Für meinen letzten Urlaubstag in Südtirol habe ich mir eine etwas leichtere  Tour ausgesucht. Nach zwei Tagen mit vielen Höhenmetern wollte ich es gemütlicher angehen. Der Guide, mit dem wir zur Wilden Kreuzspitze wollten, erzählte uns von der Rodenecker Alm. Dort soll es einen schönen Panoramaweg geben. Vom Parkplatz Zumis auf 1725 m geht es ohne große Steigung über die Rodenecker Alm und  ihr genießt traumhafte Aussichten auf die Zillertaler Alpen im Norden und die Dolomiten im Süden. Diese Genusstour empfiehlt sich für alle, die nicht viele Höhenmeter bewältigen wollen, aber dennoch ein außergewöhnliches Naturerlebnis suchen.

Die Anfahrt

Nach dem Frühstück frage ich sicherheitshalber noch mal an der Rezeption, ob sie die Tour über die Rodenecker Alm empfehlen können. Nachdem man mir versichert hat, dass das eine wirklich traumhafte Tour ist, steige ich in mein Auto und fahre zunächst ins Tal nach Mühlbach. Von dort führt die Straße auf der anderen Talseite wieder nach oben. Im Ortsteil St. Pauls muss ich dann links abbiegen zum Parkplatz Zumis. Über Nauders geht es zum Ahnerberg, wo die Straße im Wald verschwindet. Die Strecke zieht sich ganz schön und ich befürchte, dass ich schon am Parkplatz vorbei gefahren bin. Das kann aber eigentlich nicht sein, da die Straße laut meiner Karte dort endet. Dann erreiche ich endlich den Parkplatz und eine Hütte. Das Parken ist gebührenpflichtig, aber ich finde, dass das ok ist, da es ja immer wieder Instandhaltungsarbeiten gibt.

Die Rodenecker Alm ist angeblich eines der größten Hochplateaus in Europa und es gibt hier viele Wanderwege. Nachdem ich das Panorama am Parkplatz bewundert habe, kann es auch schon los gehen. Über eine Forststraße geht es in den Wald.

Der Confinweg

Wenige Minuten später kommt eine Abzweigung, die zum Confinweg führt. Dieser Weg wurde angelegt, damit man nicht auf der Zufahrtsstraße für die Almen gehen muss. Um ihn interessant zu gestalten wurden entlang des Pfades Kunstwerke auf gestellt, die die 7 Tage der Schöpfung zum Thema haben. Am ersten Tag schuf Gott Himmel und Erde und sprach: Es werde Licht. Das ist sehr gut dargestellt mit einer Röhre, die am Ende lichtdurchlässig wird. Am zweiten Tag wurde der Himmel mit den Sternen geschaffen.  Zwischen den Stationen geht es durch einen Zirbenwald.

Am dritten Tag schuf Gott die Kontinente und Meere. Auch diese Skulptur finde ich sehr gelungen. Kurz darauf erreiche ich die erste Almhütte, mitten im Zirbenwald. Diese Kiefernart wächst nur auf einer Höhe zwischen 1300 und 2800 Metern. Aus dem Holz werden Möbel gemacht, aber auch Schnaps. Der Duft der ätherischen Öle des Baums sorgt für einen gesunden Schlaf und stärkt das Immunsystem. Ein echter Wunderbaum also.

Nach dem nun Land und Meer geschaffen sind, führt der Pfad in offenes Gelände. Ich habe mal wieder Glück und die Sonne strahlt bei angenehmen Temperaturen von einem tiefblauen Himmel. Ich finde es toll, dass sich die Alpengemeinden immer wieder etwas einfallen lassen, um die Wanderwege noch attraktiver zu gestalten. Auch wenn die Natur alleine schon ein echtes Erlebnis ist.

Die Rodenecker Alm

Hier im offenen Gelände habe ich dann auch wieder traumhafte Ausblicke. Zunächst nur Richtung Süden. Der Blick nach Norden zu meiner Linken wird im Moment noch von einem Hügel und Wald versperrt. Die Weite dieser Almen beeindruckt mich. Das Plateau erstreckt sich vor mir. So völlig anders wie im Valser Tal, das ja von hohen Bergen umgeben ist.

