes. Während ich also nach dem Pfad suche, höre ich auf einmal ein Gebrüll, das sich wie ein Bellen anhört. Plötzlich springt nicht weit von mir eine Hirschkuh aus dem Gebüsch und spurtet den Berg hoch. Das Tier hat mich ganz schön erschreckt. Aber immerhin hat mir diese Hirschkuh den Weg gezeigt, denn sie ist auf dem Wanderpfad geflohen.

Das wütende Gebrüll der Hirschkuh verfolgt mich noch ein Weilchen. Ist fast etwas unheimlich so alleine im Wald, aber die frische, würzige Luft tut gut. Langsam erklimme ich den steilen Hang vor mir. Schon bald erreiche ich dann wieder den Forstweg, dem ich vorhin schon einmal ein Stück weit gefolgt bin. Hier hört auch der Wald auf. Ich habe die Baumgrenze erreicht.  Vor mir liegt nun eine Almwiese, die von felsigen Gipfeln umgeben ist.

Nur 5 Minuten später stehe ich dann vor der Stinalm. Laut meiner  Karte gibt es hier wieder zwei Möglichkeiten zur Seefeldspitze weiter zu gehen. Der eine Weg würde rechts an der Alm vorbei zum Fensterlekofel und dann zum Großen Seefeldsee führen. Ich entscheide mich aber für den ausgeschilderten Weg, der mich zunächst zur Tschiffernaunalm führt. Als ich am Parkplatz der Fanealm los gegangen bin, habe ich gesehen, dass die bewirtet sein soll. Eine kleine Erfrischung wäre jetzt genau richtig.

Während auf der Stinalm noch Rinder grasen, muss ich dann aber feststellen, dass die Tschiffernaunalm wohl schon in die Winterpause ist. Hier ist alles verriegelt. Schade. Ich hätte mich jetzt auf eine Stärkung gefreut. Immerhin steht vor der Hütte eine Bank. Ich setze mich hin und mache zumindest eine kurz Rast. Die Hütte liegt auf 2.216 m, das heißt, dass ich noch 500 Höhenmeter zu überwinden habe. Die Hälfte des Aufstiegs ist somit geschafft.  Die Aussicht von hier ist fantastisch.

Von der Tschiffernaunalm geht es entlang eines ausgetrockneten Bachbetts über die Almwiese steil bergauf. Einen Wegweiser gibt es hier nicht mehr, aber die Richtung ist ja ziemlich eindeutig. An der Almhütte habe ich zwei junge Frauen getroffen, die auch zur Seefeldspitze wollen. Gemeinsam suchen wir nun nach dem Pfad über die Wiese. Es gibt zwei Einschnitte in den Bergen am Ende des Talkessels. Wir vermuten, dass wir über beide zum Gipfel kommen, entscheiden uns aber für die weiter rechts liegende.

Das Gelände wird nun felsiger und der Weg führt über Geröll. Das ist aber griffig und ich kann den weiteren Aufstieg gut bewältigen. Der Pfad ist immer schwieriger zu finden und so gehe ich einfach querfeldein weiter. Vom Gipfel her kommen uns zwei Männer entgegen. Die erzählen uns, dass das kurze, steile Stück bald überwunden ist und es danach wieder auf einer Wiese weiter geht. Na dann! Auf geht’s!

Der Anstieg durch das Geröll ist etwas anstrengend, aber nach etwa 20 Minuten ist auch das geschafft und ich habe nun einen Blick auf die Berge im Osten der Seefeldspitze. Auf dieser Seite gibt es kaum noch Geröll. Dafür reicht die Almwiese hier bis zum Gipfel. Im Hotel hat man mir gesagt, dass der Anstieg durch das Altfaßtal angenehmer ist. Allerdings auch nicht ganz so abwechslungsreich.

Also einmal tief durchatmen, die herrliche Bergluft einsaugen und kurz die Aussicht genießen. Ich habe das Ziel ja nun vor Augen. Der Pfad über die Wiese ist gut zu gehen. Auf dem letzten Stück zum Gipfel wird es noch einmal etwa steiler und der Pfad schlängelt sich am steilen Abhang entlang. Für jemanden mit Höhenangst könnte das problematisch werden. In der klaren Herbstluft wird der Blick nun immer spektakulärer.

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Seefeldspitze

Und dann ist es geschafft. Ich stehe auf dem 2.715 m hohen Gipfel der Seefeldspitze. Was für ein Ausblick! Den muss ich erst mal eine Weile genießen und packe meine Brotzeit aus. Die Sonne strahlt von einem tiefblauen Himmel. Jedes Mal wenn ich auf einem Gipfel stehe, ergreift mich eine Mischung aus Stolz auf meine Leistung und tiefer Bewunderung für die Schönheit der Natur. Und wieder einmal denke ich, dass es jede Anstrengung wert ist. Nachdem ich das Alles eine Weile lang genossen habe, mache ich mich an den Abstieg. Normalerweise versuche ich ja immer auf einem anderen Weg abzusteigen, aber da ich zu meinem Auto muss, geht das heute nicht wirklich.

