Eine nicht allzu anstrengende Bergtour, die allerdings Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordert. Belohnt werdet Ihr mit traumhaften Aussichten und mit etwas Glück trefft Ihr sogar auf Steinböcke. Und denkt dran Euch Kraft für den Abstieg zu sparen. Der ist zwar eigentlich eher sanft abfallend, zieht sich aber auch ganz schön in die Länge.

Ich hatte mal wieder ein paar Tage frei und es waren ausnahmsweise mal keine Unwetter angekündigt. Also nichts wie ab in die Berge. In einem meiner Wanderführer hatte ich schon letztes Jahr eine Tour entdeckt, die ich unbedingt mal gehen wollte. Da Start- und Zielpunkt, dieser Tour aber nicht gleich waren, habe ich auf das Auto für die Anfahrt verzichtet und bin mit der Bahn nach Lenggries gefahren. Ist ja auch viel umweltfreundlicher.

Haus mit Lüftlmalerei im Zentrum von Lenggries

Tourist-Information in Lenggries

Lenggries, das Tor zu vielen Outdoorunternehmungen

Ich hatte meinen Entschluss sehr kurzfristig gefasst und so wollte ich mich bevor ich auf den Berg fahre, noch mit Proviant versorgen. Also beschloss ich zur Talstation der Bergbahn zu laufen und auf dem Weg in einem Supermarkt einzukaufen. Im Ort selbst fand ich dann aber nur Bäcker und Metzger. So gab’s zumindest schon mal eine Breze.

Was ich bei meinem Spaziergang durch das Zentrum von Lenggries sah, hat mich nicht wirklich in Begeisertungsstürme ausbrechen lassen. Ein richtiges Zentrum ist das nicht und besonders viel schöne oder typisch bayrische Häuser hab ich auch nicht gesehen.

Also gehe ich zur Talstation statt mit dem Bus zu fahren. Das verlängert die Tour um ca. 30 Minuten, aber ist ein netter Spaziergang zum Aufwärmen. Und einen Supermarkt finde ich dann auch noch und kann mich mit Wasser und Obst eindecken,

Und dann stehe ich endlich an der Talstation der Brauneck-Bergbahn. Nachdem ich heute ja noch eine größere Strecke vor mir habe, gönne ich mir heute eine Fahrt auf den Berg. Langsam werden die Häuser kleiner und die Aussicht immer schöner.

 

Vom Brauneck zum Latschenkopf

Auf dem Gipfel angekommen, genieße ich kurz die Aussicht und orientiere mich. Ganz auf den Gipfel des Braunecks muss ich heute nicht, den kenne ich ja schon.  Gleich unterhalb des Gipfels sehe ich dann auch den ersten Wegweiser zu meinem eigentlich Etappenziel, der Benediktenwand. Also noch einmal tief Luft holen, die frische Bergluft einsaugen und auf geht’s!

Der Weg ist fast eben und führt durch blühende Bergwiesen. So komme ich gut voran.

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Der Himmel zeigt sich heute bedeckt und es ist nicht allzu heiß. Das richtige Wetter zum Wandern also. Leider nicht das beste Wetter für Fotos. Wenn man aber mit dem LIcht etwas spielt, kann das auch ganz interessante Bilder geben. Der Beweis kommt später in diesem Post. Irgendwann wird der Weg immer schmaler und rechts und links geht es ziemlich steil nach unten.

 

Gratwanderung zum Latschenkopf

Der Grat ist mal schmaler, mal breiter, aber der Pfad ist immer breit genug um auch zwei Wanderern Platz zu bieten. Leider macht sich die Sonne etwas rar. Aber andererseits ist es dadurch auch nicht so heiß und im Moment fühlt sich die Wanderung noch wie ein gemütlicher Spaziergang an. Ich genieße die tolle würzige Luft hier oben und die Aussicht, auch wenn diese von ein paar Wolken getrübt wird.

Von dieser Seite schaut der Latschenkopf ja eigentlich eher aus wie ein grüner Hügel, warum er seinen Namen trägt werde ich später noch feststellen. Der Gipfel oben rechts ist der vordere Kirchstein. Am Fuß der Felswand steht dieses Marterl zum Gedenken an die während des 2.Weltkriegs gefallenen Kameraden des Volks- und Trachtenvereins die Kirchstoaner. Ab hier steigt der Weg leicht an und bald stehe ich auf dem Gipfel des Latschenkopfs.