Vor mir liegt die nächste Skulptur in der Sonne. Am 4. Tag schuf Gott die Sterne. Auch diese Skulptur finde ich sehr gelungen. Die Felsbrocken und das rostige Metall fügen sich perfekt in die Umgebung ein. Der Weg geht nun fast eben weiter durch die Almwiesen. Ab hier muss man dann wieder an der Forststraße entlang laufen. Aber jetzt in der Nachsaison ist auf der Alm auch nicht mehr so viel los. Ein Großteil der Tiere ist ja schon im Tal oder auf tiefer gelegenen Almen.

Die Ronerhütte: Eine Station für Mounatinbiker

Nur ein paar Minuten später komme ich an der Ronerhütte vorbei. Diese Hütte liegt am Fernwanderweg München – Venedig und gleichzeitig an der Mountainbikestrecke von München an den Gardasee. Die Rodenecker Alm ist nicht nur Wandergebiet, sondern auch für Mountainbiker gut geeignet. Da ich aber erst 30 Minuten bis hierher gebraucht habe, gehe ich an der Hütte vorbei. Auch wenn sie sehr einladend aussieht. Vielleicht auf dem Rückweg. Hinter der Hütte folgt eine kurze Steigung. Über den Weg ragt die Figur des Vogels, da Gott ja am 5. Tag die Meerestiere und Vögel geschaffen hat.

Am Ende der Steigung steht die Skulptur für Tag 6, an dem Gott die restlichen Tiere und zum krönenden Abschluss den Menschen geschaffen hat. Somit ist die Schöpfung abgeschlossen und Gott war sehr zufrieden mit dem, was er da gemacht hat. Auch wenn ihm manche Menschen missraten sind, ist es doch immer wieder beeindruckend zu sehen, was Gott uns so geschenkt hat.

Der Weg wird wieder eben und ich führt über die sonnige Alm. Es ist so schön hier.

Kapelle mit prominentem Schutzherren

Nach so viel Anstrengung hat sich Gott einen Ruhetag verdient. In aller Ruhe betrachtet er sein Werk und ist sehr zufrieden. An der Kapelle am Pianer Kreuz endet der Confinweg. Der Grundstein der Kapelle wurde von Kardinal Joseph Ratzinger geweiht. Als Papst Benedikt XVI. kam er zurück und segnete die Kapelle zumindest vom Hubschrauber aus. Eine nette Idee, finde ich.

Nach der Kapelle steigt der Weg noch ein Stück langsam an, bevor es dann auf ebenem Terrain weiter geht. Die Sicht auf die Dolomiten im Süden wird immer spektakulärer. Auf einer der Almen grasen dann doch noch ein paar Kühe. Im Moment liegen sie eher faul im Gras und genießen die Sonne. Auf dem Plateau komme ich immer wieder an Almhütten vorbei. Das sind willkommene Ergänzungen meiner Fotomotive. Ist es nicht traumhaft schön hier?

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Blick nach Süden

Leichte Wanderung mit Traumpanorama

Gerade als ich mein Foto von der Hütte oben rechts geschossen habe, kommt ein alter Mann, wahrscheinlich der Almbauer hinter der Hütte hervor. Er schaut mich aber nur an und sagt nichts. Ich gehe mal davon aus, dass es immer wieder Wanderer gibt, die sein Grundstück betreten, was ihm nicht so zu gefallen scheint. Dafür scheint sich diese Kuh über meinen Besuch zu freuen. Das ist das erste Mal, dass ich einen Weidezaun sehe, der gedrechselt wurde.  Gefällt mir.

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Rodenecker Alm

Immer wieder muss ich kurz anhalten und dieses Wahnsinns-Panorama bewundern. Vor mir geht eine größere Gruppe, die ich wohl bald einholen werde. Überhaupt sind hier recht viele Menschen unterwegs. Die Tour ist eben für jeden geeignet und diese Aussicht gefällt ja nicht nur mir. Ist ja genug Platz für alle da.

Kurz hinter der Abzweigung zur Lüsner Alm, die zum Gebiet der Rodenecker Almen gehört, sehe ich dann zum ersten Mal den Gipfel des Astjochs, auf den ich heute gehen möchte. Ich komme nun immer näher an die Gruppe vor mir. Was mach mich an diesen Menschen stört, ist die Tatsache, dass sie sich ständig in mein Blickfeld stellen, wenn ich ein Foto schießen will. Hilft nur noch etwas schneller gehen und die Leute hinter mir lassen.