Vom Gipfel gibt es einen zweiten Weg Richtung Tschiffernaunalm. Den will ich nun gehen, um zu wissen, welcher Weg der angenehmere ist. Auf dem Weg zur Steinbergscharte gibt es zwar kein Geröll, aber dafür führt dieser über einen sehr schmalen Grat. Hier ist Trittsicherheit unabdingbar und unter Höhenangst solltet ihr auch nicht leiden. Hoch konzentriert und vorsichtig arbeite ich mich in Richtung der Steinbergscharte.

Auf der anderen Seite liebe ich genau solche Herausforderungen auf meinen Touren. Sonst könnte ich ja auch im Tal einen gemütlichen Spaziergang machen. Aber ich gebe zu, dass ich diesen Grat bei Regen nicht gehen würde. An Stellen, wo es möglich ist, bleibe ich kurz stehen und genieße die herrliche Aussicht. Vor mir habe ich den beeindruckenden Gipfel des Ribigenspitz im Blickfeld. Die beiden Frauen, die ich an der Tschiffernaunalm getroffen habe, haben sich mir angeschlossen und gehen den gleichen Weg. Eine der beiden hat wohl ein bisschen Höhenangst und geht nur sehr langsam weiter.

Nach einer Weile erreiche ich dann die Steinbergscharte. Von hier geht es steil über eine Almwiese und ohne erkennbaren Pfad zurück zur Tschiffernaunalm. Noch einmal genieße ich den Ausblick in das Tal, das komischerweise Stoanlaberg heißt und Richtung österreichische Grenze führt. Da es keinen Pfad gibt, gehe ich hier wieder querfeldein. Markierungen kann ich hier auch nicht entdecken. Wie soll man in solchem Gelände auch Markierungen setzen. Ich nehme an, dass hier im Winter viel Schnee liegt und man die Schilder jedes Frühjahr neu aufstellen müsste.

Kurze Zeit später stehe ich wieder an der Tschiffernaunalm. Vor mir liegt wieder das Valser Tal. Bevor ich dann gleich wieder im Wald weiter gehe, setze ich mich noch ein bisschen in die Sonne. Das tut gut. Da ich aber noch ein gutes Stück vor mir habe, mache ich mich kurze Zeit später wieder auf den Weg.

Ich gehe nun wieder auf dem Forstweg, der die Zufahrt zu den Almen bildet. Hinter der Stinalm leuchten die Almrosen mit ihrem roten Herbstlaub in der Nachmittagssonne. Wie schön muss das sein,wenn die im Frühsommer blühen? An einer Biegung sehe ich einen Wegweiser zur Fanealm. Da ich dort in einer der Hütten noch etwas trinken möchte, bieg ich hier ab und laufe über einen Pfad, der noch ein Stück über die Almwiese führt. Die Strapazen des Aufstiegs sind schon wieder vergessen.

An ein paar weiteren Stellen sehe ich Almrosen mit rotem Herbstlaub. Im Gelände verstreut sind die Hütten der unteren Stinalm. Das sind willkommene Fotomotive. Jetzt am Nachmittag ist es auch angenehm warm in der Sonne. Perfektes Wanderwetter. Die hektische Großstadt ist hier so weit weg. So kann ich mich wirklich gut erholen und Kraft tanken für den langen grauen Winter, der wohl bald kommen wird.

Bevor ich dann endgültig in den Wald eintauche, habe ich an der unteren Stinalm noch einmal einen tollen Blick ins Valser Tal. Die Gegend gefällt mir wirklich sehr gut, und ich kann mir gut vorstellen hier wieder her zu kommen. Ich muss ja noch auf die Wilde Kreuzspitze. Meinen ersten 3.000-er will ich schon noch machen.

So erreiche ich dann bald die Fanealm. Kurz bevor ich dort ankomme sehe ich in der Ferne noch einmal die zwei Frauen, die mich am Gipfel begleitet haben. Wir winken uns zu. In einer urigen Hütte an der Fanealm setze ich mich in die Sonne und gönne mir eine Erfrischung. Das Leben kann so schön sein und es braucht auch nicht wirklich viel um mich glücklich zu machen.

Da es noch nicht allzu spät ist, beschließe ich ins Hotel zu fahren und noch ein Stündchen im Wellnesscenter zu verbringen. Auch bei der Abfahrt habe ich Glück und es kommt mir auf der engen Straße niemand entgegen. So geht mein vorletzter Tag hier zu Ende. Un ich hatte das Glück noch eine weitere traumhafte Tour gehen zu können.

Ich hoffe Euch hat auch dieser Beitrag wieder gefallen und freue mich schon auf Euer Feedback.

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