Das ist der erste von insgesamt drei Gipfeln, die ich heute erklimmen werde. Und der, der am leichtesten zu besteigen war. Und , wenn die Wolken nicht wären, hätte ich von hier einen ersten Blick auf die Benediktenwand, die eines der Highlights dieser Tour sein sollte. Ab hier führt der Weg nun durch einen Wald von Latschenkiefern. Diese kleinwüchsigen Kiefern werden nicht viel höher als 2 Meter und sind typisch für diese Bergregion.

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Über die Achselköpfe zur Benediktenwand

An einer Stelle wird der Pfad von zwei Felsbrocken zu einer Art Hohlweg verengt. Kurz bevor ich zum ersten der drei Achselköpfe komme, verzweigt sich der Weg. Man hat die Wahl zwischen einem eher gemütlichen Wanderpfad, der an den Fuß der Benediktenwand führt, oder aber einem Pfad, der Trittsicherheit und ein bisschen kraxeln erfordert. Der Alpenverein hat hier ein entsprechendes Schild aufgestellt. Ich entscheide mich natürlich für den abenteuerlicheren Weg und darf dann auch schon kurz später an einer kleinen Felswand über eine in den Fels gebohrte Leiter auf einen von drei Achselköpfen steigen. Und hier am Weg gibt es dann noch viele wunderschöne Blumen zu sehen.

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Es gibt Momente, in denen es so ausschaut, als ob sich die Benediktenwand noch aus den Wolken schälen würde, nur um dann doch wieder in ebendiesen zu versinken. Nach der Überquerung der Achselköpfe habe ich noch einmal die Wahl zwischen zwei Wegen. Der eine führt direkt zur Tutzinger Hütte, der andere auf den Gipfel der Benediktenwand. Da sich der Gipfel grad wieder stärker in den Wolken versteckt, überlege ich kurz, ob ich die „Abkürzung“ nehmen soll. Da ich diesen Weg ja aber extra wegen der Benediktenwand gewählt habe, entscheide ich mich diesen auch zu gehen. Und dafür soll ich schon bald mit einem ganz besonderen Erlebnis belohnt werden.

Ein besonderes Naturerlebnis

Es sind kaum Wanderer unterwegs und so bin ich fast alleine hier oben. In diesem Nebel wirkt die Landschaft dann doch fast schon gespenstisch. Aber irgendwie auch faszinierend. Vor allem, wenn man besondere Fotomotive sucht. Ich versuche also etwas mit dem Licht zu spielen. Und dann höre ich plötzlich ein wirklich komisches Geräusch. Als ob jemand Gras rupfen würde. Ich suche nach der Quelle des Geräuschs und entdecke das.

Auf einem Felsvorsprung ca. 10 Meter Luftlinie von mir entfernt liegt dieser kapitale Steinbock und frisst gemütlich das frische Gras. Ich hoffe mal, dass er mich nicht als Eindringling sieht und auf die Idee kommt sein Revier zu verteidigen. Aber ihn interessiert wirklich nur sein Futter. Und ich habe das Gefühl, dass er merkt, dass ich ihn beobachte und sich noch extra in Pose wirft. Können Steinböcke eitel sein? 🙂

Fasziniert beobachte ich den Kerl noch eine Weile. Ich freue mich immer wieder zu sehen, dass es der Natur und vor allem den Tieren doch immer wieder gelingt sich trotz des Eindringens von uns Menschen ihren Platz zu behaupten. Einfach nur schön……

Überquerung des Gipfels im Nebel

Tja und dann hab ich es irgendwann doch geschafft und stehe am Gipfelkreuz der Benediktenwand. Leider mit so gut wie fast keiner Aussicht. Zeitgleich mit mir kommt eine junge Frau von der anderen Seite auf den Gipfel. Sie sagt, dass man hier oben wohl eher sehr selten eine freie Aussicht hat. Schade.

Das Gipfelkreuz der Benediktenwand im Nebel

Gipfel der Beneditkenwand

Ich habe den Gipfel vom Westen her erklommen und es dauert schon ein Weilchen bis man über den Grat hier ankommt. Der Abstieg erfolgt dann über die Ostseite, sodass man den langgezogenen Bergrücken einmal überquert hat. Der Abstieg beginnt zunächst noch recht sanft, wird dann aber rasch steiler und etwas anstrengend.  So nach und nach kommt man aus den Wolken und hat dann auch kann dann auch wieder ins Tal blicken.

So führt der Weg eine ganze Weile weiter durch Latschenwälder und schnell überwindet man die Höhenmeter auf dem Weg nach unten. Nach einer Kehre sehe ich dann ins Tal und dort in der Ferne kann ich den Starnberger See erkennen. Auch das ist immer wieder ein tolles Gefühl, hoch oben am Berg stehen und ins Tal blicken. So weit entfernt von Allem und irgendwie ganz weit über Allem. So entspannend……….