Rodenecker Alm

Rodenecker Alm

Die nächste Abzweigung würde links zur Rastnerhütte führen. Die hat auch geöffnet. Das wird mein Rastplatz auf dem Rückweg. Und von hier habe ich jetzt auch einen Panoramablick Richtung Norden auf die Zillertaler Alpen. Ich bin wirklich begeistert von dieser Tour. War gut auf den Tipp des Bergführers zu hören. Die Höhenmeter, die ich sonst sehr gerne runterreiße, fehlen mir heute gar nicht.

Eine sehr moderne Hütte mitten am Berg

Noch einmal folgt eine kurze, flache Steigung. Am Ende dieser Steigung steht eine weitere Hütte. Die Pluna Hütte auf dem Starkenfeld. Ein moderner Bau, der zwar mit viel Holz und Glas errichtet wurde, aber ich bin mir nicht sicher, ob ich sie schön finden soll. Offensichtlich ist sie noch nicht komplett fertig gestellt, denn das Restaurant im Erdgeschoss ist geschlossen. Auf einer Schautafel sehe ich, dass man hier auch Zimmer buchen kann. Das wiederum wäre eine Idee. Mit so einer Aussicht aufzuwachen muss Klasse sein. Etwas weiter hinten gibt es eine Schaukäserei. Bei der bin ich mir aber nicht sicher, ob sie nur wegen dem Ende der Saison geschlossen hat oder nicht mehr betrieben wird.

Der letzte Aufstieg

Wenige Minuten nach der Starkenfeldhütte komme ich dann an ein kleines Hochmoor. Von hier bietet sich nun ein toller Blick nach Norden auf die Zillertaler Alpen. Vor mir liegt nun der Gipfel des Astjochs. Nur noch 270 Höhenmeter trennen mich vom Gipfel. Am Hang wächst ein lichter Zirbenwald und dazwischen wachsen wieder viele Almrosen, deren Herbstlaub rot in der Sonne leuchtet.

Der letzte Anstieg zum Gipfel ist nicht sehr anstrengend. In Serpentinen windet sich der Pfad durch den Wald nach oben. Zwischendurch geht es immer wieder etwas flacher durch kleine Mulden. Etwa auf halber Strecke habe ich dann diesen genialen Blick Richtung Norden in die Zillertaler Alpen. Ein Traum!

Mit jedem weiteren Schritt aufwärts erweitert sich das Panorama. Und überall das rote Laub der Alpenrosen. Inzwischen gibt es nur noch vereinzelt ein paar Bäume zwischen den kleinen Büschen. Der Himmel strahlt in tiefstem Blau und um mich herum dieses einzigartige Bergpanorama. Spätestens jetzt bin ich froh, dass ich mich heute für diese Tour entschieden habe.

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Astjoch

Kurze Zeit später stehe ich dann auf dem Gipfel und bin erstaunt, dass ich hier auf 2.194 m so eine Aussicht habe. Die Gipfel um mich herum sind alle viel höher, aber da das Astjoch ein bisschen isoliert zwischen breiten Tälern liegt, genügt diese Höhe schon. Unter mir liegt das Pustertal, dahinter die Zillertaler Alpen. Um das Gipfelkreuz liegen Steinplatten, auf denen die Namen der Berge eingraviert sind, die ich von hier aus sehe.

Richtung Norden blicke ich auf den Großen Löffler und ich denke mir, dass ich den alleine aufgrund seines Namens mal besteigen sollte. Inzwischen habe ich aber gelesen, dass man dazu wohl einen Gletscher überqueren muss. Für die Tour sollte ich mich dann wirklich einer Gruppe anschließen. Aber der kleine Löffler auf dem Großen Löffler… Das hätte was.

Abstieg mit Blick auf die Dolomiten

Nach Süden blicke ich auf die Gablergruppe, besser bekannt als Furchetta. Den Löffel im Norden, die Gabel im Süden, fehlt nur eine Messerspitze. Auf dem Gipfel sind ganz schön viele Menschen unterwegs. Auch die Gruppe, die ich vorhin überholt habe, ist inzwischen eingetroffen. Ich gönne mir ein paar Minuten in der Sonne und packe meine Jause aus. Danach schau ich nochmal auf meiner Karte, ob es vielleicht einen anderen Weg zurück gibt. Tatsächlich finde ich auch einen, der mich über die Bacheralm zurück bringt.