Die Tutzinger Hütte, Berghütte vot atemberaubenden Panorama

Und dann irgendwann steht man am Fuß dieser wirklich beeindruckenden Felswand. Vor ein paar Minuten war ich noch ganz da oben und nun dieser Anblick. Wow!!!!!

Was mich etwas verwundert, ist die Tatsache, dass mir auf einmal wieder mehr Menschen entgegen kommen. Immerhin ist es inzwischen fast 15:00 Uhr und meiner Meinung nach etwas spät um noch Richtung Gipfel aufzubrechen. Aber das soll jetzt mal nicht mein Problem sein. Ich habe da gerade einen Blick auf etwas geworden, auf das ich mich nun seit einer Weile freue.

Juhuu! Endlich eine Hütte! Das erste alkoholfreie Weißbier zischt richtig. Ich habe ja immer genug Wasser dabei, wenn ich wandere, aber auf der Hütte sitzen und ein alkoholfreies Bier trinken ist für mich dann der Gipfel der Genüsse. Da ich inzwischen dann auch Hunger bekommen habe, bestelle ich mir einen Wurtssalat mit Käse. Ich habe noch selten einen Teller gesehen, der mit so viel Liebe angerichtet wurde. Jedes Wursträdchen wurde mit einem passenden Scheibchen Käse kombiniert und dann noch mit Radieschen und grünem Salat garniert. Das Auge isst hier wirklich mit. Und bei dem Ausblick schmeckt’s gleich noch mal so gut.

Der lange Abstieg

Langsam wird es dann doch Zeit sich an den Abstieg zu wagen. Auf einem Schild habe ich gesehen, dass es wohl noch 2 Stunden sind, bis nach Benediktbeuren und zum Bahnhof. Frisch gestärkt geht es also weiter.

Kurz hinter der Hütte kommt ein kurzes, steiles Stück auf dem sich der Weg in Serpentinen nach unten windet. Und dann steht man an einer flach abfallenden Forststraße, der man nun ein gutes Stück folgen muss.

Der Weg ist bequem zu laufen und fällt nur langsam. Fast wieder ein gemütlicher Spaziergang. Aber irgendwie fehlt dann auch ein bisschen die Abwechslung und die Anstrengung der letzten Stunden macht sich langsam bemerkbar.

Irgendwann steht man dann an diesem Schild:

Gemarkungsschild Am Elend

Beginn eines Lehrpfads

Und dann steht man irgendwann vor diesem Schild. Nein, ins Elend wollte ich heute wirklich nicht mehr. Laut meinem Wanderführer soll hier der Anfang eines Lehrpfades zum Thema Bach beginnen. Na da bin ich ja mal gespannt.

Aber zunächst kommt nch ein kurzer, steiler Abstieg um in das Tal des Bachs zu kommen. Schon bald hört man das Rauschen des Bachs und man kommt in ein idylisches Tal mit Wald. Und kurz darauf steht man dann vor diesem harmonischen Bild.

Steinmanderl an einem Bach

Der Weg zieht sich so langsam dann wirklich etwas arg in die Länge und ich wünsche mir bald an mein Ziel zu kommen. Wie lange es wohl noch dauern mag? Wie lange ist es her, dass ich das Schild mit dem Hinweis Benediktbeuren 1 Stunde gesehen habe? Der Lehrpfad ist im Moment auch nicht wirklich eine Ablenkung, da er restauriert wird. Dann endlich treffe ich wieder auf Menschen. Mit Hunden, auf Fahrrädern… Dann kann’s ja nicht mehr weit sein.

Benediktbeuren, ein sympathischer Ort

Und dann endlich erreiche ich den Ort.

Ja. Den Ort habe ich erreicht, aber den Bahnhof dann doch noch nicht. Das braucht dann leider noch einmal 30 Minuten. Ich muss zugeben, dass ich mich noch selten so gefreut habe mein Ziel zu erreichen. Das Städtchen werde ich dann wohl an einem anderen Tag genauer in Augenschein nehmen. Aber nach ein paar Minuten im Zug überwiegt dann doch wieder die Freude über das Erlebte. Und zum Schluss zeigte sich dann auch der Gipfel der Benediktenwand ohne Wolken. Wäre ja schon toll gewesen den ein paar Stunden früher, als ich oben war so zu sehen.

Blick auf den Gipfle vom Bahnhof in Benediktbeuren.

Blick auf die Benediktenwand

 

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