Der Pfad führt ziemlich gerade über den Südhang des Gipfels. Somit habe ich noch eine ganze Weile einen Blick auf die Dolomiten vor mir. Diese Tour kann ich euch nur empfehlen. Das ist eine meiner schönsten Touren, die ich bis jetzt gegangen bin. Ich würde die gerne nochmal machen, wenn die Alpenrosen blühen. Das muss dann wirklich ein Almrausch sein.

Auf diesem Weg treffe ich nur noch wenige Menschen. Offensichtlich gehen die meisten auf dem selben Weg zurück, wie sie aufgestiegen sind. Die wissen nicht was ihnen entgeht. Hier am Südhang wachsen wieder vermehrt Lärchen, die aber noch grün sind. Scheinbar dauert es hier etwas länger, bis die Herbstfärbung kommt.

Kurz darauf stehe ich dann schon an der Bacheralm. Die Hütten hier sind im unteren Teil gemauert und darüber wurde dann mit Holz gebaut. Ich schätze mal, dass die Erbauer mehr Geld hatten und sich festere Häuser leisten konnten.

Am Wegrand sehe ich dann sogar noch Blumen, die so spät im Jahr noch blühen. An der Bacheralm soll es laut meiner Karte eine Abzweigung geben, die mich über Plasell zur Lüsner Alm bringt. Allerdings kann ich diese Abzweigung nicht finden und gehe dann doch wieder zurück zu dem Weg, auf dem ich gekommen bin.

Der Kreis schließt sich an dem kleinen Moor, von dem aus ich den Anstieg zum Astjoch gemacht habe. Das gute daran ist, dass ich so noch an den Hütten vom Hinweg vorbei komme und hoffe, dass eine davon geöffnet hat. So langsam habe ich nämlich ordentlich Durst. Und eine Bergtour ist für mich nicht komplett, wenn ich dabei nicht in einer Hütte einkehren kann.

Die Rastnerhütte, urig und groß

Die Starkenfeldhütte hat immer noch zu. Ich hatte gehofft, dass die vielleicht am Nachmittag doch noch öffnet. Es kommen ja noch zwei weitere. Und zumindest von einer weiß ich, dass sie geöffnet hat. An der nächsten Abzweigung geht es zur Rastnerhütte. An dem Hinweisschild steht auch, dass heute geöffnet ist. Nix wie hin. Auf dem Weg sehe ich dann noch das Marterl links oben. Schönes Fotomotiv mit den Bergen im Hintergrund.

An dieser Hütte ist ganz schön was los. Da es neben der Ronerhütte die einzige ist, die offen ist, kein Wunder. Es gibt aber genügend Platz und ich finde schnell meinen Platz in der Sonne. Richtigen Hunger habe ich ja nicht, aber ich kann ja wohl kaum aus Südtirol wegfahren ohne einmal eine Speckjause gegessen zu haben. Das Essen in meinem Hotel ist zwar sehr gut, aber mit fehlen dort die Südtiroler Spezialitäten.

Das ist genau das, was ich jetzt brauche. Ein alkoholfreies Weißbier und diesen leckeren Speck. Dazu gibt es noch ein Schüttelbrot. Was will man mehr. Ich liege gut in der Zeit und so kann ich etwas länger an der Hütte bleiben und die Sonne genießen.

Abschied von der Panoramaalm

Irgendwann wird es dann aber doch Zeit und ich mache mich auf den Rückweg zum Auto. Unterwegs treffe ich noch auf ein nettes Ehepaar aus der Nürnberger Gegend, das ich schon am Gipfel gesehen habe. Wir kommen ins Gespräch und so wird der Weg zurück zum Parkplatz sehr kurzweilig.

Ein letzter Blick Richtung Dolomiten und schon bin ich wieder am Confinweg. Jetzt ist es nicht mehr weit zum Parkplatz Zumis. Und wieder geht ein Traumtag in den Bergen zu Ende. Schade, dass ich morgen schon wieder nach Hause fahren muss.

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